Jawort mit Maske: 2020 mussten Paare meist mit einer Mund-Nasen-Bedeckung vor die Standesbeamten treten. FOTO: DPA
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Jawort mit Maske: 2020 mussten Paare meist mit einer Mund-Nasen-Bedeckung vor die Standesbeamten treten. FOTO: DPA

Heiraten

Etwas weniger Trauungen im Corona-Jahr 2020

  • vonPatrick Dehnhardt
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2020 war ein schwieriges Jahr für Hochzeitspaare. Dennoch ist die Zahl der Trauungen im Landkreis Gießen nur leicht zurückgegangen.

Im Trauzimmer des Licher Rathauses ist es so still, dass man draußen die Vögel zwitschern hören kann. Zwei Kerzen brennen auf dem Tisch, auf dessen einer Seite das Brautpaar mit einigen Metern Abstand, auf der anderen Seite die Standesbeamtin sitzen. Alle drei tragen Masken.

Maske ab nur für den Kuss

Die Geburtsurkunden werden verlesen, dann hält die Standesbeamtin eine Rede - nur für das Brautpaar. Zuschauer oder Trauzeugen sind bereits seit einiger Zeit nicht mehr zugelassen. Auch das Jawort wird mit Maske gesprochen - nur für den Kuss danach darf sie kurz gelüftet werden. Draußen vor dem Rathaus wartet fast niemand - nur die Eltern winken aus der Ferne zu, von einer anderen Straßenecke grüßt der verhinderte Trauzeuge.

Standesamtliche Trauungen sind in Zeiten von Covid-19 nicht unbedingt besonders romantisch. Atemberaubend sind neben dem Kleid der Braut vor allen Dingen die Masken. Hochzeitsfeiern waren praktisch nur in den Sommermonaten möglich, vor allen Dingen, da die Gastronomie seit November ihre Säle schließen musste. Und Hochprozentiges floss in der Regel nicht durch die Kehlen, sondern als Desinfektionsmittel auf die Hände.

Mittlerweile steht fest, wie viele Trauungen es im vergangenen Jahr in den Standesämtern im Landkreis Gießen gab. Fast alle Kommunen meldeten im Vergleich zu 2019 einen leichten Rückgang - nur in Allendorf blieb die Zahl der Brautpaare stabil. In Hüttenberg gab es fast die Hälfte weniger, in Staufenberg ein Drittel weniger Trauungen.

Die Zahlen relativieren sich jedoch, wenn man sie im Vergleich zu den Vorjahren setzt: 2016 etwa gaben sich in Heuchelheim 27 Paare das Jawort, dieses Jahr waren es 30. In Buseck sind es sogar neun Trauungen mehr als noch 2016, als Corona nur der Name einer Biersorte war.

Zudem haben nicht alle Paare ihre Hochzeitspläne 2020 komplett beerdigt. In Heuchelheim haben etwa nur zwei Paare ihre Termine gestrichen, "eines wegen der Pandemie, beim anderen Paar hat der Mann einen Rückzieher gemacht", sagt Bürgermeister Lars-Burkhard Steinz. "Einige im Frühjahr geplante Hochzeiten wurden von den Brautleuten in den Sommer verschoben", fasst Klaus-Dieter Jensen aus Hüttenberg den allgemeinen Trend zusammen.

Hochzeitsfeier im Freien

Trauungen waren das ganze Jahr über in allen Rathäusern möglich, ab Juni konnte danach auch wieder in größerem Rahmen gefeiert werden - vor allen Dingen dann, wenn die Location an der frischen Luft lag.

Auch bei den Trauterminen selbst konnten im Sommer Familie und Freunde dabei sein: In der Staufenberger Burg war dies etwa in einem größeren Rahmen möglich, in Wettenberg waren auf der Burg Gleiberg 20 Personen zugelassen, im Busecker Schlosspark 40 Zuschauer und in Pohlheim in der alten Kirche 20 Personen. In den Standesämtern selbst waren je nach Raumgröße bis zu zehn Personen möglich.

Mit dem November hat sich dies wieder geändert: Im Standesamtsbezirk Lich mit Reiskirchen, Grünberg, Laubach und Hungen etwa darf nur das Brautpaar vor die Beamtin treten. Nur in ein paar Kommunen ist dies anders: In Heuchelheim können unter Umständen die Trauzeugen dazu, in Langgöns sind vier Begleitpersonen aus zwei Haushalten möglich, in Staufenberg zwei Begleitpersonen, in Hüttenberg können zwei Angehörige aus dem Haushalt des Brautpaares mit dabei sein, wobei Kinder unter 14 Jahren nicht eingerechnet werden.

Zudem ist aufgeschoben nicht aufgehoben: "Einige Termine wurden auf das nächste Jahr verlegt", sagt der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch. "Manche Brautpaare wollen sich, in Anbetracht der unsicheren Lage, auch erst im Frühjahr 2021 wieder melden, um einen neuen Termin auszumachen."

In Linden erwartet man 2021 kein Superhochzeitsjahr. "Es sind jedoch mehr Termine vorgemerkt als in den Vorjahren", sagt Abteilungsleiter Tim Schneider.

In Wettenberg halten sich die Trauanfragen für 2021 im üblichen Rahmen. "Hier wird es auch darauf ankommen, wie die Gastronomie geöffnet sein wird", sagt Standesbeamter Thomas Hochstein. Aus Buseck heißt es: "Wir können fast noch jeden Terminwunsch erfüllen." Auch in Pohlheim gibt es noch genügend freie Termine.

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