Rund 300 Firmen zählen bereits zu ihren Kunden. Kommt ein neuer hinzu läuten die Geschäftsführer von Factor Eleven Stefan Zarnic, Dirk Henke und Firmengründer Alexander Anhuth (v. l.) nach wie vor die Glocke im Eingangsbereich, und es wird ein Foto gemacht. Foto: ti
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Rund 300 Firmen zählen bereits zu ihren Kunden. Kommt ein neuer hinzu läuten die Geschäftsführer von Factor Eleven Stefan Zarnic, Dirk Henke und Firmengründer Alexander Anhuth (v. l.) nach wie vor die Glocke im Eingangsbereich, und es wird ein Foto gemacht. Foto: ti

Bestes Startup

Wie eine Anneröder Firma Branchenriesen wie Google Konkurrenz macht

  • vonChristina Jung
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Factor Eleven zählt rund 300 Kunden und entwickelt bis zu 5000 Kampagnen im Jahr. Mit ihren Technologien in der digitalen Werbebranche machen die Anneröder den Marktführern Google, Facebook und Amazon Konkurrenz.

Wer kennt das nicht: Man surft im Internet und plötzlich ploppt auf dem Bildschirm eine Anzeige auf. Klickt man rein, findet man sich schnell auf einer ganz anderen Homepage wieder. Tut man es nicht, stört die Reklame den Lesefluss. Ein Wegklicken ist mitunter unmöglich. Kurzum: Die Werbung nervt. In Fernwald gibt es eine Firma, die dieser Art des Online-Advertisings den Kampf angesagt hat. Factor Eleven heißt sie. 2014 wurde sie von Alexander Anhuth gegründet, in diesem Jahr im Rahmen der SMARTech-Awards zum innovativsten Startup gekürt.

Bei der Ausspielung von Onlinewerbung Alternativen zu den Marktführern Google, Facebook und Amazon zu bieten - das ist die Mission von Factor Eleven. Der Technologieanbieter für Display- und Bewegtbildkampagnen, der in Annerod ansässig ist, setzt dabei vor allem auf vier Dinge: Der Kunde zahlt nur für angeklickte Werbung. Letztere ist großflächig, damit sie vom Nutzer wahrgenommen wird. Die Anzeige wird so platziert, dass sie das Lesen einer Seite nicht stört. Und: Die Firma arbeitet nur mit renommierten Internetseiten zusammen. "We care about advertising heißt unser Motto", sagt Stefan Zarnic, neben Firmengründer Anhuth und Dirk Henke Geschäftsführer von Factor Eleven.

Im digitalen Marketing kommt es nämlich nicht mehr nur darauf an, viele Ad Impressions, also Aufrufe von Werbemitteln, auszuspielen. Es wird zunehmend Wert auf Qualitätskriterien wie eine hohe Sichtbarkeit der Werbung, die sogenannte Visibility, und auf ein vertrauenswürdiges Umfeld gelegt. Brand Safety heißt das im Fachjargon. Verdrängen kann Factor Eleven die Großen der Branche, die laut Anhuth mehr als 80 Prozent der digitalen Werbeausgaben platzieren, zwar nicht. Allerdings reden Anhuth, Zarnic, Henke und ihr Team ein gehöriges Wörtchen mit. "Wir können den Löwen nicht vom Thron stoßen, aber ein bisschen an seinem Schwanz ziehen", sagt Zarnic.

Der Erfolg gibt Factor Eleven recht: Zu den mittlerweile rund 300 Kunden zählen Weltkonzerne wie VW, Ikea oder Sony. Bis zu 5000 Werbekampagnen entwickeln die Anneröder pro Jahr. Für 2019 rechnen sie mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro. 60 Mitarbeiter sind für die Firma tätig.

2014 begann die Erfolgsgeschichte von Factor Eleven. Gemeinsam mit einer Handvoll Leute wollte Anhuth seinerzeit vor allem eines beweisen: "Dass man auch in Deutschland Technologie bauen und mit den Martkführern mithalten kann", sagt er. Warum aber ging der Mann, der im Taunus aufgewachsen und seit 2005 im Raum Gießen zu Hause ist, mit seinem Startup nicht nach Berlin, Hamburg oder München? In den großen Metropolen sei es schwierig, gute Angestellte zu halten, weil es sehr viele Mitbewerber gebe. Zudem hätten alle Mitarbeiter die Möglichkeit, auch von andernorts für Factor Eleven zu arbeiten. Zarnic beispielsweise lebt in Berlin, Henke in München. Und noch einen Vorteil bietet Fernwald: die Nähe zur Universitätsstadt Gießen, wo der technisch versierte Nachwuchs ausgebildetet wird und zahlreich verfügbar ist.

Für seine besonderen Ideen wurde Factor Eleven in diesem Jahr ausgezeichnet. Im Rahmen der SMARTech-Awards wählte eine Jury die Firma zum besten Startup 2019. "Ein Ritterschlag, der uns am Markt ein Stück Renommee gebracht hat", sagt Zarnic. Anhuth ergänzt: "Es ist eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit und Leidenschaft, permanent innovative Lösungen für unsere Kunden und Partner zu entwickeln".

Wo sich das Unternehmen in fünf Jahren sieht? "Das ist eine spannende Frage", findet Zarnic und für die Geschäftsführer gar nicht so leicht zu beantworten. "Der Markt ist unglaublich dynamisch, er ändert sich permanent." Da die Firma ihr Business immer weiter entwickelt, kann ihr heutiges Bild von Factor Eleven 2024 in zwei Jahren ganz anders aussehen. Soll heißen: Flexibilität ist gefragt, um auf Marktveränderungen jederzeit reagieren zu können. "Grundsätzlich gilt aber, dass wir uns mit Factor Eleven in fünf Jahren als nachhaltig relevanten Player im digitalen Marketing sehen."

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