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Bei den Boulefreunden Fernwald gibt Silke Balser im Rahmen der Ferienspiele 2019 den Teilnehmern erste Anleitungen für das richtige Spiel. ARCHIVFOTO: PM

Keine Ferienspiele in Fernwald?

  • vonChristina Jung
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Fernwald (ti). Knapp 40 Seiten umfasst das Ferienspielheft der Gemeinde Buseck, 51 Angebote sind darin zu finden. Von der Holzwerkstatt über Hip Hop meets Breakdance bis hin zur Fahrt in die Lohmühle oder das Maislabyrinth. Im benachbarten Fernwald würde sich mancher ein solches Programm wünschen. Doch da fallen die Ferienspiele in diesem Jahr vielleicht sogar aus.

Auf Nachfrage in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung sprach Bürgermeister Stefan Bechthold mit Blick auf Corona von mangelnder Planungssicherheit. Außerdem verlasse der Jugendpfleger Ende Juni die Verwaltung.

So manchem Mandatsträger stieß das übel auf. Gerade mit Blick auf die Pandemie sei der Bedarf für ein Angebot größer denn je, meint etwa Stefan Becker, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler (FW), auf Nachfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Wir hätten uns zumindest ein abgespecktes Programm gewünscht«, so Becker.

Das sieht auch der CDU-Frontmann in der Fernwalder Gemeindevertretung, Sascha Höres so. Das Argument, dass der Jugendpfleger zum Monatsende seinen Ruhestand antritt, will er nicht gelten lassen. Immerhin habe dieser auch im vergangenen Jahr ein abgespecktes Alternativprogramm vorgelegt. Das hätte er nach Ansicht von Höres auch diesmal noch auf den Weg bringen können.

2020 waren wegen Corona alle Veranstaltungen der Ferienspiele in der geplanten Form abgesagt und stattdessen eine Projektwoche unter freiem Himmel angeboten worden. Höres: »Diesmal hat man sich dann einfach gar nicht mehr die Mühe gemacht.«

Stefan Bechthold weist die Kritik auf GAZ-Anfrage zurück, nennt das vereinsbasierte Ferienspielkonzept und eine »personelle Langzeitvakanz« in der Verwaltung als Gründe dafür, dass bisher nichts passiert sei. Der Jugendpfleger sei schon länger krank und verlasse die Verwaltung in Kürze. Die Vereine, mit denen normalerweise zu Jahresbeginn Gespräche geführt und gemeinsam die Programmpunkte auf die Beine gestellt würden, nähmen jetzt erst wieder ihre Arbeit auf. »Sie sind bei uns die Motoren der Ferienspiele«, so Bechthold. Er kündigt an, nun die ausgefallenen Gespräche führen und klären zu wollen, »ob wir kurzfristig etwas anbieten können«.

Zu spät in den Augen der Kritiker, zumal auch viele andere Kommunen bei ihren Angeboten auf die Unterstützung der örtlichen Vereine setzten. Und bis auf Laubach und Lollar, wo die Überlegungen noch andauern, hat bisher nur Rabenau die Ferienspiele abgesagt. Die große Mehrheit bietet etwas an, auch wenn man sich mit Blick auf die nicht absehbare pandemische Entwicklung vorbehält, das Programm anzupassen oder Veranstaltungen abzusagen.

Dass es in Fernwald kurzfristig doch noch ein Angebot geben wird, glaubt Peter Steil (FDP) nicht. »Die Zeit ist viel zu kurz. Wie will man die Kinder da noch informieren«, so der Freie Demokrat, der kritisiert, dass noch kein Kontakt mit den Vereinen aufgenommen wurde. Fernwalds Grüne sehen das ähnlich. Überrascht ist man aber nicht. »Es ist symptomatisch für die Art von Politik, die Bürgermeister Stefan Bechthold macht«, sagt Grünen-Sprecher Behzad Borhani, der es »extrem schade« fände, wenn den Kindern und Jugendlichen, die so unter der Pandemie litten, nicht wenigstens ein kleines Angebot gemacht werden könne.

Einzig von der SPD bekommt der Rathauschef Rückendeckung. Die Genossen hätten ein Ferienspielprogramm zwar begrüßt, aber: »Die Pandemie ist noch nicht vorbei«, sagt Fraktionschef Gerd Espanion. Er findet, »lieber verzichten, als ins Risiko laufen«.

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