Dem heimischen Wald geht es nicht gut. Das wird auch im Waldwirtschaftsplan in Fernwald deutlich, der ein Defizit von 20 000 Euro ausweist. ARCHIVFOTO: US
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Dem heimischen Wald geht es nicht gut. Das wird auch im Waldwirtschaftsplan in Fernwald deutlich, der ein Defizit von 20 000 Euro ausweist. ARCHIVFOTO: US

Erneut im Minus

  • vonChristina Jung
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Fernwald(ti). Im vergangenen Jahr musste Bürgermeister Stefan Bechthold erstmals in seiner Amtszeit ein Defizit im Waldwirtschaftsplan verkünden. 6000 Euro hielt der Verwaltungschef allerdings noch für "überschaubar". Doch schon damals prognostizierte er: "Wir werden uns daran gewöhnen müssen." In ihrer jüngsten Sitzung nun stimmten Fernwalds Gemeindevertreter für das neuen Zahlenwerk und das weist ein wesentlich größeres Minus aus - knapp 20 000 Euro nämlich. Die Aufwendungen für den Wald schlagen mit 130 000 Euro zu Buche. Dem stehen Erträge in Höhe von nur 110 000 Euro gegenüber. Der Grund dafür hat einen Namen: Klimawandel.

Revierförster Jörg Sennstock, der für die rund 460 Hektar Wald der Gemeinde zuständig ist, weiß warum und wo es klemmt. "Der erste große Windwurf kam mit Friederike am 18. Januar 2018", sagt er im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Außerdem sei es damals so nass gewesen, dass die flach wurzelnden Fichten zuhauf gefallen seien. Sennstock: "Das war der Anfang vom Ende." Es folgten drei Trockenjahre und nach den Fichten begannen 2019 auch die Buchen zu schwächeln. Selbst mancher Eiche setze der Klimawandel mittlerweile zu, so Sennstock.

Die Folge: Die bis dato gängige Waldbewirtschaftung gehört auch in Fernwald der Vergangenheit an. Weil bei der Aufforstung stärker auf verschiedene, mitunter auch auf andere Baumarten gesetzt werden muss. Weil größere Flächen neue Kulturen benötigen. Weil die Bestände öfter auf abgängiges Holz durchgesehen werden müssen. Und all das kostet Geld.

In den vergangenen drei Jahren habe man wegen des Fichtensterbens 6100 Kubikmeter Holz ernten müssen, sagt Sennstock. Eigentlich die Menge für zehn Jahre. Annerod war diesbezüglich stärker betroffen als Steinbach und Albach, weil dort mehr Fichten standen. Was die Buchen angeht, gebe es in allen Ortsteilen gleichermaßen geschädigte Bäume, so der Revierförster.

Die "Zwangsernte" der Vergangenheit wirkt sich auf die Einnahmen in Gegenwart und Zukunft aus und das macht sich noch stärker in der Kasse bemerkbar als in den Vorjahren, in denen der Holzpreis wegen des Überangebotes an Fichten bereits auf Talfahrt war. "Zuletzt konnten wir froh sein, wenn wir die Fichten kostendeckend aus dem Wald herausbekommen haben", sagt Sennstock. Aber jetzt fehle ihm diese Menge für die Vermarktung. Denn: "Ich habe keine Fichten mehr." Zudem sinke auch bei den Buchen das Preisniveau. "Noch kann ich damit leben", sagt Sennstock. Aber der Blick in die Zukunft bereitet ihm Sorge, Prognosen seien derzeit kaum möglich.

Höhere Kosten für Aufforstung

Der geringe Holzertrag - 2018 waren es noch 100 000 Euro, für 2021 rechnet der Experte nur noch mit 67 000 Euro - ist ein Grund für das Defizit im Waldwirtschaftsplan. Doch es gibt noch andere. Höhere Kosten für die Aufforstung beispielsweise. Rund 20 000 Euro hat Sennstock für 2021 vorgesehen, 2018 war es noch die Hälfte. Doch wegen des Fichtensterbens der vergangenen Jahre sind mehr Flächen als üblich neu zu bepflanzen. Insgesamt 15 Hektar, sagt Sennstock. Nur auf drei Hektar wird die Natur die Verjüngung selbst regeln, auf dem Rest muss Sennstock aktiv werden. Ein weiterer Kostentreiber im Waldwirtschaftsplan ist die Verkehrssicherung: 9500 Euro sind für 2021 eingeplant, 2018 waren es nur 4500 Euro.

Die Kosten für die Waldbewirtschaftung steigen also. Doch laut Sennstock sei es wichtig, hier zu investieren. Nicht nur, weil Holz benötigt wird. Auch um den Wald als Naherholungsort zu erhalten. Wie wichtig das sei, zeige gerade die Corona-Pandemie.

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