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Wenn der Radweg an der B 49 einmal gebaut wird, soll an der Abfahrt zum Anneröder Gewerbegebiet eine Querung möglich sein. Nach gegenwärtigen Überlegungen aber offenbar nicht mehr via Unterführung, sondern über eine Ampelanlage.

13 Jahre und kein Ende

  • VonChristina Jung
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Fernwald (ti). 13 Jahre. So lange liegt der Beginn der Planungen für den Radweg entlang der B 49 zurück. Jene 5,6 Kilometer lange Strecke, die von Gießen über Fernwald nach Buseck führen und auf Höhe Oppenrod an den hessischen Radfernweg R 7 angebunden werden soll. Ende 2019 hatte das zuständige Planungsbüro HS Ingenieure aus Linden die Unterlagen für das zur Baurechtschaffung notwendige Planfeststellungsverfahren fertiggestellt.

Doch mittlerweile ruhen die Planungen, wie Thorsten Hitz (HS Ingenieure) am Dienstagabend in der Sitzung des Fernwalder Ausschusses für Bauen, Umwelt und Verkehr erklärte. Sehr zum Ärger der anwesenden Mandatsträger.

Der Grund: Bereits 2016 hatte der Ingenieur dem Gremium berichtet, dass Baurecht geschaffen werden könne. Drei Jahre später hieß es dann, dass man wohl 2020 ins Planfeststellungsverfahren gehe. Zwischenzeitlich hat der Bund, der Bauträger des Radweges ist, aber offenbar eine Leistungsfähigkeitsprüfung der Einmüdungen entlang der B 49 veranlasst. Im vergangenen Frühjahr wurden laut Hitz Verkehrszählungen durchgeführt. Das Ergebnis sei noch nicht offiziell - das Gutachten soll in der zweiten Jahreshälfte vorgestellt werden -, aber es wird wohl Ampelanlagen an den Fernwälder Abfahrten geben. Und in diesem Fall würde dort auch der Radverkehr integriert, sagt der Experte. Eigentlich waren an beiden Stelle Unterführungen vorgesehen, eine solche ist laut Hitz aber nur noch bei Oppenrod geplant, wo die Strecke an den Fernradweg R 7 angeschlossen werden soll. Alles auf Anfang also und noch mehr Kosten für die Kommunen, die für die Planungen bereits mehr als 150 000 Euro gezahlt haben? Nein, sagt Hitz. »In den Grundzügen stehen die Planungen ja. Was bis jetzt erarbeitet wurde, ist nicht verloren. Die Trasse wird sich nicht grundlegend verändern.« Lediglich der Teil auf Höhe der Fernwälder Abfahrten müsse modifiziert werden.

Bisher 113 000 Euro Kosten für Fernwald

Bei den Ausschussmitgliedern lösten die Neuigkeiten alles andere als Begeisterungsstürme aus. »Seit mehr als zehn Jahren geben wir Geld für Planungsleistungen aus«, machte FW-Fraktionschef Stefan Becker seinem Ärger Luft. Schon damals habe man in Fernwald Ampelanlagen zwecks Straßenquerung favorisiert und das auch kundgetan, weil die Unterführungen »unserer Ansicht nach die teuerste und nicht die beste Lösung« darstellten. Zur Info: Den Bau des Radweges zahlt der Bund. Die beteiligten Kommunen müssen anteilig die Planungskosten tragen. Auf Fernwald kommt mit knapp 53 Prozent der höchste Betrag zu - bisher sind rund 113 000 Euro angefallen -, Gießen muss rund 36 Prozent übernehmen, Buseck elf Prozent.

Der Bund aber vertrat bisher den Standpunkt, dass der Verkehrsfluss auf der Schnellstraße nicht unterbrochen werden darf, ergänzte Fraktionskollegin Ulrike Bell-Rieper. Jetzt soll das offenbar alles nicht mehr gelten. »Ist das ein toter Gaul, den wir hier reiten?«, fragte Becker. Und auch Matthias Klose (CDU), der sich an den Beginn der Planungen noch aus seiner Zeit als Bürgermeister erinnert, wollte wissen, »wann es endlich Butter bei die Fische« gibt.

Einen Zeitplan hatte Hitz nicht in der Tasche. Sebastian Lauer, Sachgebietsleiter Radwege Westhessen bei Hessen Mobil, erklärte: »Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich ins Planfeststellungsverfahren zu gehen«. Wann das sein wird, ließ er offen, bezifferte aber dessen Dauer auf rund 30 Monate. Bis Baurecht besteht, wird es also noch eine ganze Weile dauern. Bis der erste Radler entlang der B 49 von Gießen über Fernwald nach Buseck fährt noch viel länger.

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