Das Coronavirus war beim Umzug in Heuchelheim im Februar schon Thema. Dass die Kampagne 2020/21 deswegen ausfallen könnte, schien damals jedoch noch unvorstellbar. ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Das Coronavirus war beim Umzug in Heuchelheim im Februar schon Thema. Dass die Kampagne 2020/21 deswegen ausfallen könnte, schien damals jedoch noch unvorstellbar. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Corona

Fällt Karneval aus?

  • vonLena Karber
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Gießen und Laubach haben ihre Großveranstaltungen für die Kampagne 2020/21 abgesagt. Wie planen die anderen Vereine im Kreis?

Auf Eis gelegt" - das sind die geflügelten Wörter, die man gerade überall hört. Dabei geht es jedoch nicht um Weißwein, Aperol-Spritz oder andere sommerliche Aperitife, die gut gekühlt darauf warten, den Feierabend zu versüßen. Es geht um ein winterliches Vergnügen, das in diesem Jahr nicht in gewohnter Art und Weise stattfinden kann: die anstehende Fastnachtskampagne 2020/2021.

Gestern erst wurde die Ab- sage aus Gießen offiziell. Die dortige Fassenachts-Vereinigung (GFV) teilte mit, "alle Großveranstaltungen in der Kongresshalle in der kommenden Kampagne auf Eis" zu legen. Nur wenig später trudelte die Mitteilung aus Laubach ein. Auch dort habe man im Vorstand vor ein paar Tagen die Entscheidung getroffen, keine öffentlichen Veranstaltungen abzuhalten und auch kein Prinzenpaar zu stellen.

Überraschend kommen die Absagen nicht, hatten doch etwa die drei Busecker Vereine, der Carneval Verein Alten-Buseck, der Karnevalverein Großen-Buseck und der Katholische Fastnachts-Club bereits bekannt, dass sie für die anstehende Kampagne "schwarz" sehen. Auch die Blauen Raben aus Londorf hatten sich öffentlich vom Gedanken verabschiedet, dass die Kampagne "in gewohnter Form" stattfinden kann.

Andere Vereine werden wohl in den kommenden Tagen und Wochen nachziehen. Man habe schon länger darüber gesprochen, bisher aber noch nichts offiziell gemacht, berichtet etwa der Vorsitzende des Carnevalverein Lollar, Jens Deußing. "Man kann ja nicht absehen, wie lange diese Pandemie noch ist. Und eine Faschingsveranstaltung auf Abstand ist schlicht und ergreifend unmöglich."

Dass ausgelassenes Feiern, Schunkeln, Singen und Tanzen in randvollen Hallen nicht coronakonform sind, liegt auf der Hand. Sofern es nicht unerwartet frühzeitig einen Impfstoff geben sollte, wären Veranstaltungen daher nur unter gänzlich anderen Bedingungen denkbar - und hätten vermutlich nicht viel mit dem zu tun, was Karneval für viele ausmacht. "Das Wesen des Karnevals ist es, in fröhlicher Runde miteinander zu feiern, tanzen und lachen", finden etwa Laubachs Karnevalisten.

Zudem wären jetzt im Sommer die Vorbereitungen für die Kampagne bei den Karnevalisten normalerweise schon in vollem Gange: Bands müssen gebucht, Wagen gebaut, Hallen gemietet und Verträge abgeschlossen werden. Doch ins Blaue zu planen, ohne zu wissen, ob und unter welchen Bedingungen Veranstaltungen möglich sein werden, ist für viele Vereine auch finanziell ein Problem.

"Wenn wir die Veranstaltungen nur mit der Hälfte oder nur mit einem Drittel der Leute abhalten müssen, rechnet sich das für uns einfach nicht", sagt etwa Andrea Häuser vom Reiskirchener Karnevalverein, wo die Entscheidung zur Absage der Kampagne schon Anfang Juni getroffen wurde. "Wir werden höchstens eine vereinsinterne Veranstaltung mit einer limitierten Anzahl an Leuten machen, aber keine öffentlichen Veranstaltungen."

Auch der Trainingsbetrieb der Tanzgruppen ist vielerorts noch immer ausgesetzt oder läuft zumindest nicht wie gewohnt. Schließlich sind Hygienevorschriften beim Gardetanz nur schwer einzuhalten. Und zwei Jahre denselben Tanz zu trainieren, sollten im Winter keine Veranstaltungen möglich sein, macht ebenfalls wenig Spaß. Andererseits geht es jedoch auch um Fitness und darum, miteinander in Kontakt zu bleiben. Die Wege, die die Vereine hier gehen, sind unterschiedlich.

Beim Carneval Club Ruttershausen etwa gab es für die Kleinsten schon im Mai Online-Trainingseinheiten, damit die Kinder durch gemeinsames Hüpfen und Dehnen mit Freude am Ball bleiben. Der reguläre Trainingsbetrieb wurde jedoch noch nicht wieder aufgenommen, da man kein Risiko eingehen möchte und ohnehin nicht damit rechnet, im Winter bühnenreif sein zu müssen.

Die Entscheidung, das Jubiläumsprinzenpaar anlässlich des 44-jährigen Bestehens des Vereins um ein Jahr zu verschieden, wurde daher auch bereits im Mai getroffen. Über den weiteren Verlauf der Kampagne will der Verein zu gegebener Zeit entscheiden und "so etwas wie ein Wunder" nicht kategorisch ausschließen. Sollte es gar keine Auflagen geben, kann man sich eine Faschingsparty vorstellen. Dann aber: "Kein Stress, nur Party", sagt Vorsitzender Sven Käs.

Manche Vereine halten sich zwar noch bedeckt: In Krofdorf etwa soll die Marschrichtung bei der Jahreshauptversammlung am 1. August zunächst den Mitgliedern verkündet werden, in Heuchelheim soll kommende Woche, in Grünberg nach den Sommerferien und in Großen-Buseck im September endgültig entschieden werden. Auch in Grüningen steht das noch aus.

Doch letztlich wird der Weg wohl überall ein ähnlicher sein. Auch wenn manche Vereine bereits offizielle Absagen ausgesprochen haben, während andere vorsichtigere Formulieren wählen, geht es dabei eher um Unterschiede in der Außenkommunikation. Eine reguläre Kampagne jedenfalls plant niemand. Alles ist eben auf Eis gelegt.

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