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Viel zu tun gibt es für Silke Wottawa zur Zeit nicht. FOTO: TI

Keine Veranstaltungen, kein Verkauf

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Fernwald(ti). Biertische stehen an einer Wand, daneben zwei Heizpilze. Davor reihen sich mehrere Fässer Bier aneinander. All das wird derzeit nicht gebraucht, ebenso wenig wie die vielen Kisten Getränke, die sich gegenüber palettenweise in die Höhe stapeln. Seit die Corona-Krise ausgebrochen ist, hat Silke Wottawa erhebliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen.

Die 52-Jährige gehört zu jenen Betrieben, die besonders unter der aktuellen Situation leiden. "Ich beliefere mehr als 50 Firmen in und über Fernwald hinaus, außerdem viele Veranstaltungen", sagt die Anneröderin. Mehrere Hundert Events seien es im Jahr, bis zu 15 an einem guten Wochenende während der Saison.

Doch die gibt es derzeit nicht. Eine Veranstaltung nach der anderen wird Wochen im Voraus abgesagt. Firmen haben keinen Bedarf, weil ihre Cafeterien geschlossen wurden und/oder die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Auch in Kindergärten und Schulen hat gerade niemand Durst.

Ihre Aushilfen hat die Unternehmerin nach Hause geschickt. "Ich muss ja selbst sehen, wie ich klar komme", sagt sie. Die Einnahmen werden vermutlich nicht einmal die Ausgaben decken. Die wenigen Aufträge, die sie noch hat, kann sie alleine bewältigen. An die 16-Stunden-Tage, die Silke Wottawa in der Vergangenheit mitunter zu bewältigen hatte, ist derzeit nicht zu denken. "Ich hatte mir für 2020 mehr Zeit gewünscht, aber natürlich nicht auf diese Weise", sagt sie.

Seit 30 Jahren führt Silke Wottawa, die aus Atzenhain stammt und 1987 nach Fernwald kam, ihren Getränkehandel. In der Kirchstraße in Annerod hat sie in einer Garage mit einem kleinen Verkauf angefangen. Wottawa baute um und an und erweiterte das Angebot 1999 um einen Lieferservice. Vor einem guten Jahr zog die gelernte Bäckerei-Fachverkäuferin mit ihrer Firma in den Steinbacher Gutenbergring um und lebt seitdem nur noch vom Ausfahren der Getränke.

Die sind in ihrer rund 200 Quadratmeter großen Halle derzeit allerdings Ladenhüter, ein Teil davon vermutlich sogar totes Kapital - je nachdem, wie lange es dauert, bis die Pandemie bewältigt ist und alles wieder seinen normalen Gang geht. "Die Getränke haben ja ein Mindesthaltbarkeitsdatum", so Wottawa. Bei vielen Softgetränken in PET-Flaschen beispielsweise ein halbes Jahr nach Abfüllung. "Wenn es abgelaufen ist, kann ich sie nicht mehr verkaufen. Die Kisten kommen dann zum Leergut", sagt sie

Dennoch denkt die Selbstständige positiv, hofft, dass in den Firmen in zwei Monaten alles wieder normal läuft, Veranstaltungen spätestens in einem halben Jahr wieder stattfinden. Bis es soweit ist, will sie versuchen, durchzuhalten. Wottawa: "Es muss ja irgendwie weitergehen."

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