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Palmenpracht am Steinbacher Rathausplatz: Michael Hacker hegt und pflegt die unterschiedlichsten Exoten in seiner Hofreite. Gut und gerne vier Jahrzehnte hat die »Washingtonia Robusta« (Palme im Vordergrund) schon auf dem Buckel.

Exoten hinterm Hoftor

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Meterhohe Palmen und Hunderte von Kakteen sind das Metier von Michael Hacker. Der Mann mit dem sprichwörtlichen grünen Daumen hat seine Hofreite in Steinbach in mehr als vier Jahrzehnten in ein besonderes Zuhause für Pflanzen verwandelt.

Aufgeregtes Entengeschnatter quittiert das Schrillen der Hoftorklingel. Die hat eigentlich keine Funktion, wenn Michael Hacker zu Hause ist: »Wenn mein blaues Auto vorm Haus steht, bin ich da«, sagt er jenen, die ihn besuchen möchten. Die Pforte ist offen.

Auf dem weitläufigen Gelände der Hofreite am Rathausplatz in Steinbach, die sich über mehrere hintereinander liegende Gebäude und den Garten erstreckt, werkelt der Hausherr im hinteren Bereich. Nun eilt er nach vorne.

Der schmale Hof ist angefüllt mit dicht bewachsenen Pflanzgefäßen, Kamelien im frischen Grün, einem Sammelsurium an Gartendeko und -gerät sowie allerlei Bademöglichkeiten für das Federvieh - eine muntere Gesellschaft aus Hühnern und Enten. Dominiert aber wird der Hof von einigen mächtigen Bäumen, wie man sie überwiegend aus wärmeren Gefilden kennt.

»Nur stinknormale Palmen« seien das, versichert Hacker lachend. Doch kaum jemand dürfte eine freistehende mexikanische Fächerpalme (Washingtonia Robusta) inmitten oberhessischer Fachwerkbauten verorten. Der gelernte Gärtner ist stolz, dass er die meterhohen Gewächse unbeschadet durch die Jahreszeiten gebracht hat; das älteste Exemplar dürfte 45 Jahre auf dem Buckel haben - so lange wohnt Hacker schon hier.

Diese Pflanzen halten bis zu minus 25 Grad aus, sagt Hacker - »aber nur oberirdisch«. Aufpassen sei beim Wurzelwerk angesagt. Und so hat der Hausherr die Stämme der tief im Erdreich verwurzelten Palmen mit Lichterketten und Heizbändern umwickelt, die bei minus drei Grad anspringen, den Stamm wärmen und die Szenerie obendrein in ein buntes Licht tauchen.

Auf dem Weg zur Scheune und dem dahinter situierten Garten ist ein Unterstand zu passieren. Dessen Dach gleicht einer Western- und Wüstenlandschaft mit Kakteen in den unterschiedlichsten Varianten. Allein 85 Säcke Kies-/Bims-Gemisch habe er dort mal hochgewuchtet, um den passenden Untergrund für die Pflanzen zu schaffen, sagt der 66-Jährige und lockt im gleichen Atemzug »Hacki« an: Der stattliche Farnkater (»die einzige Katze, die auch ins Wasser geht«) ist dem Rentner nicht erst seit dem Tod der Ehefrau vor wenigen Monaten ein treuer Gefährte. Vorbei an einem mit Zitruspflanzen gefüllten Überwinterungsraum geht es dann ins eigentliche Hacker’sche Reich, in dem es auf Schritt und Tritt viel zu entdecken gibt. Hacker winkt ab: »Mein Garten ist viel zu klein. Ich würde gerne einen Park daraus machen«.

Warum auch nicht? Die Palmen, Feigenbäume, Clematissammlung, chilenische Tanne, Kamelien oder botanische Raritäten wie der winterharte Gelbe Aronstab und die Blutblume sowie rund 80 Schneeglöckchen-Arten bilden bereits eine solide Grundlage für einen solchen Park. Das Gärtnerherz schlägt vor allem für die mittlerweile vielen Hunderte an Kakteen, die teils in vier selbst erbauten Gewächshäusern, teils unter freiem Himmel zu bestaunen sind.

»Die muss man aber erst mal sehen, wenn sie blühen«, schwärmt Hacker und freut sich auf die Zeit von April bis Juni, wenn vorwiegend die Farben Rot, Orange, Lila und Gelb angesagt sind. Dann ist auch die Zeit, in der die zumeist stacheligen Kandidaten bestimmt und daraufhin katalogisiert werden können. Hacker bedient sich dazu ausgewiesener Experten: Er ist in mehreren Kakteen-Foren vernetzt - hier gibt es nicht nur fachkundige Unterstützung bei der Einordnung und Tipps für Hege und Pflege, sondern auch Hinweise auf so manche Bestandsauflösung. Erst neulich hat der Steinbacher 1200 kleinere Kakteen auf diesem Wege in seinen Besitz gebracht. Ob in den Schwarzwald oder nach Würzburg: Kein Weg scheint zu weit, um neue Schätze zu sichten. »Ich erfreue mich einfach daran«, begründet Hacker seine Sammelleidenschaft, die sich nicht nur auf Pflanzen erstreckt.

Auch Wohnhaus und Nebenräume sind mit Besonderheiten gefüllt, die zum Großteil von Flohmärkten stammen: Ob mächtige Bauernschränke, eine stattliche Bleikristallglassammlung, Omas Schlafzimmerbilder in 80-facher Ausfertigung oder an die 300 nostalgischen Rauchverzehrer - man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Das aber ist eine andere Geschichte. Jetzt haben »Hansi«, der Hahn, seine »Gretels« und die Enten erst mal Hunger. Hacker lockt sie mit Mais und einschmeichelndem Ton: »Kommt Leute - essen!«

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