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starten. Am Faschingsdienstag können die Narren den Zug auf YouTube mitverfolgen.

Fastnachtszug im Miniaturformat

Mit Weiberfastnacht startet normalerweise der Höhepunkt des närrischen Treibens. In Pandemie-Zeiten aber ist nichts normal. Und so ist in diesem Jahr Kreativität gefragt, um Karnevalsstimmung aufkommen zu lassen. In Heuchelheim haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Statt des traditionellen Umzugs gibt es einen in Miniaturformat.

Den Weg säumen kleine Playmobilfiguren. Hübsch verkleidet und dicht an dicht stehen sie am Straßenrand. So wie es eben üblich war, bevor Corona Einzug hielt. Bunte Motivwagen passieren die Meute. Sie haben nicht einmal die Größe eines DIN-A4-Blattes, 15 mal 30 Zentimeter messen die Wagen.

Es ist eine ausgelassene Szenerie - wenn auch nur von Plastikfiguren -, die sich in einem der Zimmer im Haus von Andreas Römer abspielt. Römer ist Zugwerkstatt-Chef des Heuchelheimer Carnevalverein 1957 e. V. (HCV). Der örtliche Umzug an Faschingsdienstag ist einer der bedeutendsten im Kreis. Und auch wenn in diesem Jahr an normalen Karneval nicht zu denken ist, so ganz ausfallen lassen wollten die Heuchelheimer ihn dann doch nicht. Also wurde er kurzerhand ins Haus von Römer verlegt. Als Kulisse für den Miniatur-Umzug dient der Straßenzug rund um das alte Rathaus. Nur ist das »echte« Heuchelheim mit seinen Häusern aus Stein eben diesmal einem Nachbau aus Holz gewichen.

Die Idee dahinter liegt auf der Hand. An Faschingsdienstag können die Narren somit ein wenig Karnevalsstimmung im eigenen Wohnzimmer aufkommen lassen. Ab 14.11 Uhr ist der Heuchelheimer Miniaturumzug nämlich auf Youtube zu sehen.

Angefangen hat alles im vergangenen Jahr mit einem Video, das unter den Karnevalisten die Runde machte. »Darin hatte jemand einen kleinen Umzug im Wohnzimmer veranstaltet. Danach hat alles seinen Lauf genommen, und wir haben die Idee gemeinschaftlich umgesetzt«, sagt Römer.

Coronakonform werkelte jeder zu Hause, statt wie sonst üblich im Keller der Sporthalle. Es ist dieses Gemeinschaftserlebnis, das viele vermissen, aber man habe eben das Beste aus der Situation gemacht, sagt Römer.

Drei bis vier Stunden dauerte der Bau eines Miniwagens. Materialien wie Papier, Pappe, Holz, Draht und Styropor haben die Heuchelheimer für ihre 30 Motivwagen verwendet, sogar Salzteig kam zum Einsatz. Es war eine Arbeit für Feinmotoriker. Aber Römer sagt, auch bei den großen Wagen sei filigranes Handwerk gefragt. Dass man diesmal unabhängig vom Wetter war und keine sturmfesten Wagen konstruieren musste, nennt Römer dann auch den einzigen Vorteil der Corona-Variante.

Nun ist so ein filmischer Umzug durchaus Neuland für die Heuchelheimer. Die verschiedenen Sequenzen sind längst im Kasten. Bis Dienstag entsteht daraus ein zirka 20-minütiger Film. Einen professionellen Kameramann hatte der HCV übrigens nicht engagiert, die Verantwortlichen haben sich »durch mehrere Versuche nach und nach selbst herangetastet«, erzählt der Zugwerkstatt-Chef.

Und wen nehmen sie diesmal auf die Hörner? Bekannt sind die Heuchelheimer vor allem für ihre spöttischen Motive, die lokale aber auch überregionale Prominenz bekommt immer eins mit. So viel sei verraten, auch in diesem Jahr sind die Motive vielschichtig. Von »lokal bis global ist für jeden etwas dabei. Das Thema Corona darf natürlich auch nicht fehlen«, sagt Römer.

Um den Narren das Gefühl eines echten Faschingsumzugs zu geben, ist der Verein gar noch einen Schritt weitergegangen. Am kommenden Samstag verkauft der örtliche Rewe-Markt Lemp ab 11 Uhr sogenannte »Konfetti-Pakete« - samt offizieller Zugplakette, Getränk, Kamelle und eben Konfetti. So können Faschings-Fans den Umzug genießen und nebenbei den Carnevalverein Heuchelheim finanziell unterstützen. Auf dass es am Faschingsdienstag wieder heißt: »Heuchelheim am Bieber lacht, jedes Jahr zur Fassenacht - nur dieses Jahr etwas anders.«

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