Acht ehemalige Sänger des berühmten Dresdner Kreuzchores singen unter Leitung von Dr. Klaus Holzweißig in der Kirche von Annerod. (Foto: sis)
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Acht ehemalige Sänger des berühmten Dresdner Kreuzchores singen unter Leitung von Dr. Klaus Holzweißig in der Kirche von Annerod. (Foto: sis)

Collegium Canticum Dresden gibt Konzert in Annerod

Fernwald (sis) Haydn, Schumann, Bach – eine knappe Stunde in der evangelischen Kirche Annerod wurde am Samstag zu einer kurzweiligen Reise durch knapp 500 Jahre Musikgeschichte. Das "Männerstimmen-Doppelquartett" Collegium Canticum Dresden (CCD) wurde von einem dankbaren Publikum frenetisch gefeiert.

"Es ist das erste Konzert einer kleinen Abschiedstournee", bemerkte Pfarrer a. D. Rolf Klingmann nicht ohne Wehmut.

Unter der Leitung von Dr. Klaus Holzweißig widmet sich das Collegium Canticum – 1975 als Männerstimmen-Doppelquartett von ehemaligen Sängern des Dresdner Kreuzchores gegründet – der Interpretation von Vokalmusik für Männerstimmen. In seit nun 40 Jahren nur gering wechselnder Besetzung, wohlgemerkt. Eine Besonderheit in der Aufführungspraxis des Ensembles stellt dabei die Interpretation achtstimmiger Werke in solistischer Besetzung dar.

Das Repertoire umfasst neben Musik des Mittelalters, insbesondere der Heinrich-Schütz-Zeit, Motetten der Romantik sowie moderner Kompositionen auch Madrigale, sogenannte mehrstimmige Vokalstücke – eine Gesangsform der Renaissance. Werke dieser Epoche und der Romantik in ihrer originalen Klanggestalt zu repräsentieren, wird durch die Mitwirkung von Countertenören innerhalb des CCD möglich.

Mit "Herzlich tut mich erfreuen" des englischen Komponisten Thomas Morley (1558–1602) wurde der feierliche Abend in Annerod eröffnet. Nach "Das ist je gewißlich wahr" von Heinrich Schütz und einem wunderschönen Orgelstück – Bachs "Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist" – traten die Sänger von der Empore hinab vor ihr begeistertes Publikum. Haydns "Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret" rührte zutiefst. Mit wunderbar wohlklingenden Tenören und einem unaufgeregt untermauernden Bass kam die Akustik der Saalkirche klar akzentuiert zum Ausdruck. Ein sauberer A-cappella-Klang schwirrte durch den Raum. Erheiternd wirkten "Die Minnesänger" von Robert Schumann mit Heinrich Heines Text. "Zu dem Wettgesange schreiten Minnesänger jetzt herbei. Ei, das gibt ein seltsam Streiten, ein gar seltsames Turnei" rief vereinzelt erheiterte Resonanz hervor. Franz Biebls "Jubilate – Alleluja" unterstrich den festlichen Charakter des Abschiedskonzerts einmal mehr. Das Spiritual "Somebody is knocking" ließ das Ende einer wundervollen Performance erahnen.

Am Sonntag durfte sich die Gemeinde Annerod über einen erneuten Besuch des Collegiums im Zuge des Gottesdienstes freuen. Am Nachmittag traten die Dresdner Sänger auch in der evangelischen Kirche von Burkhardsfelden auf. Zwar entließ die Gemeinde ihre Künstler nicht wie von Klingmann gewünscht "ganz bedächtig", sondern mit anerkennendem Applaus – das gesungene "Vaterunser" nach Rudolf Mauersberger vor dem Segen war aber auch zu schön. Eine zauberhafte Intonation mit überragendem Tenorsolo. Chapeau!

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