Familien und Senioren im Fokus

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen (so). Es fehlen Wohnungen. Nicht nur in der Stadt und in den stadtnahen Kommunen, sondern auch in den Dörfern und Kleinstädten. Wie viele? Ein Prognose für den Landkreis Gießen (ohne Stadt Gießen) beziffert den Bedarf an zusätzlichen Wohnungen bis zum Jahr 2040 auf rund 2450. Zudem wird klar, woran es mangelt: An kleinen, preisgünstigen Wohnungen und vor allem an solchen, die seniorengerecht, also barrierearm sind.

Zu diesen Erkenntnissen kommen die Verantwortlichen einer 90 Seiten starken Studie, die der Landkreis beim Institut für Stadt-, Regional- und Wohnungsforschung (GEWOS) in Hamburg in Auftrag gegeben hat. Die zentrale Fragestellung: Wie viele Wohnungen braucht es - und für welchen Bedarf?

Wobei die Untersuchung aufzeigt, dass die Entwicklungen von Ort zu Ort unterschiedlich sind: Bis etwa 2026 wird ein Bevölkerungszuwachs in allen Kreiskommunen prognostiziert. Danach aber wird es im besonderen im Nordkreis Kommunen mit eher stagnierender Bevölkerungszahl geben, wohingegen andere im Gießener Speckgürtel weiter wachsen. Denn das zeigt der Blick auf die demografische Entwicklung: Der Landkreis Gießen wächst weiter, profitiert dabei vom anhaltenden Zuzug. Zum einen aus anderen Landkreisen, zum anderen aber auch aus anderen Ländern. Vor allem aber wird sich die Zahl der Haushalte verändern: Denn die Menschen werden älter. Die Zahl der Senioren-Haushalte wird zunehmen.

Die Studie ist eine Fortschreibung des Wohnraumversorgungskonzeptes für den sozialen Wohnungsbau, das 2017 erstmals vorgelegt wurde - und zugleich mehr als das. Die GEWOS-Untersuchung verweist nämlich nicht nur auf konkrete Bedarfe wie etwa kleinere und altengerechte Wohnungen, sondern gibt zugleich entsprechende Handlungsempfehlungen - eine wertvolle Unterstützung der Kreispolitik. Wie etwa die Anregung, Senioren-Haushalten, die in großen Ein- oder gar Mehrfamilienhäusern wohnen, Anreize zum Umzug in kleinere barrierearme Wohnungen zu bieten und damit in Folge womöglich größer geschnittenen Wohnraum für junge Familien zu generieren.

Denn Senioren und junge Familien sind als die beiden Bevölkerungsgruppen ausgemacht, für die es adäquaten Wohnraum zu schaffen gilt.

Zugleich werden Prognosen und Planungsdaten von 2017 korrigiert und konkretisiert: Seinerzeit war man von einer Größenordnung von 6000 Wohnungen ausgegangen, die in den kommenden Jahren fehlen werden. Die nun erfolgte Betrachtung der Situation erfolgt nicht nur unter quantitativen, sondern auch unter qualitativen Aspekten wie beispielsweise dem Bedarf an barrierearmen Wohnraum.

Im Kreis ist bezahlbarer Wohnraum längst auf der Agenda. 2017 wurde die Gesellschaft »Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen« (SWS) auf den Weg gebracht.

Im Sozialausschuss des Kreistags, der in seiner konstituierenden Sitzung am Mittwoch Claudia Zecher (FW) erneut zur Vorsitzenden wählte, stellte Lena Brune von GEWOS die Studie vor. Erste Reaktion der SPD-Fraktionsvorsitzenden Sabine Scheele-Brenne: »Wohnen ist die neue soziale Frage im Kreis«. Für die CDU/FW/Günen-Kreiskoalition stellen sich zudem weitere, noch offene Fragen wie etwa die nach Wohnungs-Leerstand.

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