Ein fast filmreifes Gewässer

  • vonLena Karber
    schließen

Der Elmensee in Nordeck hat durch seine Abgeschiedenheit einen ganz eigenen Zauber. An einem sonnigen Novembertag wirkt der Ort verwunschen und still. Ein "vergessener Ort" ist das Gewässer jedoch nicht, denn der Angelverein pflegt das Gelände - und einmal wäre der Elmensee sogar fast berühmt geworden.

Schon aus der Ferne ist immer wieder ein lautes Platschen zu hören. Der Verdacht liegt nahe, dass das Geräusch von aus dem Wasser springenden Fischen verursacht wird. Immerhin leben im Elmensee in der Gemarkung von Nordeck etwa 1500 Exemplare. Doch beim Näherkommen zeigt sich: Es sind zwei Enten, die das ruhige Gewässer nutzen, um sich zu putzen. Fische hingegen sind nirgends zu erahnen. Für den Laien wirkt der Elmensee, der als sehr fischreich gilt, verlassen.

"Im Winter setzt der Fisch wegen der niedrigen Wassertemperatur seine Aktivitäten nach unten, dann ist hier in der Regel Ruhe", erklärt Udo Becker, Vorsitzender des Angelsportvereins Allendorf (ASV). Zumindest gelte das für Spiegel- und Schuppenkarpfen, Rotaugen und Rotfedern, Schleien, Grasfische und Bitterlinge. "Nur der Raubfisch - sprich bei uns der Zander - ist auch im Winter aktiv."

Entstanden ist der Elmensee Ende der 1960er Jahre durch menschliche Hand. Damals schlossen sich mit Peter Gärtner, Gustav Lober, Emil Kubischke und Heinz Pfaff vier Anlieger zu einer Teichgemeinschaft zusammen und hoben mit Baggern einen Fischteich aus. "Vorher war da oben ein Sumpfgebiet, weil das Wasser aus dem Wald immer in die Wiese reingedrückt hat", erklärt Becker. Davon zeugt der Rohrkolben - eine Wasser- und Sumpflanze -, die auch in einiger Entfernung zum Gewässer wächst. Entlang des Weges und am Rande der Wiesen, auf denen Kühe weiden, kann man ihn entdecken. Überall stehen Schilder mit der Aufschrift "Wasserschutzgebiet." Woher der Name "Elmensee" kommt, ist unklar. "Wahrscheinlich frei erfunden", vermutet Becker. Doch wieso trotz einer Fläche von nur 10 000 Quadratmetern die Bezeichnung "See" gewählt wurde, verwundert ihn. "Eigentlich nennt man Gewässer diese Größenordnung Teich", betont er.

An diesem sonnigen Novembertag sorgt das Rascheln des Schilfs am Ufer des Sees dafür, dass bis auf das gelegentliche Platschen der Enten nichts zu hören ist. Die Sonne lässt die gelb verfärbten Halme, die sich im Wind biegen, golden leuchten wie das Stroh auf den Feldern im Spätsommer. Nirgends ist eine Menschenseele zu sehen. An einer Ecke des Teiches steht ein alter Kuhunterstand, den Jugendliche vor ein paar Jahren zu einem Treffpunkt umgebaut haben.

Vermutlich sind es gerade die abgeschiedene Lage am Waldrand sowie die Vegetation am Ufer des Gewässers, die den Elmensee so besonders machen. Das zeigen die Bilder von Heiner Klose, der mehrere Jahre lang in Allendorf gewohnt hat und leidenschaftlich Landschaftsfotografie betreibt: Im Fokus der Aufnahmen des 83-Jährigen vom Elmensee stehen häufig Rohrkolben, die Überschrift lautet "Still ruht der See".

Insgesamt sei der Teich als Naherholungsgebiet sehr beliebt und "sehr frequentiert", sagt Becker. An der frei zugänglichen Uferseite hat der Angelverein daher zwei Bänke aufgestellt - inklusive Mülleimern, die durch den Verein geleert werden. "Dort können die Leute den Wasservögeln, den Fischen, den Fröschen und der Natur zugucken", sagt Becker. "Und das wird auch gut angenommen."

Einmal stand der Elmensee sogar kurz davor, berühmt zu werden: "2012 sind wir von den Bavaria Filmstudios in München kontaktiert worden", erzählt Becker. Diese suchten nach einem geeigneten Ort, um mit Schauspielern in einer Moor- oder Sumpflandschaft zu drehen. "Wir waren in der engeren Auswahl, sind aber leider nicht zum Zug gekommen."

Auch wenn der Elmensee die große Berühmtheit wohl verpasst hat, ist er jedoch keinesfalls ein "vergessener Ort". Nach Angaben von Becker investieren die Angler jährlich etwa 200 bis 250 Arbeitsstunden in die Pflege des Geländes - und das hat Tradition: Bereits seit 1982 wird der Elmensee durch die Mitglieder von Angelvereinen gepflegt. Damals pachtete der Angelsportverein Londorf den gesamten Teich. Später, als die Teichgemeinschaft sich aufgelöst hatte, wurden sowohl der Angelverein Londorf als auch der Angelverein Allendorf, die 2010 fusioniert sind, zu Eigentümern. Ein Teil befindet sich jedoch weiterhin im Privatbesitz und wird von den Anglern jährlich zur Nutzung gepachtet - aus Sicht des Vereins keine gute Lösung. "Jedes Jahr viel Geld, Zeit und Arbeitskraft zu investieren für ein halbes Pachtgewässer, kann den Mitgliedern nicht mehr verkauft werden", meint Becker. Neue Regelungen oder eine Übernahme durch den Angelsportverein seien notwendig, um einen Rückgang der Mitglieder zu verhindern und die Pflege weiterhin zu gewährleisten. Sonst sei der Elmensee in zehn bis 20 Jahren nur noch ein Sumpfloch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare