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Ein schnelles Lichtlein durch die dunkle Leitung kommt

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Von: Patrick Dehnhardt

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Thorsten Schmidt öffnet das Türchen eines MFG. © Patrick Dehnhardt

Fernwald (pad). »Wir öffnen Türen« - so heißt die Adventsserie der Kreisredaktion der »Gießener Allgemeinen Zeitung«. Dabei öffnet sich in jeder Ausgabe bis Heiligabend ein neues Türchen. Manche kennt man, hinter andere haben bislang nur wenige Menschen blicken können.

Los geht es mit solch einem geheimnisvollen Türchen. Stellvertretend öffnet es sich in Annerod im Tiefenweg. Es ist allerdings auch an noch 129 anderen Standorten im Landkreis Gießen zu finden. Den Schlüssel zu dieser Tür hat Thomas Schmidt mitgebracht. Fast geräuschlos öffnet sie sich. Dahinter blinken zahlreiche bunte Lichter.

Das Türchen gehört zu einem Multifunktionsgehäuse - kurz MFG. Es gehört der Breitband Gießen GmbH. 2011 hatten die Kommunen im Landkreis die GmbH gegründet, um den Internetausbau voranzutreiben. Denn die großen Telefonkonzerne hatten kein Interesse daran, selbst neue Leitungen zu verlegen. Doch alle Kupferkabel gegen Glasfaser auszutauschen, wäre für die Kommunen zu teuer geworden. Darum ging man einen Mittelweg.

»Wir haben die Vermittlungsstelle ins Dorf geholt«, sagt Schmidt. Dafür wurden zunächst Leerrohre von Ort zu Ort verlegt. In diese wurde später eine Glasfaserleitung eingeblasen. Über diese können Daten mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden. Erst auf der »letzten Meile« kommt das bestehende Kupferleitungsnetz ins Spiel. Denn über dieses lassen sich Daten deutlich langsamer übertragen - und je weiter der Anschluss von der Vermittlungsstelle entfernt ist, desto mehr sinkt die Geschwindigkeit.

Die Daten kommen über die Glasfaserleitung mit Lichtgeschwindigkeit im MFG im Anneröder Tiefenweg an. Darin wird das Lichtsignal entschlüsselt und in ein elektrisches Signal umgewandelt, welches über die Kupfertelefonleitungen weitergeleitet werden kann.

Dies funktioniert zwar deutlich langsamer als via Glasfaser. Doch in den letzten Jahren hat die Technik große Fortschritte gemacht. War zu Beginn 50 Mbit/s die maximale Geschwindigkeit, ermöglichte Vectoring bereits 100 Mbit/s und Super-Vectoring nun bis zu 250 Mbit/s. Schmidt vergleicht es mit einem Gesangverein: Der Takt des Liedes wurde erhöht, so lässt sich mehr Text in kürzerer Zeit singen.

Aus dem MFG kommen selbstverständlich weder Gesang noch Geräusche. Geräuschlos überträgt es die Daten von und nach Annerod. Wie groß der Unterschied zwischen Glasfaser- und Kupfernetz ist, wird an der verbauten Technik deutlich: Während die Komponente für die Glasfaser nur ein kleines Kästchen ist, liegen in dem Teil der Anlage, der für das Kupferleitungsnetz zuständig ist, zig Kabel nebeneinander.

Sollten die Dörfer einmal komplett ein Glasfasernetz erhalten, hätte das MFG ausgedient. Jedoch könnte das bis ins Dorf verlegte Glasfaserkabel und Leerrohr dann noch einmal wertvolle Dienste leisten und helfen, Baukosten zu sparen.

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