Stoßstange an Stoßstange reihen sich die parkenden Autos in der Bettenhäuser Straße in Birklar. Manchmal kommen die Anwohner nicht mehr aus ihren Einfahrten. FOTO: PM
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Stoßstange an Stoßstange reihen sich die parkenden Autos in der Bettenhäuser Straße in Birklar. Manchmal kommen die Anwohner nicht mehr aus ihren Einfahrten. FOTO: PM

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  • vonChristina Jung
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Stoßstange an Stoßstange parken die Autos. Der ruhende Verkehr ist in der Bettenhäuser Straße in Birklar schon lange ein Problem. Doch seit die Ortsdurchfahrt saniert wird, herrschen mitunter chaotische Zustände. Ein Durchkommen gleicht an manchen Tagen einem Lotteriespiel.

Als vor rund einem Jahr die Höhe der Kosten für die grundhafte Sanierung der Ortsdurchfahrt Birklar und damit auch die für die Anlieger zu zahlenden Summen bekannt wurden, gingen die Betroffenen auf die Barrikaden und forderten die Abschaffung der Straßenbeiträge. Zwölf Monate später regt sich erneut Protest im Dorf, allerdings aus dem angrenzenden Bereich, konkret aus der Bettenhäuser Straße. Dort war der Parkdruck wohl bereits vor Beginn der Bauarbeiten groß. Seitdem ist die Situation mitunter chaotisch, sagen die Kritiker.

Kritik am Ordnungsamt

Einer von ihnen ist Roland Koch, der in der Bettenhäuser Straße 22 zu Hause ist. Am Dienstag vergangener Woche habe er seine Nichte bitten müssen, ihn abzuholen, um einen wichtigen Arzttermin wahrnehmen zu können. "Ich kam mit meinem Auto nicht aus der Einfahrt", erzählt er. Aber nicht nur vor seinem Grundstück hätten an diesem Morgen "mal wieder katastrophale Zustände" geherrscht. Ein Stück weiter - auf Höhe der Firma Verpackungsmaschinen Wolf - sei ebenfalls kein reguläres Durchkommen gewesen, da ein Lkw die Straße blockiert habe. Offenbar seit Jahren Alltag im vorderen Teil der Bettenhäuser Straße. "Das geht früh morgens los und dauert den ganzen Tag über. Ein ständiges Ankommen und Abfahren", sagt Koch.

Eine Situation, die ihm und seinen Nachbarn nicht neu ist. Aber seit die Ortsdurchfahrt im Bereich Neue Licher Pforte saniert wird und dort kein Parken mehr möglich ist, sei die Lage in der Bettenhäuser Straße noch schlimmer geworden. Beim Ordnungsamt, wo Koch nach eigenen Angaben mehrfach vorstellig war, sei er mit seinem Anliegen entweder "frech abgewiesen" oder mit "Ausreden und Desinteresse abgespeist" worden.

Ein Vorwurf, den Bürgermeister Dr. Julien Neubert zurückweist. Wenn Beschwerden bei ihm ankommen, informiere er umgehend das Ordnungsamt, das sich dann darum kümmere. So wie an dem von Koch genannten Tag. Doch bis auf einen Regelverstoß hätten die Verwaltungsmitarbeiter damals nichts feststellen können. "Alle anderen haben dort rechtskonform geparkt", so Neubert.

Mit Blick auf das für zwei Kernstädte und 16 Stadtteile zuständige Ordnungsamt, das sich auch um Dinge wie Gewerbe, Gaststätten oder derzeit die Corona-Verordnung zu kümmern habe, gibt der Bürgermeister außerdem zu bedenken, "dass wir nicht jeden Tag überall kontrollieren können". Das sieht auch Birklars Ortsvorsteher Sebastian Schäfer ein, weist allerdings daraufhin, dass die Situation in der Bettenhäuser Straße "schon lange unbefriedigend ist" und sich mit den Sanierungsarbeiten noch verschlechtert habe. Schäfer: "Es ist eine schwierige Situation, in der mehrere Faktoren zusammenkommen." Viele Anwohner parkten mittlerweile selbst auf dem Bürgersteig anstatt auf dem eigenen Grundstück, weil sie befürchteten, nicht mehr aus ihren Höfen zu kommen, so Schäfer, der das eigentliche Problem bei den Mitarbeitern der Firma Wolf sieht.

Die würden zwar seitens der Geschäftsführung darauf hingewiesen, dass sie ihre Autos am Fest- oder Sportplatz abstellen sollen. "Aber wenn sie zu bequem sind, kann ich auch nichts machen", sagt Seniorchef Günter Wolf.

Sebastian Schäfer hofft indes, dass sich die Lage mit Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder entspannt. "Wenn die Ortsdurchfahrt fertig ist, wird viel ruhender Verkehr wieder geordnet sein. Bis dahin müssen wir eben da durch."

Und das wird noch ein Dreivierteljahr dauern. Denn der Abschluss der Sanierungsarbeiten ist erst für Mitte 2021 geplant und dabei wird es laut Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil, auch bleiben. Ebenso wie bei den Kosten in Höhe von rund 3,9 Millionen Euro. Derzeit befindet sich das Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Kreis und Licher Stadtwerken im zweiten von insgesamt drei Bauabschnitten. Die gesamte rund 900 Meter lange Ortsdurchfahrt wird grund- legend erneuert, das betrifft Fahrbahn, Gehwege, Wasserversorgungsleitungen und Hausanschlüsse. "Die Arbeiten liegen gut im Zeitplan und werden noch in diesem Jahr in den dritten Bauabschnitt wechseln", so Lecher.

Während dieser Zeit bleibt die Kreisstraße 166 im Baustellenbereich voll gesperrt. Der Verkehr wird über Muschenheim und Bettenhausen umgeleitet.

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