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Faszinierende Twiolins

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Die drei CDs der "Twiolins" enthalten Werke, die aus den von ihnen veranstalteten Kompositionswettbewerben hervorgingen, also aus der Feder eher unbekannter Künstler. Mit ihrem "Secret Places"-Programm gastierten die beiden Mannheimer Geigenvirtuosen schon 2019 bei den Licher Kulturtagen. In diesem Jahr hatten sie noch den Bonus der großen Namen auf ihrer Seite.

Selbst Hörer der "Ich mag eigentlich gar keine Klassik, aber das gefällt mir"-Fraktion kennen die zentralen Themen der "Vier Jahreszeiten". Das 1725 von Antonio Vivaldi geschriebene Werk aus vier jeweils dreisätzigen Konzerten für Streicher und Generalbass wurde beim Konnzert im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge nicht nur durch seine eingängigen Melodien berühmt, sondern auch durch in Sonettform vorangestellte Beschreibungen des außermusikalischen Inhalts - was den Zugang noch erleichtert. Da geht es um die Unbilden des Wetters - Eis und Schnee, Hitze und Sommerstürme - ebenso wie um die Menschen - Feiern und Ausruhen, Füßestampfen und Zähneklappern.

Perfekte Reduktion

Das Geschwisterduo Marie-Luise und Christoph Dingler wagte sich nun daran, das Werk auf eine Wiedergabe mit nur acht Saiten (zwei Geigen bzw. Geige plus Bratsche) zu reduzieren. Aber oft bringt ja gerade die Reduktion die Struktur der Musik besonders schön zur Geltung: Ch. Dingler fordert die Zuhörer in der gut gefüllten ehemaligen Synagoge ganz selbstbewusst auf, die Töne aus der Orchesterfassung zu zählen, die ihnen in der von ihm arrangierten Duofassung fehlen.

Die zweite Besonderheit lag in der Kombination des italienischen Barockstars mit Stücken aus der Feder des italienischstämmigen argentinischen Komponisten Astor Piazzolla, des Schöpfers des Tango Nuevo. Anders als der lettische Geiger Gidon Kremer, der in seinen "Eight Seasons" ebenfalls Vivaldi und Piazzolla kontrastierte, orientierte sich die Auswahl Dinglers eher an musikalischen Erwägungen wie passender Tonart, Stimmung und Ähnlichkeiten der musikalischen Mittel.

So kommen Pizzicato-Passagen (gezupfte Geige) in mehreren Sätzen beider Komponisten vor, es gibt rhythmische Parallelen und Melodien auch in der Begleitstimme.

Kopfkino pur

Meist folgt einem Vivaldi-Satz einer von Piazzolla, z. B. nach dem ersten Sommer-Satz das bekannte "Oblivion", das mit dem herzzerreißenden Zusammenspiel von Marie-Luise Dinglers elegischer Violine und Christoph Dinglers Pizzicato-Bratsche zu den vielen Höhepunkten des Konzerts gehört. Im Sommer-Adagio werden die ruhenden Menschen durch Fliegen und Mücken gestört, der anschließende Piazzolla lässt danach fast an emsige Ameisen denken - Kopfkino eben.

Dem weingetränkten Bauerntanz des Herbst-Konzerts folgt mit Piazzollas "Mi Exaltacion" geradezu ein Gassenhauer, und im dritten Herbst-Satz wird besonders schön die auf die zwei Geigen verschlankte Zweistimmigkeit deutlich. Als eine Flasche im Saal lautstark umfällt, kommentiert die Geigerin gut gelaunt, das müsse wohl "der betrunkene Bauer" gewesen sein. Humor beweisen die beiden fantastisch zusammenspielenden Musiker auch in den Zugaben, etwa mit einer raffinierten Verschmelzung von Beethovens Fünfter mit Britney Spears’ "Toxic".

Twiolins in Lich - eine neue Tradition, die auf Fortsetzung hoffen lässt. FOTO: AXC

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