Fenster zu einem besseren Leben

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Niemand weiß, wie viele Kinder im Armenviertel der bulgarischen Stadt Sliven leben. Aber für 250 von ihnen hat sich seit 2009 ein Fenster zu einem besseren Leben geöffnet. Damals gründeten Georgi Kalaidjiev und Maria Hauschild aus Annerod die Initiative "Musik statt Straße". Sie versorgt Straßenkinder nicht nur mit Kleidung und Nahrung, sie bietet ihnen auch Nachhilfeunterricht und eine musikalische Ausbildung. Zum zehnjährigen Bestehen des Hilfsprojekt kommen im August 16 junge Musiker nach Deutschland. Ein Benefizkonzert am 8. März in der ev. Kirche in Annerod soll helfen, den Aufenthalt zu finanzieren. "Die Hilfe kommt an", sagt der Organisator, Pfarrer i. R. Rolf Klingmann. "Wir haben den direktesten Draht, den man haben kann."

Niemand weiß, wie viele Kinder im Armenviertel der bulgarischen Stadt Sliven leben. Aber für 250 von ihnen hat sich seit 2009 ein Fenster zu einem besseren Leben geöffnet. Damals gründeten Georgi Kalaidjiev und Maria Hauschild aus Annerod die Initiative "Musik statt Straße". Sie versorgt Straßenkinder nicht nur mit Kleidung und Nahrung, sie bietet ihnen auch Nachhilfeunterricht und eine musikalische Ausbildung. Zum zehnjährigen Bestehen des Hilfsprojekt kommen im August 16 junge Musiker nach Deutschland. Ein Benefizkonzert am 8. März in der ev. Kirche in Annerod soll helfen, den Aufenthalt zu finanzieren. "Die Hilfe kommt an", sagt der Organisator, Pfarrer i. R. Rolf Klingmann. "Wir haben den direktesten Draht, den man haben kann."

Ein Briefumschlag voller Geld, den Maria Hauschilds verstorbener Vater hinterlassen hatte, gab den Anstoß zu "Musik statt Straße". "Für arme Kinder" hatte der alte Herr, der von einer kleinen Rente lebte, darauf geschrieben. Maria Hauschild und ihr Mann Georgi Kalaidjiev erfüllten sein Vermächtnis. In Sliven, Kalaidjievs Heimatstadt, verteilten sie Lebensmittelpakete an arme Familien. Als ihnen bewusst wurde, dass sich dadurch die Situation der Straßenkinder nicht ändern würde, riefen sie "Musik statt Straße" ins Leben. Die Idee: Durch den Zugang zu Kunst und Musik sollen die Kinder Wertschätzung erfahren, sie sollen Selbstbewusstsein schöpfen und ihren Intellekt entwickeln.

Zehn Jahre später ziehen der langjährige Geiger des Stadttheaters Gießen und die Pädagogin eine positive Bilanz: Fünf Kinder, die bei null anfingen, haben es auf das Konservatorium in Burgas geschafft, manche unterrichten schon selbst, andere besuchen Berufsfachschulen. "Von den Lehrern hören wir immer wieder, dass sich unsere Kinder besser entwickeln als andere", erzählt Kalaidjiev. "Was ihm und seiner Frau besonders wichtig ist: Auch Mädchen werden gefördert. In der patriarchalisch geprägten bulgarischen Gesellschaft sei das keine Selbstverständlichkeit.

Der Kapellmeister ist dankbar für die große Unterstützung, die sein Projekt in Deutschland erfährt. In Bulgarien sei das leider anders. Da schmückten sich Politiker zwar gern öffentlich mit dem Projekt, aber mehr komme dann nicht. Den Probenraum, den der Bürgermeister von Sliven schon vor Jahren versprochen hatte, hat die Initiative nun selbst gebaut. Ende 2018 wurde er eingeweiht. Und dank einer großzügigen Spenderin aus Hamburg will man künftig allen Projektkindern ab elf Jahren berufliche Orientierungskurse anbieten.

Mit einem VW-Bus samt Anhänger legen Kalaidjiev und Hauschild regelmäßig die 2000 Kilometer zwischen Annerod und Sliven zurück. "Auf unserem Dachboden lagern schon wieder Kleider, Spielsachen und Instrumente", berichtet der Geiger. In Bulgarien werden sie sehnlich erwartet.

Einer der zahlreichen Unterstützer ist der ehemalige Anneröder Pfarrer Rolf Klingmann. Den Erlös aus dem Verkauf seines Büchleins "Gereimte Predigten", immerhin 3000 Euro, hat er der Initiative gestiftet. Er gehört zum Kreis der Paten, die eine Familie in Sliven direkt unterstützt. Und Klingmann ist maßgeblich an der Organisation des Benefizkonzerts am 8. März in der Anneröder Kirche beteiligt.

Aus dem Erlös soll in erster Linie der Jubiläumsbesuch in Gießen und Umgebung finanziert werden. Die 16 jungen Leute aus Sliven werden in der Jugendherberge übernachten, Konzerte in Gießen, Annerod und einigen anderen Orten im Landkreis geben und dann noch für eine Woche nach Gera, die Partnerstadt von Sliven, fahren. Und auch vor Ort, in Bulgarien, bestehe Bedarf an Spenden. "Es ist nicht vergeblich, was hier getan wird", unterstreicht Klingmann. "Musik statt Straße" könne nicht alle Probleme lösen. "Aber die Initiative ist ein Leuchtturm."

Die 32 Plätze, die das Projekt für Kinder zwischen sechs und 16 Jahren bietet, reichen nicht, um die große Nachfrage zu befriedigen. "Es gibt eine Warteliste", berichtet Kalaidjiev. Und es gibt klare Regeln. Nur wer in der Schule gut mitarbeitet, regelmäßig zu den Proben kommt und sich beim Vorspiel bewährt, darf auf längere Sicht bleiben. "Wir eröffnen Chancen", sagt der Initiator. "Aber die Kinder müssen selbst auch etwas tun."

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