Obermeister Christopher Rinn (r.) mit fünf der sechs Gesellen: (v. l.) Marvin Jenny, Maximilian Bühner, Marvin Heisiph, Christian Schneider und Max Spomer. FOTO. SEL
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Obermeister Christopher Rinn (r.) mit fünf der sechs Gesellen: (v. l.) Marvin Jenny, Maximilian Bühner, Marvin Heisiph, Christian Schneider und Max Spomer. FOTO. SEL

Keine Nachwuchssorgen

  • vonFranz Ewert
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Fernwald(sel). Dass es um die Nachwuchssituation im Zimmererhandwerk nicht allzu schlecht bestellt ist, wurde jüngst in der Ratsstube "Edelweiß" in Steinbach klar. Dort nämlich hielt die Innung eine kleine und coronabedingt reichlich abgespeckte Feier für die sechs jungen Männer ab, die 2020 im heimischen Zimmererhandwerk die Gesellenprüfung bestanden haben.

Mögen auch noch so viele Gewerke beklagen, keine Auszubildenden zu finden, bei den Zimmerern aber sieht die Angelegenheit weit weniger düster aus. Gar als "entspannt" könne man die Situation bezeichnen, so der Tenor der kleinen Feier. Und: Das Zimmererhandwerk sei zwar zahlenmäßig längst nicht das größte im Kreis, übe aber seit Jahrzehnten beständige Anziehungskraft auf junge Männer, deutlich seltener auch auf junge Frauen aus.

Das bestätigten auch die Vertreter der Berufsschule. So haben an der Theodor-Litt-Schule 49 Zimmererlehrlinge jüngst ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen. Das sind so viele wie an keiner anderen hessischen Berufsschule, an denen das Zimmererhandwerk gelernt und gelehrt wird. Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und Geschäftsführer der Zimmererinnung, bescheinigte den Gießenern "traditionell sehr gute Ausbildungsleistungen".

Als "das älteste Handwerk" hätten die Zimmerer das Aussehen fast aller durch Menschenhand entstandenen Gebäude geprägt, griff Innungs-Obermeister Christopher Rinn in seiner Rede tief in die Traditionskiste. Dass "unser Grundbaustoff Holz" mittlerweile wieder als "modern" angesehen werde und eine Renaissance erlebe, sei eine gute Entwicklung. "Wir haben mit unserem modernen Grundbaustoff Holz alle Trümpfe in der Hand, wieder mehr als bisher als ›Hölzerne‹ in Erscheinung zu treten", sagte Rinn.

Das für den Zimmerer notwendige "vorausschauende Denken" sei Grundlage des Berufs, in dem jedoch ohne Computer, CNC-gesteuerte Maschinen, E-Mail und Internet "schon vieles nicht mehr geht". Um so beeindruckender sind laut Rinn jene Hochachtung und anerkennendes Staunen abverlangenden Konstruktionen, die die Vorfahren ohne die heutigen modernen Hilfsmittel errichtet haben. Dies solle man bei allem Blick nach vorne nicht vergessen. "Es wäre sicherlich interessant zu hören, welches Urteil die Generationen nach uns über die Bauwerke abgeben werden, die wir heute errichten - und die die Zeiten hoffentlich ebenso überstehen werden", sagte Rinn.

Die erfolgreichen Junggesellen des Prüfungsjahrganges 2020 des heimischen Zimmererhandwerks sind: Marvin Jenny (Gießen, Ausbildungsbetrieb Wilhelm Rinn XI., Heuchelheim) als Innungsbester, Maximilian Bühner (Hungen, AB Weil, Hungen), Marvin Heisiph (Fernwald, AB Arnold, Fernwald), Christian Schneider (Laubach, AB Bosold, Laubach), Max Spomer (Reiskirchen, AB Michael Appel, Pohlheim) und Peter Büber (Pohlheim, AB Ußner, Rabenau).

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