Die meisten Weihnachtsmärkte fallen im Kreis Gießen im Jahr 2020 aus. Zu groß ist das Risiko durch Corona. (Symbolbild)
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Die meisten Weihnachtsmärkte fallen im Kreis Gießen im Jahr 2020 aus. Zu groß ist das Risiko durch Corona. (Symbolbild)

Corona-Folgen

Weihnachtsmärkte 2020 im Kreis Gießen: Was haben die Kommunen entschieden?

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Duft von Zimtsternen und Glühwein wird es in diesem Jahr kaum geben: Im Gießener Land sind fast alle Märkte abgesagt. Zu groß sind die Risiken.

  • Die Corona-Pandemie zwingt viele Gemeinden, ihre Weihnachtsmärkte dieses Jahr ausfallen zu lassen.
  • Vor allem kleine Städte können die Hygienemaßnahmen nicht einhalten.
  • In einigen wenigen Gemeinden kann trotzdem der Weihnachtsmarkt stattfinden – wenn auch mit Abstrichen.

Gießen - Auf »Spezialmärkten« werden - anders als bei Jahrmärkten - nur bestimmte Warensortimente feilgeboten. Was verwundern mag: Neben Floh- und Gartenmärkten fallen auch Weihnachtsmärkte in diese Kategorie. Und Spezialmärkte sind in Hessen, trotz Corona, erlaubt. Zumindest im Prinzip, denn die Auflagen sind streng und überfordern vor allem kleine Gemeinden (siehe Zusatzelement).

In der Vorwoche haben die Grünberger die Reißleine gezogen. Den Weihnachtsmarkt vor der Kulisse des Marktplatzes wird es dieses Jahr nicht geben. So beschloss es der Vorstand der ausrichtenden Werbegemeinschaft (GWG).

Corona-Regeln verhindern den Grünberger Weihnachtsmarkt

Andere Städte organisieren diese beliebten Events, erarbeiten mit den Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept. Fulda etwa verkauft 3000 Tickets online. Darmstadt will das Geschehen auf mehrere Zonen auszuweiten. Warum nicht so in Grünberg?

Größere Städte, so GWG-Schriftführer Frank Ide, könnten die Stände mit dem gebotenen auf mehrere Straßen und Plätze zu verteilen. Könnten auch den »Verzehrbereich« getrennt vom übrigen Marktgeschehen platzieren. »Unsere Altstadt ist dafür zu kleinteilig.« Offen hält man sich in Grünberg einzig die Option, das »Adventsleuchten« zu veranstalten: Stets Ende November trifft man sich des Abends zu einem Glühwein am Diebs-turm, der mit Tausenden LED-Lämpchen illuminiert wird. Im Lichte der Infektionszahlen soll zwei Wochen vorher darüber entschieden werden.

In Laubach reicht das Hygienekonzept nicht aus

Auch wenn er sich anders nennt, der »Winterzauber« in Laubach hat sich seit der Erstauflage 2013 zu den meistbesuchten Weihnachtsmärkten der Region entwickelt. Nicht so dieses Jahr. Die Kasseler Eventagentur hatte für den »Herbstzauber« im September ein umfassendes Hygienekonzept erstellt - um am Ende doch an den Auflagen zu scheitern. Die Erfahrung hat wohl nachgewirkt.

»Corona« - kurz und knapp die Antwort von Regina Keil von der Kultur und Bäder GmbH, die den städtischen Weihnachtsmarkt in Laubach organisiert. Zu groß sei das Risiko. Vor allem wegen des Virus, aber auch wegen befürchteter Zurückhaltung der Besucher in diesen Zeiten.

Letzteres ist, unabhängig von der Pandemie, seit Jahren schon zu beobachten. Die Resonanz auf dieses Format nimmt ab, die Ursachen reichen vom oft miesen Wetter bis zum Überangebot.

Weihnachtsmärkte verzeichnen auch ohne Corona Rückgang

Bestätigung erhält man dafür in Krofdorf. »Im Vorjahr war es gerade mal eine Handvoll Händler, dazu etwa die gleiche Zahl von Vereinen«, sagt Thomas Hochstein. Der Mitarbeiter der Gemeinde Wettenberg hatte über 20 Jahre die Federführung für den Markt. »Nach und nach haben wir den kleinergefahren.« Für die Absage diesmal freilich gab Corona den Ausschlag.

In Biebertal war man sich bereits Mitte August einig, entschied sich für eine Absage. Nicht anders verhält es sich in Linden. Oder in Hungen: »Wir verfügen gar nicht über das Personal, um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten«, bat Ulrike Haupt vom Stadtmarketing um Verständnis.

Auch die Weihnachtsmärkte in Lich und Langgöns müssen geschlossen bleiben.

»Es weihnachtet sehr« - die Zeile aus dem bekannten Gedicht gilt heuer auch nicht für Lich, wo das »Adventsgeflüster« des Gewerbevereins höchstwahrscheinlich stumm bleibt. Und ganz sicher nicht für Langgöns, mit 120 Ständen der größte Markt im Kreis. Die Vorkehrungen zum Infektionsschutz, zumal sich die Besucher hier durch eine Straße drängelten, seien nicht tragbar, betonte Verwaltungsangestellter Stefan Hilberg. Dass dies gerade für Vereine bitter sei, die bei dem Markt einiges an Erlösen erzielten, fügte er an. Zumal deren Kassen aufgrund vorheriger Absagen von Veranstaltungen ohnehin leer seien. »Es ist uns nicht leicht gefallen, aber Sicherheit geht vor.«

In Buseck findet ein Mini-Weihnachtsmarkt statt

»Stand heute«, so Dieter Polle von der Gemeinde Buseck, finde der »Busecker Samstag« Ende November statt. Allerdings: Statt der bisher 40 bis 50 Stände werden es nur rund zehn sein, wird es keine Bewirtung geben. Denn zu teuer käme es, die Auflagen umzusetzen. Vor allem: Bauzäune zur Abtrennung des »Verzehrbereichs« müssten aufgestellt, Security-Kräfte bezahlt werden. Der Verzicht auf Bewirtung trifft wiederum die Vereine, hatten sie doch stets fürs leibliche Wohl gesorgt.

Somit zieht weder der Duft von Glühwein noch von Zimtsternen beim »Busecker Samstag« durch die Straßen. Sofern er denn überhaupt stattfindet, steht er doch unterm Vorbehalt, dass das Infektionsgeschehen nicht weitere Beschränkungen zeitigt. Und, wie Bürgermeister Dirk Haas anfügte: »Wir müssen erstmal sehen, ob es überhaupt genügend Standbetreiber gibt.«

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