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Albach – das Dorf mit dem Feuerwehr-Streit

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Der Streit um die Feuerwehr hat Albach in die Schlagzeilen gerückt. Doch über das kleine Dorf zwischen A 5 und Licher Wald gibt es viel mehr zu erzählen.

"Feuerwehr macht dicht: Ein schwarzer Tag für Albach." Wer bei Google den Namen des kleinsten Fernwalder Ortsteils eingibt, erfährt schon an fünfter Position vom dortigen Streit um die Einsatzabteilung. Monatelang wurde er ausgefochten, bis im Februar dieses Jahres das Parlament die Standort-Auflösung beschloss. Immer wieder wurde in diesem Zusammenhang über Albach berichtet, der kleine Ort östlich der A 5 in den öffentlichen Fokus gerückt. Weit über seine Grenzen hinaus ist er heute wegen eben dieses Konfliktes bekannt. Dabei gibt es über die Heimat von 1276 Menschen viel mehr zu erzählen.

Keine Brathähnchen mehr in der "Eule"

Beispielsweise, dass diese dort gerne leben, weil das Dorf ländlich und gleichzeitig verkehrsgünstig gut gelegen ist. Menschen aus Orten mit deutlich mehr Infrastruktur zieht es nach Albach, obwohl es dort weder Einkaufsmöglichkeiten noch medizinische Versorgung, ein Geldinstitut oder Gasthaus gibt. Die letzte Wirtschaft – Eule genannt und weithin für ihre hervorragenden Brathähnchen bekannt – schloss vor zwei Jahren ihre Pforten. "Die Menschen hier schätzen einfach die Nähe zur Natur", sagt Karl-Heinz Schmitt. "Man ist ganz schnell im Wald und kann bis Lich, Hattenrod oder Ettingshausen laufen." Naherholung aus dem Bilderbuch.

Wer etwas über das Dorf erfahren möchte, ist bei dem 78-Jährigen an der richtigen Adresse. Seit seiner Geburt lebt er dort, und hat als langjähriges Mitglied der Gemeindevertretung die Geschicke des Ortes 40 Jahre lang mitgestaltet. 1968 wurde er zum ersten Mal gewählt, erlebte die Gebietsreform hautnah mit. "Eigentlich sollten wir damals nach Lich", erinnert er sich. Doch Annerods Bürgermeister Karl Huber brachte den Zusammenschluss mit Steinbach und Annerod in die Diskussion. "Der Landesplanung gefiel das eigentlich nicht, aber irgendwann ist es unter einem großen Stapel von Papieren mit unterschrieben worden", erzählt er. Das Schicksal der kleinsten Großgemeinde im Landkreis war besiegelt.

Für Albach, ein ursprünglich von der Landwirtschaft geprägtes Dorf, bedeutete das vor allem Wachstum. Seit 1971 hat sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt. Das erste Baugebiet "Auf der Wiese" entstand 1967. "Sechs Mark kostete der Quadratmeter", erinnert sich der frühere Ortsvorsteher Gerd Frackenpohl. Es folgten andere wie der Hattenröder Weg oder der Senser. Mit der Einwohnerzahl wuchsen die acht Vereine, Veranstaltungsstätten wurden geschaffen. In Eigenleistung baute Frackenpohl als Vorsitzender des TSV gemeinsam mit den Mitgliedern das Sportheim. "25 000 Mark gab es von der Gemeinde, darüber hinaus musste ich sehen, wie ich klar kam." 1983 wurde Einweihung gefeiert, vier Jahre später auch im Bürger- und Feuerwehrgerätehaus. Heute haben die meisten Vereine mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Ob Liederkranz, Kirchenchor oder Kleintierzüchter – "das Interesse schwindet immer mehr", sagt Karl-Heinz Schmitt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Albach im Jahr 1239. Damals gab es zwei Ortsteile: Ober-Albach und Nieder-Albach. Letzteres allerdings bestand nur bis 1550,dann zog es die letzten Bewohner nach Lich. Fortan hieß die Gemarkung Hof Albach, war gemeindefrei und wurde erst 1952 auf Lich, Steinbach und Albach aufgeteilt.

Die Sache mit dem Pfarrer und dem Gaul

Früher gehörte Albach übrigens zu den Gemeinden des Busecker Tals und war pfarramtlich mit Rödgen verbunden. Eine Anekdote aus dieser Zeit, wird bis heute erzählt: Wenn der Pfarrer kein eigenes Pferd besaß, schickten die Albacher ihm am Sonntag eines, damit er pünktlich zum Gottesdienst kam. Einmal war der dem Geistlichen überbrachte Gaul am Samstag zuvor auf einem Acker am Weg nach Rödgen beim Pflügen im Einsatz gewesen. Als die beiden an besagtem Stück Land vorbeikamen, wollte das Tier dort weitermachen, wo es am Vortag aufgehört hatte. Der Pfarrer hatte große Mühe, den Gaul Richtung Albach zu bewegen und kam zu spät. Gelächter im Gotteshaus? "Das ist nicht überliefert", sagt Schmitt.

Was es sonst noch aus Albach zu berichten gibt? Seit März 2013 besteht auf dem Gelände der früheren Raketenabschussbasis ein Solarpark. 18 768 Photovoltaik-Module auf 6,6 Hektar liefern Elektrizität, im vergangenen Jahr mehr als fünf Millionen Kilowattstunden. Ein Rekordergebnis, das dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 1600 Haushalten entspricht

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