Auch bei der Laubacher Fahrschule Hoffmann hofft man, dass der praktische Unterricht bald wieder aufgenommen werden kann. ARCHIV-FOTO: TB
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Auch bei der Laubacher Fahrschule Hoffmann hofft man, dass der praktische Unterricht bald wieder aufgenommen werden kann. ARCHIV-FOTO: TB

Fahrschulen brauchen Perspektive

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Normalerweise gehört Mobilität zu den Stärken einer Fahrschule. Die Autos sind in Bewegung, die Räder rollen. Doch jetzt herrscht Stillstand. Die Zwangspause zehrt an Nerven und Geldbeutel. Ob es Anfang Mai oder später weitergeht, ist ungewiss. Den Fahrschulen fehlt eine Perspektive.

Mit 18 den Führerschein zu machen, gehört für junge Leute seit Jahrzehnten zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Doch auch das hat sich in Zeiten von Corona geändert. So möchte ein junger Mann, der in den nächsten Wochen mit dem Abitur vom Gymnasium abgeht, im Herbst ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz absolvieren. Beim DRK muss er den Führerschein Klasse C machen, um einen Rettungswagen fahren zu dürfen. Voraussetzung dafür ist ein Pkw-Führerschein (Klasse B). Doch der Zeitplan des Abiturienten wird gerade durcheinandergewirbelt, weil alle Fahrschulen geschlossen sind.

Ähnlich ergeht es einem angehenden Landwirt, der eigentlich am 26. März seine Traktorprüfung absolviert hätte. Am 18. März mussten alle Fahrschulen wegen Corona ihren Betrieb einstellen. Der junge Mann ist fest als Fahrer in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Lollar eingeplant. "Jetzt brauche ich eine Sondergenehmigung", sagt sein Fahrlehrer Eckhard Neumann von der gleichnamigen Fahrschule.

Neumann betreibt seine Fahrschule in Buseck und Rabenau-Londorf mit drei Angestellten, die derzeit in Kurzarbeit sind. "Wenn es nicht bald wieder losgeht, dürfte das für 30 Prozent der Fahrschulen das Ende sein", verweist er auf regelmäßige Ausgaben und laufende Kosten. "Wir brauchen jetzt eine Perspektive", wünscht er sich Klarheit von den Entscheidungsträgern in der Politik.

Auch andere Fahrschulen im Gießener Land wollen Planungssicherheit. "Die derzeitige Ungewissheit ist schlimm", sagt Rebekka Schmidt von der Licher Fahrschule Noll. Dort ist der Großteil des Fuhrparks, der aus zehn Autos, zwei Lkw, einem Bus und vier Motorrädern besteht, seit Wochen stillgelegt. Immerhin habe man nicht alle zehn Fahrlehrer in Kurzarbeit schicken müssen, weil man auch den Lkw-Führerschein anbietet. "Lkw-Fahrer sind als systemrelevant eingestuft worden", erklärt Schmidt. Für die Ausbildung im Pkw sei man darauf vorbereitet, verstärkte Hygienevorschriften einzuhalten: Die Desinfektion des Fahrzeugs nach jeder Fahrstunde, das Tragen eines Mundschutzes und die Reduzierung der Zahl der Fahrschüler pro Tag. Wichtig sei aber als erstes eine gewisse Planungssicherheit und Informationen darüber, wann es unter welchen Bedingungen weitergeht. Die jüngsten Informationen der übergeordneten Gremien legten nicht den Schluss nahe, "dass wir am Montag wieder loslegen dürfen". Allzu lange dürfe der Stillstand aber auch nicht mehr dauern. "Wenn wir den gesamten Mai noch zu lassen müssen, geht es für die meisten ums Überleben", prophezeit Rebekka Schmidt.

"So langsam wird es eng", weist auch Andreas Deusch als Chef der gleichnamigen Fahrschule in Langgöns darauf hin, dass sich die meisten Betriebe der Branche nur noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können. Die Soforthilfen von Bund und Land seien eine wichtige Unterstützung gewesen, aber: "Länger als zwei Wochen darf der Shutdown nicht mehr dauern." Deusch regt an, dass wenigstens angehende Motorradfahrer schon bald auch in der Praxis wieder unterrichtet werden dürfen. Hier gebe es keinen Kontakt zwischen Fahrlehrer und Schüler. Die Kommunikation erfolge ohnehin über Funk. Auch der Theorieunterricht könne in kleinen Gruppen stattfinden.

Darauf, dass es im Mai wieder losgeht, hofft auch Günter Hoffmann. Der Inhaber von "Günters Fahrschule" in Laubach gibt zu bedenken, dass man einen Vorlauf von mehreren Wochen braucht, "bis es wieder richtig rund läuft". Momentan seien TÜV und Führerscheinstelle geschlossen. Die Fahrschüler bereiteten sich derzeit online auf ihre Theorie-Prüfung vor, "aber die Praxis fehlt".

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