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"Malzeit": Das üppige Farbbuffet ist Dreh- und Angelpunkt im kleinen Atelier von Anne Sauerwein in Stangenrod. FOTO: IK

Mit Farbe gegen den Stress

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Abschalten von Hektik und Stress - mit Pinsel und Farbe: Das sollte schon in wenigen Tagen in Stangenrod möglich sein. Anne Sauerwein hat in ihrem Elternhauses das Atelier "Malzeit" eingerichtet. Das Konzept richtet sich an Kinder und Erwachsene. Wegen der Corona-Krise soll nach den Osterferien gestartet werden. Wenn alles gut geht.

Eigentlich verlangt schon der ganz normale Alltag Anne Sauerwein genug ab: Die 34-Jährige arbeitet als Erzieherin im Kindergarten Oberstadt in Lich. In Zeiten vor Corona hieß das: 56 Kinder sind dort zu betreuen. Wahrlich ein Vollzeitjob. Doch besonders die Bilder, die ihre drei- bis sechsjährigen Schützlinge zu Papier bringen, übten schon immer eine gewisse Faszination auf Sauerwein aus: "Irgendwas muss dahinter stecken."

2017 entschloss sie sich, diesem "Irgendwas" auf die Spur zu kommen. Sie begann eine berufsbegleitende Ausbildung zur Malbegleiterin, eine Form der Kunsttherapie. Zwei Jahren besuchte sie Wochenendlehrgänge des Instituts für Humanistische Kunsttherapie in Darmstadt; im August 2019 schloss Sauerwein die Ausbildung ab und nahm ihr Zertifikat entgegen.

Längst hatten da schon die Pläne für das kleine Atelier im einstigen Partykeller des Elternhauses an der Wilhelmshöhe in Stangenrod Gestalt angenommen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Christian Bahlecke, mit dem sie in Mücke-Groß-Eichen wohnt, zimmerte sie in ihrer Freizeit beispielsweise ein üppiges "Farbbuffet". Dabei handelt es sich um einen fahrbaren Tisch mit entsprechenden Aushöhlungen für Flaschen mit Gouache-Farbe sowie Pinsel und Vorrichtungen und Regal- böden für weiteres Zubehör. Dieses Buffet ist zentraler Punkt des Ateliers.

Schon als Kind habe sie gern und oft gemalt, erzählt Sauerwein. Ihre Acrylarbeiten zum Themenkomplex "Heimat und Fernweh" waren bereits in der Ernst-Eimer-Stube in Groß-Eichen zu sehen. Mit dem Zertifikat "Malbegleiterin" in der Tasche möchte Sauerwein nach dem Ende der Corona-Krise nachmittags ("nach Feierabend") Malstunden und Workshops anbieten.

Zweimal in der Woche können nicht nur Kinder ab fünf Jahre, sondern auch Jugendliche und Erwachsene in kraftvoll leuchtende Farben eintauchen und sich der Faszination des begleiteten Malens hingeben. "Man sollte dann versuchen, alles um einen herum auszublenden - das ist beim begleiteten Malen das Wesentliche", sagt Sauerwein. Gegenständliches Malen ist angesagt - aber es geht gewiss nicht darum, "schön" zu malen. Vorrangig ist vielmehr, dass in der kleinen Ateliergemeinschaft eine Atmosphäre entsteht, in der sich jeder Teilnehmer verstanden und aufgehoben fühlt - pro Kurs gibt es Platz für maximal fünf Teilnehmer.

Als Malbegleiterin kommt Sauerwein im Wesentlichen die Aufgabe zu, jeden einzelnen Teilnehmer - egal ob Kind oder Erwachsener - zu ermutigen und im schöpferischen Tun zu unterstützen. "Der Weg ist das Ziel - das gilt auch für den Prozess des Malens", sagt die 34-Jährige.

Da liegt es auf der Hand, dass bei derart persönlichen Arbeiten das Atelier zum geschützten Raum wird. "Jedes Bild ist wie ein Tagebuch. Deshalb darf auch jedes Kind selbst entscheiden, wer sein Bild sehen darf", sagt die Malbegleiterin.

Das Konzept macht neugierig - nicht nur im Kollegenkreis im Kindergarten in Lich, sondern längst auch in Stangenrod. In der Grundschule hatte Sauerwein bereits mit Erfolg für die "Malzeit" geworben; die ersten Kurse waren ausgebucht. Ende März sollte ein "Tag der offenen Tür stattfinden, der Kursbetrieb unmittelbar danach starten. Dann aber durchkreuzte die Corona-Krise den Plan. Aber Sauerwein lässt sich nicht entmutigen. Nun geht’s eben später los. Noch Zukunftsmusik ist dagegen ein mobiles Atelier, das etwa in Seniorenheimen Station macht.

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