Torten-Kunstwerke

Monster-Torten aus Krofdorf

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Martina Tibenska erschafft Kunstwerke aus Sahne, Creme und Zucker. Sie zaubert in ihrem Laden in Krofdorf Torten in Form von Monstern, Bratschen und Brautpaaren.

Ein Monster steht auf Martina Tibenskas Tisch, es hat die Augen weit aufgerissen. Die 44-Jährige umkreist es, presst immer wieder vorsichtig eine kleine Spachtel gegen den Körper des 60 Zentimeter hohen Wesens, verfeinert die Konturen. Man könnte meinen, sie bastelt an einer Skulptur aus Knetmasse. Das Monster ist aber ein Werk aus

Zucker

und Tortencreme. Tibenska zaubert

Torten

im Form von Drachen, Zirkuszelten und Oldtimern – was ihre Kunden eben wünschen. Kürzlich hat sie in Krofdorf-Gleiberg ihren Laden "Cake Art" eröffnet.

Tibenska hat ihr Torten-Talent spät entdeckt. "Ich war jahrelang arbeitslos", flüstert sie im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Sie macht vor sechs Jahren eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Ein Dozent schlägt einmal vor, für eine Feier Speisen zum Thema "Tiere und Gesundheit" zuzubereiten. Aus einer humorvollen Laune heraus kreiert sie eine Torte zum Hanta-Virus – zu einer Krankheit, die sich über Mäusekot überträgt: "Keine appetitliche Idee", erzählt sie lachend. Sie platziert Mäuse aus Zucker auf der Torte, formt dunkle Schokolade zu kleinen Kügelchen. "Das war der Mäusekot." Die Torte kommt gut an. "Wenn ich danach auf Geburtstage eingeladen wurde, hieß es bald nur noch: Bring kein Geschenk. Mach eine Torte."

Tibenska ist Slowakin. Für einen Ferienjob kam sie vor 25 Jahren nach Mittelhessen, verliebte sich, brachte eine Tochter zur Welt. Als Heilpraktikerin hat sie trotz abgeschlossener Ausbildung nie gearbeitet. "Ich kam mir nicht gut genug vor, kranken Menschen zu helfen", sagt sie. Stattdessen kellnert sie jahrelang. Ein Gründer-Seminar für Ausländer ermutigt sie, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. "Vor allem hat mir auch mein Freund geholfen."

Sie habe Hunderte Stunden im Internet verbracht, um das Formen der Torten zu lernen, erzählt sie in ihrem Geschäft, das in zartem Mint und in Rosa eingerichtet ist. "Entscheidend war, dass ich eine Tortenmasse gefunden habe, die stabil ist und wie Knetmasse funktioniert." "Ich bin Perfektionistin" An ihren Werken fällt vor allem die Liebe zum Detail auf. Für einen Kunden hat sie ein Trikot des FC Barcelona geformt. Tibenska bastelt dabei auch das kleine Etikett auf der Rückenseite – mit den winzigen Symbolen für Bügeleisen und Waschmaschine aus Zucker. "Ich bin Perfektionistin", sagt sie. Der Nachteil: Mütter beklagen auch schonmal, dass der Sohn die Torte in Form eines Drachens auf der Geburtstagsfeier nicht anrührt – und stattdessen in seinem Zimmer aufstellt, bis sie schimmelt.

Tibenskas Torten sind indes nicht billig, der Preis beginnt bei 120 Euro. "Kein Mensch wird mir die Zeit bezahlen können, die ich wirklich aufwende", hält sie jedoch fest. Sie will ihre Kunden auch emotional berühren. "Wenn eine Frau vor Freude kreischt, wenn sie die Torte für den Geburtstag ihres Manns sieht, ist mein Tag gerettet." Wenn Torten Geschichten erzählen Ihre Torten erzählen Geschichten. Für eine Hochzeit erschafft sie ein Zuckerwerk in Form eines offenen Knochens, da sich der Bräutigam das Bein gebrochen hatte. "Ich setze mich mit den Kunden zusammen, wir reden darüber, wie die Torte aussehen soll. Oft schaue ich mir auch Bilder der Familie an."

Einmal betritt ein Friseur ihren Laden. Er will seinen Mitarbeiterinnen mit einer Torte eine Freude machen, die Stimmung sei etwas angespannt. Der Friseur will symbolisch Zahnräder auf der Torte platzieren, als Zeichen für gute Zusammenarbeit. "Da fehlt doch die Herzlichkeit", entgegnet Tibenska. "Das ist viel zu funktional." Am Ende formt sie einen Friseurstuhl, auf dem eine Dame mit langen blonden Locken sitzt. Am Rand der Torte bilden pinkfarbene Zahnräder, die alle Namen der Friseurinnen tragen, eine Blume. "Die Torte war ein Erfolg", erzählt Tibenska. "Die Frauen haben ihre Zahnräder aus Zucker an ihre Spinde gehängt."

Kurse zum Tortenformen

Backen verboten

Martina Tibenska bereitet die Cremes ihrer Torten zu, formt sie. Backen aber darf sie nicht. "Es gilt der Meisterzwang." Die Böden bestellt sie bei einer Bäckerei. Sie gibt außerdem Kurse darin, wie man Torten formt. Infos unter www.cakeart-martinka.de.

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