Während die Feuerwehr noch nach einer Möglichkeit sucht, in den verschlossenen Wagen zu kommen, schafft der Vierbeiner  Fakten.
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Während die Feuerwehr noch nach einer Möglichkeit sucht, in den verschlossenen Wagen zu kommen, schafft der Vierbeiner Fakten.

Tierischer Held

Hitzewelle im Kreis Gießen: Tierischer Held rettet sich und Kleinkind aus verschlossenem Auto

  • vonChristina Jung
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Wenn Kinder oder Tiere im Sommer im Auto eingeschlossen werden, droht schnell Gefahr. In Annerod im Kreis Gießen rückte die Feuerwehr aus, um zu helfen.

  • Hund und Kleinkind im Auto eingeschlossen, Fahrzeug steht in der Sonne
  • Feuerwehr im Kreis Gießen im Einsatz
  • Vierbeiner wird zum Helden

Nur mal kurz das Paket wegbringen oder ein Brot kaufen und den Schützling im Auto lassen? Auf keinen Fall, denn das kann tödlich enden. Und doch müssen im Sommer immer wieder Rettungskräfte ausrücken, um Kinder und Tiere vor dem Hitzetod im Fahrzeug zu bewahren. Im Fernwalder Ortsteil Annerod sah es dieser Tage zunächst danach aus, wenn auch die »Schüztlinge« nicht bewusst im Fahrzeug zurückgelassen, sondern zufällig dort eingeschlossen wurden.

Mittwoch, 29. Juli, 10.38 Uhr: Über die Leitstelle geht bei den Anneröder Brandschützern eine Alarmierung ein. Kind im Auto eingeschlossen, lautet die Information. Mit neun Mann eilen die Einsatzkräfte in den Helgenwald, wo eine Mutter vor der Abfahrt in den Urlaub noch einmal kurz aus ihrem Wagen gestiegen ist. Der Schlüssel steckt in der Zündung, die Tür fällt zu und der Pkw verriegelt automatisch. Das Problem: Am Schlüsselbund hängt nicht nur der Öffner für das Auto sondern auch der für das Haus, weshalb der Ersatzschlüssel ebenfalls unerreichbar ist.

Hitzewelle im Kreis Gießen: Fahrzeug in der Sonne

»Das Fahrzeug stand in der Einfahrt in der prallen Sonne«, berichtet Einsatzleiter Sven Henrich im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Das Kleinkind auf dem Rücksitz, der Hund auf dem Platz des Beifahrers. Um den Nachwuchs zu schützen, spannen zwei Feuerwehrleute einen Sonnenschutz, andere gehen ums Haus, um vielleicht doch noch einen Weg ins Innere des Gebäudes zu finden. Zum Glück geht es dem Kind gut. Es sei ganz ruhig gewesen, so der Einsatzleiter. Im Gegensatz zu dem Vierbeiner. »Der hat sich so über unsere Anwesenheit gefreut, dass er richtig zu tänzeln begann«, sagt Henrich.

Hitzewelle im Kreis Gießen: Wundersame Fensteröffnung

Zum Glück für alle Beteiligten, denn dabei betätigt der Hund den Schalter des Fensterhebers. Die Scheibe fährt herunter, »Frauchen« öffnet die Wagentür und kurz darauf beginnt für das Trio doch noch der Urlaub.

Glück im Unglück, auch wenn die Rettungskräfte nicht wirklich auf den vierbeinigen Retter angewiesen gewesen wären. »Wenn sich ein Mensch in akuter Gefahr befindet, schlagen wir eine Scheibe ein«, sagt Henrich,

Er weist grundsätzlich darauf hin, dass man weder Kinder noch Haustiere im Wagen zurücklassen sollte, denn »die Hitzeentwicklung in einem geschlossenen Pkw kann schon bei verhältnismäßig geringen Sommer-Temperaturen derart stark sein, dass nach kurzer Zeit Lebensgefahr besteht«. Darüber hinaus ist es strafbar.

Hitzewelle im Kreis Gießen: Aussetzung ist strafbar

Wer einen Menschen in eine hilflose Lage versetzt oder ihn in einer solchen im Stich lässt, obwohl er ihn in seiner Obhut hat oder ihm sonst verpflichtet ist beizustehen, muss laut Paragraf 221 des Strafgesetzbuches - die sogenannte Aussetzung - mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Sind es die Eltern, die ihr Kind in eine solche Situation bringen oder erleidet Letzteres durch die Tat einen schweren Gesundheitschaden, drohen bis zu zehn Jahre. Auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung ist möglich.

Im Fall von zurückgelassenen Tieren handelt es sich um ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Aber auch der Straftatbestand der Sachbeschädigung kommt bei der strafrechtlichen Bewertung in Betracht.

Der „Katastrophen“-Sommer in Deutschland tritt nun doch ein. Beim Wetter bringt eine Rekord-Hitzewelle große Gefahr. Das sollten Sie wissen. Auch in der Wetterau kommt es durch die Hitzewelle und die damit verbundene Trockenheit vermehrt zu Flächenbränden. Das belastet die Freiwilligen Feuerwehren gerade in der Urlaubszeit.

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