Hanno Müller erhielt in Berlin den Obermayer Award

Fernwald (mlu). Alljährlich würdigen der Deutsch-Jüdische Geschichtsrat und das Berliner Abgeordnetenhaus nichtjüdische Deutsche, die sich für den Erhalt der jüdischen Geschichte und Kultur ihrer Gemeinden einsetzen mit der Verleihung des Deutsch-Jüdischen Geschichtspreises der amerikanischen Obermayer-Stiftung.

Ihre Nominierung erfolgt auf Vorschlag von Juden, die zum Teil noch die Schrecken des Holocaust selbst erlebt haben. Einige von ihnen nahmen an der aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus für Montag im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses terminierten Preisverleihung teil. Zu den Preisträgern des Obermayer Awards zählte, wie im Vorfeld zweimal kurz berichtet, der Steinbacher Historiker Hanno Müller.

Nomi und Eli Brautmann sowie Bryan Knobloch aus Haifa konnten leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen, sehr zum Bedauern von Hanno Müller, der ihnen seine Nominierung zu verdanken hatte. Dafür begleiteten ihn Familienangehörige und Kollegen wie beispielsweise Friedrich Damrath aus Lich.

Vor Ort lernte Müller die übrigen vier Preisträger kennen, mit denen ein erster Gedankenaustausch stattfand. Im Vorfeld der Preisverleihung sollten sie die Arbeiten, für die sie nun ausgezeichnet wurden, ausführlich per Powerpoint-Präsentation der Öffentlichkeit vorstellen.

Datenschutz bisweilen hinderlich

Seit Jahrzehnten widmet sich Müller der Rekonstruktion und Dokumentation jüdischen Lebens in Oberhessen. Umfassende und teils hochwertig aufbereitete Buchbände über jüdische Familien in der Region, unter anderem für Hungen, Butzbach, Langgöns und Lich, sind die Früchte seiner Arbeit. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der pensionierte Lehrer das Buch "Juden in Gießen, 1788-1942". Geburts-, Heirats- und Sterberegister gehören ebenso zu seinen Quellen wie Steuerlisten, Grundbucheinträge, Viehhandelsprotokolle und Bürgerlisten. Ergänzt werden seine Recherchen durch Gespräche mit Holocaust-Überlebenden und deren Nachfahren, denen seine Arbeit zugute kommt. Nach Ansicht des German Jewish Community History Council ist es besonders für Juden in anderen Teilen der Welt wichtig, Kenntnis von Projekten zu erlangen, wie Müller sie betreibt. Insofern ist die Verleihung des Obermayer Awards nicht nur eine Anerkennung für die Arbeit der Preisträger, sondern auch ein Instrument, durch das einschlägige Arbeiten stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Tatsächlich hat Müller schon viele Gäste aus aller Welt in Steinbach empfangen, um sie über das Leben ihrer Vorfahren zu informieren und an deren Gräber zu führen.

"Es war für mich besonders schön, zu erfahren, welch große Bedeutung die Nominatoren und Teilnehmer der Veranstaltung meiner Arbeit beimessen, welch große Wertschätzung sie mir entgegenbrachten. Auch im Dorf, in Gießen und in Butzbach war die Anteilnahme an der Preisverleihung gro?, sagte Müller im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Der Preis bedeute für ihn die Krönung seiner langjährigen Tätigkeit.

Nachdem ihm Stiftungspräsident Dr. Arthur Obermayer sowie der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, den Obermayer Award vor "gut gefüllten Reihen" im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses überreicht hatten, sprach sich Müller in seiner Rede für eine Lockerung des Datenschutzes für die Opfer des Nationalsozialismus aus, wodurch ihm seine Arbeit enorm erleichtert würde. Denn nicht selten scheiterten seine Archiv-Recherchen an Datenschutzbestimmungen, was keineswegs im Interesse von Überlebenden beziehungsweise von deren Angehörigen und Nachfahren sein könne. Spontaner Applaus sei die Reaktion des Auditoriums gewesen.

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