Waldkindergarten

Betreuung unterm Blätterdach?

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Viel Skepsis gegenüber einer guten Idee: Die FDP Fernwald hat angeregt, die Einrichtung eines Waldkindergartens prüfen zu lassen. Im Sozialausschuss meldeten sich die Kritiker.

Die Vorteile für die Kommune liegen auf der Hand: Die Investitionskosten sind überschaubar, für die Instandhaltung eines Gebäudes fallen erst gar keine an. Betreuungsplätze für kleines Geld sozusagen. Dennoch überwog am Montagabend im Fernwalder Sozialausschuss die Skepsis gegenüber der Einrichtung eines Waldkindergartens. Auf der Tagesordnung ein Antrag von FDP-Mann Peter Steil, der genau dies durch den Gemeindevorstand geprüft sehen wollte. Nach einem Vortrag von Tanja Kraus-Sorge, zehn Jahre lang Vorstandsmitglied im Trägerverein des Licher Waldkindergartens, und anschließender Diskussion stand dennoch ein einstimmiges Votum für den Prüfantrag.

Von Erdrutsche bis Waldsofa

Kraus-Sorge berichtete vom Alltag in Lich, von Vor- und Nachteilen des Angebotes und von den Dingen, die es für einen Waldkindergarten braucht: einen Bauwagen, zwei Erzieher, eine Notunterkunft im Fall von Gewitter oder Sturm, eine Betriebserlaubnis und natürlich ein Waldstück – rund anderthalb Quadratkilometer haben die zwei Gruppen in Lich ihrer Schätzung nach zur Verfügung, ausgestattet mit drei bis vier Plätzen unterschiedlicher Beschaffenheit, die sich die Mädchen und Jungen mit ihren Erzieherinnen selbst eingerichtet haben.

Eine Erdrutsche, ein Waldsofa und ein Kletterbaum. Jeden Morgen stimmen die Kinder demokratisch ab, welchen Platz sie an diesem Tag ansteuern wollen. Dort angekommen braucht es kaum mehr als das, was der Wald an Spielmöglichkeiten bietet. Ob aus Naturmaterialien Ketten basteln oder mit der Lupe Pflanzen bestimmen – langweilig wird den Kleinen trotz fehlendem Spielzeug nicht.

In Zeiten, in denen Kita-Plätze Mangelware und für die Städte und Gemeinden ein kräftiges Zuschussgeschäft sind, müsste die Idee eines Waldkindergartens bei den Entscheidungsträgern eigentlich Freude hervorrufen. Doch bei der SPD-Fraktion überwogen Zweifel, Gegenwind auch aus den Reihen der FW. Gerd Espanion (SPD) hatte so seine "Bedenken" wegen der "finanziellen Situation" der Gemeinde. Die wende alljährlich rund zwei Millionen Euro für die Kinderbetreuung auf. Tendenz steigend. Denn mit Blick auf die Baugebiete Jägersplatt und Steinbacher Gärten sah er weitere Investitionen, Sach- und Personalkosten auf die Kommune zukommen.

Für den Antragsteller Peter Steil kein Widerspruch. In seinen Augen könnten fehlende Betreuungsplätze auch über das Waldkindergarten-Modell bereitgestellt werden. Allerdings – so der Einwand von Bürgermeister Stefan Bechthold – seien die nicht für die ganz Kleinen geeignet. (Frühestens mit zweieinhalb nehmen die Licher Kinder auf, denn die tägliche Bewegung verlangt den Mädchen und Jungen einiges ab, so Kraus-Sorge). Doch gerade der Bedarf an Betreuungsplätzen für unter Dreijährige ist groß. Gisela Papstein (Grüne) hielt es mit dem Freien Demokraten: Ein Waldkindergarten schaffe in anderen Einrichtungen mehr Platz für U3-Kinder. Fraktionskollege Bernd Voigt sprach von einer "wünschenswerten Ergänzung" zum derzeitigen Angebot.

Heike Wehrum (SPD) führte auch das "zeitliche Korsett" als Gegenargument ins Feld. Die Betreuung in Lich fängt aufgrund der Lichtverhältnisse erst um 8.15 Uhr an und endet spätestens um 15 Uhr (inklusive Mittagessen in der Asklepios-Klinik). "Hier würden wir von vorneherein Kinder vom Konzept fernhalten", befand die Sozialdemokratin mit Blick auf Eltern, die eine längere Betreuung benötigten. In Fernwald ist eine solche derzeit zwischen 7.

30 und 16.30 möglich. Wehrum: "Diese Selektion gefällt mir gar nicht." In Steils Augen ebenfalls kein Gegenargument, denn nur weil ein Teil ausgeschlossen würde, dürfe man das Angebot nicht allen vorenthalten. Unterstützung gab es von Kraus-Sorge: "Die Eltern nehmen eingeschränkte Zeiten in Kauf."

Nadine Wendt (FW) regte an, eine Waldkindergartengruppe an den Regelkindergarten anzudocken. Dort könnte die Anlaufstelle für das Bringen und Abholen sein, außerdem eine Möglichkeit für das Mittagessen. Laut Kraus-Sorge insbesondere in Albach wegen der Nähe zum Wald kein Problem. Doch Fraktionskollege Stefan Becker stand dem Ganzen kritisch gegenüber. "Wir sollten den Blick dorthin richten, wo unsere Prioritäten liegen und nicht auf eine zusätzliche freiwillige Leistung."

Espanion schlug vor, zunächst den Bedarf zu ermitteln und zu klären, ob sich interessierte Eltern auch in einem Trägerverein engagieren würden. Für Steil keine Alternative zur Kommune, denn arbeitende Mütter und Väter könnten dies heute nur schwer leisten. Nun soll geprüft werden, wie viele Fernwälder Interesse hätten und was die Einrichtung eines Waldkindergartens die Kommune kosten würde.

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