Werner Kutscher mit einer großen Raupe des Totenkopffalters. FOTO: PAD
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Werner Kutscher mit einer großen Raupe des Totenkopffalters. FOTO: PAD

Faszination Falter

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Werner Kutscher aus Dorf-Güll hat ein besonderes Hobby: Er züchtet Schmetterlinge. Und das seit vier Jahrzehnten. Vor allem die bunten Exoten haben es dem 63-Jährigen angetan.

Alles begann vor fast 40 Jahren. "Ein Bekannter hat mir eine Raupe vom Schwalbenschwanz mitgebracht", erzählt Werner Kutscher. Kutscher wollte sie großziehen, versorgte sie regelmäßig mit Futter, bis sie sich schließlich verpuppte. Vom Ergebnis der Metamorphose war er begeistert: "Ich war erstaunt, was für ein schöner Schmetterling daraus wurde. Damit fing es an."

Da aus Naturschutzgründen viele einheimische Raupen nicht mehr ohne Sondergenehmigung privat großgezogen werden dürfen, verlegte sich Kutscher auf das Züchten exotischer Schmetterlinge. Über Fachzeitschriften kam er in Kontakt mit anderen Züchtern, mittlerweile tauscht man sich via Internet aus. Die Eier, aus denen die Raupen schlüpfen, bezieht der Dorf-Güller meist von einer Schmetterlingsfarm aus England. Einige Arten züchtet er auch selbst nach. Doch nicht immer ist dies erfolgreich: "Wenn ein Weibchen nur einen kurzen Zeitraum fruchtbar ist und noch kein Männchen geschlüpft ist, dann war’s das." In solchen Fällen freut sich der Züchter jedoch an dem schönen, wenn auch vergänglichen Anblick der Schmetterlinge.

Um für die exotischen Schmetterlinge ideale Bedingungen zu schaffen, hat der 63-Jährige eigens einen Schuppen umgebaut, in dem die Tiere leben können. Wärme ist dabei besonders wichtig. "Arten, die aus dem Himalaya kommen, machen sechs bis acht Grad Plus nichts aus. Die Falter aus den Tropen sind bei solchen Temperaturen hingegen halb tot." Manche Exemplare erreichen die Spannweite eines Spatzes.

Züchter müssen zudem aufpassen, ob sie für die Raupen, die sie großziehen möch- ten, überhaupt das passende Futter bekommen. Kutscher schwärmt von einer Reihe von Faltern - die er jedoch nicht züchten kann, da die Raupen ausschließlich die Blätter von Zitrusgewächsen verspeisen. Und die wachsen in Pohlheim nun einmal nicht.

Die meisten Nachtfalterarten seien hingegen flexibler, würden sich auch an den Blättern des Amberbaums gütlich tun. "Den habe ich in meinem Garten stehen", sagt Kutscher und lächelt.Was vorne in die Raupe hineingeht, kommt hinten wieder raus. Regelmäßig fällt ein kleiner Kotknödel herab. Kutscher nutzt diesen als Dünger für den Garten.

Sauberkeit und Hygiene sind für eine erfolgreiche Zucht ohnehin besonders wichtig. "Bekommt eine Raupe mal Durchfall, muss ich sie sofort herausnehmen", sagt er. Sonst können sich die anderen anstecken und innerhalb kurzer Zeit würde der gesamte Bestand zusammenbrechen.

Schimpfender Schmetterling

Zum Gesprächtstermin, vor dem Vortrag beim Seniorentreff "60plus" der Evangelischen Gemeinschaft Holzheim/Dorf-Güll, hat er drei große Raupen mitgebracht, zwei davon sind vom Totenkopffalter. Sie sind so dick wie ein Daumen und lang wie ein Zeigefinger, zudem grün-gelb gestreift. In schlichtem Grün, aber genauso groß kommt die Raupe des "Sartuniidaee actias rhodopneuma" daher - einen deutschen Namen gibt es bislang nicht.

"Es dauert gut sechs Wochen, bis aus so einem Ei eine Raupe wird." Diese hat nur zwei Dinge im Sinn: fressen und nicht gefressen werden. Sobald sie sich verpuppt hat, dauert es rund drei bis vier Wochen, bis ein Falter schlüpft.

Mit grün-gelben Flügeln und einem unbeschreiblichen Muster ist der "Sartuniidaee actias rhodopneuma" wunderschön. Allerdings ist seine Schönheit vergänglich: "Die Falter nehmen keine Nahrung mehr auf, sondern leben von ihren Fettreserven", sagt Kutscher. Diese reichen nur gut eine Woche. "Bei ihnen ist die Zucht darum einfach, da sie sich sehr gern vermehren." Andere Arten ließen sich hingegen kaum nachzüchten, "das schaffen dann nicht einmal Züchter vor Ort".

Auch nach all den Jahrzehnten ist Kutscher von den Schmetterlingen noch immer begeistert: "Die Faszination ist auch nach 40 Jahren noch immer da", sagt er. In einem Schaukasten hat er ein paar besonders schöne Exemplare aufgehoben, an denen sich auch die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen erkennen lassen. "Es gibt Arten, bei denen haben die Männchen andere Muster auf den Flügeln als die Weibchen", erklärt er. "Ein Zwitter hat dann auf dem einen Flügel das männliche und auf dem anderen das weibliche Muster." Dies komme allerdings nur selten vor. Solche Exemplare seien dann bei Sammlern extrem begehrt.

Der 63-Jährige kennt noch ein Geheimnis der Schmetterlinge: Es gibt sogar eine Art, die Geräusche macht. Der Totenkopffalter kann diese durch eine spezielle Atemtechnik erzeugen. Wird er angestupst, fängt er zu zetern an. Und was ist sein Lieblingsschmetterling? Da muss Kutscher nicht lange überlegen: "Der Schwalbenschwanz. Mit dem hat schließlich alles angefangen."

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