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Spendenübergabe an der evangelischen Kirche Annerod: (v. l.) Maria Hauschild, Bürgermeister Stefan Bechthold, Pfarrer i. R. Rolf Klingmann und Georgi Kalaidijev.

Finanzspritze für "Musik statt Straße"

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Fernwald (con). Kindern eine Chance geben: Seit zehn Jahren unterstützt die Initiative "Musik statt Straße" von Georgi Kalaidijev und Maria Hauschild Kinder im Ghetto "Nadeshda" im bulgarischen Sliven - der Heimatstadt von Kalaidijev. Die Lebensumstände dort sind geradezu grauenvoll.

Feindschaft zwischen Ethnien, Armut, Hunger, Drogen, Prostitution - für viele Kinder gibt es kein Entkommen aus den Umständen, berichteten Hauschild und Kalaidijev nun beim Pressegespräch in der Anneröder Kirche. Die Initiative versorgt Straßenkinder nicht nur mit Kleidung und Nahrung, sie bietet auch Nachhilfeunterricht und eine musikalische Ausbildung und damit eine Option, aus dem Ghetto herauszukommen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Zum zehnjährigen Bestehen des Hilfsprojekts reisen kommende Woche 16 ausgewählte junge Musiker nach Deutschland.

Rund 300 Kinder konnten in den vergangenen zehn Jahren die Unterstützung der Initiative wahrnehmen und erhielten damit eine Chance. Dass das überhaupt möglich ist, verdanken sie vor allem der finanziellen, materiellen, und moralischen Unterstützung vieler Helfer aus Deutschland. "Wir erfahren so viel Unterstützung. Das ist toll", sagt Kalaidijev. So konnten beispielsweise dank einer Großspende aus Hamburg professionelle berufliche Orientierungskurse für Kinder ab elf Jahren angeboten werden. Auch aus Berlin und München kommen Unterstützer.

Für die Initiative gibt es aber auch große Unterstützung aus der Gemeinde Fernwald: "Ganz Annerod lebt dieses Projekt mit", erklärte Bürgermeister Stefan Bechthold. Das sieht man auch am Engagement von Pfarrer i. R. Rolf Klingmann: Dessen gereimte Predigten sind im Ort legendär, deshalb hat er sich dazu entschieden, ein kleines Büchlein mit diesen Predigten herauszubringen. Den freiwilligen Erlös aus dem Verkauf spendet er für "Musik statt Straße". Erstmals kommen die Kinder aus Bulgarien während ihres Deutschland-Aufenthaltes nicht bei Privatpersonen unter, sondern in der Jugendherberge in Gießen - hierfür wird die Spende verwendet. Fast 200 Bücher wurden verkauft und so kam die stolze Summe von fast 4000 Euro zustande, die Klingmann auf einen glatten Betrag aufrundete.

Musik in Gießen, Annerod und Lich

Das Jubiläumsprogramm umfasst mehrere Veranstaltungen: Am Dienstag, 13. August, um 18 Uhr wird im Gießener Rathaus eine Ausstellung mit Fotos der Kinder in ihrem Lebensumfeld in Bulgarien eröffnet. Dort findet am Freitag, 16. August, um 19 Uhr auch ein gemeinsames Galakonzert der bulgarischen Gäste mit dem Kinderorchester der Gießener Musikschule und dem Multikulturellen Orchester Gießen statt (siehe auch Seite 22). Am Samstag, 17. August, geben die Projektkinder um 12 Uhr auf dem Berliner Platz in Gießen ein Eröffnungskonzert zum "Tag der Kulturen"; um 19 Uhr treten sie mit dem Multikulturellen Orchester in der Anneröder Kirche auf. Ein weiteres Konzert findet mit den Licher "Songlines" am Sonntag, 18. August, um 15 Uhr im Kino Traumstern in Lich statt. Eine Woche später reisen die jungen Musiker dann nach Gera .

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