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Der letzte Akt

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Von: Christina Jung

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Fernwald (ti). Vor knapp drei Jahren hatte die Gemeindevertretung die Auflösung der Erschließungs- und Betriebsgesellschaft Fernwald beschlossen. Nun, gut 20 Jahre nach ihrer Gründung, will man sie zum Jahresende endgültig ad acta legen.

Gegen die Stimmen der CDU/FDP-Fraktion votierte das Parlament in seiner Sitzung am Dienstagabend in Albach mehrheitlich dafür, Wirtschaftsgüter der EBF durch die Gemeinde aus dem Gesellschaftsvermögen herauszukaufen, soweit sie nicht an Dritte veräußert werden. Verbleibende Verbindlichkeiten gehen auf die Kommune über.

Ein Verkauf war eigentlich für das Holzhackschnitzel-Heizwerk vorgesehen. Zwei Jahre habe man mit den Stadtwerken Gießen verhandelt. Dort allerdings wolle man erst den Jahresabschluss 2021 abwarten und für ein Jahr die kaufmännische und technische Betriebsführung übernehmen, bevor man sich entscheide, verkündete Bürgermeister Stefan Bechthold den überraschten Mandatsträgern. Im Haupt- und Finanzausschuss zwei Wochen zuvor war davon noch keine Rede gewesen.

Ärger wegen Heizwerkverkauf

»Wir sind hochgradig verägert«, sagte FW-Fraktionsvorsitzender Stefan Becker mit Blick auf eine solche Nachricht siebeneinhalb Wochen vor der endgültigen Auflösung. Er regte an, das Heizkraftwerk wieder für andere Kaufinteressenten zu öffnen und von einer Betriebsführung auf Probe Abstand zu nehmen. Außerdem schlug er vor, bestehende Verträge mit dem Energieversorger unter diesem Aspekt neu zu bewerten. Unterstützung bekam er von Gerd Espanion (SPD), der den Stadtwerken »Hinhaltetaktik« vorwarf. Am Ende stimmten FW und SPD aber gemeinsam mit den Grünen für den vorliegenden Beschlussvorschlag. Dagegen votierten die Vertreter von CDU und FDP.

Der Fraktionsgemeinschaft fehlten »konkrete Zahlen«, deren Vorlage man schon im Haupt- und Finanzausschuss gefordert hatte. Sascha Höres: »Pauschal werden wir nicht entscheiden, das tun wir auch an anderer Stelle nicht.« Unverständnis darüber beim Bürgermeister, den Freien Wählern und Sozialdemokraten. Becker: »Der Jahresabschluss liegt doch vor.«

Die EBF wurde 2001 gegründet. Sie gehört zu 100 Prozent der Gemeinde Fernwald. Zu ihren Aufgaben zählten unter anderem die Erschließung und Vermarktung von Grundstücken und der Betrieb des Holzhackschnitzel-Heizwerks. Prof. Hubert Jung hatte gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dieter Howe und Bernhard Becker das Konzept für die Erschließungs- und Betriebsgesellschaft Fernwald entwickelt. Zu einer Zeit, als Grundstücke sich nur schwer vermarkten ließen.

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