Gerhard Kreiling - hier im "Kaufmannsladen" im Heuchelheimer Heimatmuseum, einem "Kind" des unvergessenen Emil Winter († 2009) - ist jetzt Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. ARCHIVFOTO: MO
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Gerhard Kreiling - hier im "Kaufmannsladen" im Heuchelheimer Heimatmuseum, einem "Kind" des unvergessenen Emil Winter († 2009) - ist jetzt Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. ARCHIVFOTO: MO

Mit Fantasie und guten Ideen

  • Harold Sekatsch
    vonHarold Sekatsch
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Der Kulturring Heuchelheim-Kinzenbach heißt jetzt Heimat- und Geschichtsverein und hat mit Gerhard Kreiling einen neuen Vorsitzenden. Der 67-jährige langjährige Leiter des Arbeitskreises Heimatmuseum folgt auf Werner Rinn, der über 32 Jahre lang im Amt war. Im Interview äußert er erste Ideen zur Weiterentwicklung des Vereins.

Herr Kreiling, Sie treten die Nachfolge eines Mannes an, der sehr viel Erfahrung in der Führung dieses wichtigen Vereins hat. Was für Aufgaben erwarten Sie?

Natürlich hat Werner Rinn große Fußstapfen hinterlassen, wie man so schön sagt. Jedoch ist mit der Namensänderung des Vereins eine Neuausrichtung auf die Betreuung der beiden Heuchelheimer Museen verbunden. Daneben soll die erfolgreiche Arbeit der Erforschung und Veröffentlichung der Ortsgeschichte fortgeführt werden.

Gibt es Projekte, die Sie bereits jetzt ins Auge fassen?

Nicht nur ins Auge gefasst, sondern auch tatkräftig begonnen wurde die dringend notwendige Restaurierung der beiden Schienenbusse hinter dem Heimatmuseum. Hier hat sich ein immenser Stau an Erhaltungsreparaturen aufgebaut. Die Abarbeitung wird uns sicher noch die nächsten beiden Jahre beschäftigen, zumal für die anstehenden Arbeiten nur wenige unserer Aktiven zur Verfügung stehen und der Hauptakteur noch im Berufsleben steht.

Wie will der Heimat- und Geschichtsverein die mit der Pandemie verbundenen Aufgaben bewältigen?

Hinsichtlich Corona beziehungsweise einer risikolosen Wiederöffnung der Museen müssen wir einfach abwarten. Viele unserer Museumsbetreuer sind in ihren 80ern oder kurz davor. Ich hoffe, dass uns alle die Treue halten, wenn es wieder losgehen kann. Auch unser Dienstplan für die beiden Öffnungstage pro Woche (je zwei Stunden) ist ganz knapp auf Kante genäht.

Sie suchen also weitere Betreuer?

Interessenten, die sich mit der Ortsgeschichte und auch der Geschichte unserer Exponate auskennen, sind jederzeit und herzlich willkommen. Wir suchen also nicht unbedingt den 26-Jährigen, sondern eher den 62-Jährigen, der kurz vor dem Renteneintritt eine sinnvolle Perspektive für seine Freizeit sucht. Natürlich ist uns auch jeder 26-Jährige willkommen, der sich mit uns um die digitale Zukunft der Museumspräsentation kümmern möchte.

Gibt es noch andere Projekte?

Ein Projekt, das zwar begonnen, aber wegen Corona und Arbeitsbelastung derzeit auf Eis liegt, ist unsere neue Dauerausstellung des jüdischen Lebens in Heuchelheim. Wenn wir uns im neuen Vorstand zusammengefunden und unsere Zuständigkeiten verteilt haben, hoffe ich, dass es auch damit weitergeht.

Welche Bereiche im Verein liegen Ihnen besonders am Herzen?

Da der Vereinszweck, wie erwähnt, auf Museen und Ortsgeschichte konzentriert wurde, gibt es keinen besonderen Bereich. Jede und jeder, die oder der sich in den Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins hat wählen lassen, muss den ihm anvertrauten Verantwortungsbereich verlässlich abdecken und darüber hinaus mit Fantasie und konstruktiven Ideen zur Erfüllung des Vereinszwecks beitragen.

Bei der Jahreshauptversammlung war von einer Überalterung die Rede, nicht nur des Vorstandes. Wie können Sie jüngere Bürger für den Heimat- und Geschichtsverein gewinnen?

Das kann nur durch öffentliche Darstellung unserer Arbeit bei Ortsfesten wie dem Martinsmarkt, den beiden Museumstagen im Mai und September und anderen Anlässen mit Publikumsverkehr geschehen. Eine Arbeit im Elfenbeinturm der Forschung erreicht niemanden.

Gerade das Heimatmuseum erfreut sich großer Beliebtheit bei Heuchelheimern und Kinzenbachern.

Wir machen zwar keine Erhebung über den Wohnort unserer Besucher, aber ich denke, dass etwa die Hälfte keine Ortsbürger sind, sondern durch das Internet oder als Lahntouristen auf die Museen aufmerksam wurden. Dies gilt besonders für das Kameramuseum, welches stark von einem Fachpublikum besucht wird. Um auch Wiederholungstäter aus der Gemeinde anzulocken, würden Sonderausstellungen zu speziellen Themen helfen, was wir auch an den beiden Museumstagen sehen. Wir haben genug Exponate, aus denen sich solche Themengebiete abdecken ließen. Aber auch hierfür wird ausreichendes Personal und Platz gebraucht, sei es bei der Zusammenstellung oder bei der Präsentation, wobei das Kameramuseum besonders unter Platzmangel für Präsentationen leidet.

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