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Die Subtil Real Estate GmbH in Ettingshausen will am Standort wachsen. Außerdem haben fünf weitere Betriebe Bedarf angemeldet. Gegen die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Holzweg-Stirn (Geltungsbereich schwarz markiert) regt sich aber Protest.

Ettingshausen macht mobil

  • vonManfred Henss
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Das Bauleitplanverfahren für die Erweiterung eines Gewerbegebietes in Ettingshausen hat noch nicht richtig begonnen, da regt sich massiver Protest. Die Befürchtungen reichen von zunehmendem Schwerlastverkehr über die Zerstörung der Natur bis hin zu gefährdeten Schulkindern. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet.

Sie haben Unterschriften gesammelt und tun es noch. Sie lassen Informationsflyer drucken, die sie im Dorf verteilen wollen. Sie haben eine Internetseite ins Leben gerufen und unter dem Namen Lebenswertes Ettingshausen eine Bürgerinitiative (BI) gegründet. Seit rund zehn Tagen machen Andrea Wild und ihre Mitstreiter mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten mobil. Und zwar gegen die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Holzweg-Stirn.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Gemeindevertretung die Aufstellung des Bebauungsplanes sowie die Änderung des Flächennutzungsplanes für diesen Bereich beschlossen. Vor Ort waren auch Andrea Wild und zahlreiche andere Interessierte aus Ettingshausen. Um die ersten 130 Unterschriften gegen das Vorhaben zu übergeben und Fragen zu stellen (die GAZ berichtete). Denn mit Blick auf die Gewerbegebietserweiterung hegt die Initiatorin der BI eine ganze Menge Befürchtungen.

Zum einen geht es um die Infrastruktur, genauer gesagt Straßen und Kanalisation. Beides sieht die Ettingshäuserin in ihrem Heimatort nicht für ein wachsendes Gewerbegebiet ausgelegt. Der für die Erschließung vorgesehene Holzweg sei sehr schmal, der innerörtliche Bereich von Lich kommend ebenfalls. Wild befürchtet durch mehr Schwerlastverkehr verursachte Straßenschäden und Folgekosten, für welche die Bürger aufkommen müssen. Ebenso problematisch aus Sicht der BI: die Entwässerung. Die Kanalisation in Ettingshausen sei bereits am Limit. Anwohner aus Rathausstraße, Braugasse und Bessinger Straße hätten schon jetzt mit Überschwemmungen und Wasser im Keller zu kämpfen. Wild: »Das Gewerbegebiet würde die Kapazität der aktuellen Kanalisation deutlich übersteigen.«

Damit nicht genug. Weil der Holzweg nahe der Grundschule von der Ortsdurchfahrt abführt, sieht die BI durch zunehmenden Verkehr in diesem Bereich eine Gefährdung für die Kinder. Und auch mit Blick auf die Umwelt ist ihnen das Vorhaben ein Dorn im Auge. Weil sich die vorgesehenen Flächen in einem Wasserschutzgebiet befinden. Weil sie größtenteils landwirtschaftlich genutzt werden. Weil sie der Naherholung dienen.

Was den Aufstellungsbeschluss angeht, hätte man sich in Ettingshausen im Vorfeld mehr Aufklärung gewünscht. »Wir haben aus der Presse davon erfahren«, kritisiert Wild. Tatsächlich sind noch viele Fragen offen und selbst Kommunalpolitiker teilen mitunter die Bedenken der BI. Die Sozialdemokraten hatten in der Gemeindevertretung deshalb beantragt, die Entscheidung über die Aufstellung des Bebauungsplanes zu vertagen. Doch Freie Wähler und CDU bewerteten die Situation anders. Nicht, weil für sie alle Fragen ausgeräumt wurden. Im Gegenteil. Aber erst das Einsteigen in die Bauleitplanung ermögliche es, offene Fragen zu klären, so die Begründung.

Denn mit dem Aufstellungsbeschluss beginnt ein mehrstufiges Verfahren, in dessen Verlauf Behörden, Verbände und andere Träger öffentlicher Belange sowie die Bürger gehört, Untersuchungen - zum Beispiel naturschutzfachliche - gemacht und Fragen der Raumordnung geklärt werden. Und im Rahmen dieses Verfahrens hat die Gemeindevertretung jederzeit die Möglichkeit, das Ganze zu stoppen. Letzteres wäre der Wunsch der Bürgerinitiative. Doch Kommunalpolitik muss letztlich abwägen. Die Interessen aller im Blick haben.

Da geht es beispielsweise um ortsansässige Firmen, die ihren Betrieb erweitern möchten. Neben der Subtil Real Estate GmbH, die bereits am Standort angesiedelt ist und mehr Platz benötigt (rund drei bis fünf Hektar), sind es zwei weitere regionale Firmen, die einen Bedarf von rund 1,8 Hektar Fläche angemeldet haben, wie Bürgermeister Dietmar Kromm auf GAZ-Anfrage sagt. »Zum einen handelt es sich um einen Betrieb aus dem Baunebengewerbe, der zur Standortsicherung Flächen für Lager, Werkstatt und Büroräume benötigt.« Zum anderen geht es um »eine kleine Metzgerei, die in der Vergangenheit und auch künftig Tiere aus dem nahen Umfeld für die Region verarbeiten möchte«. Laut Kromm liegen noch drei weitere Anfragen vor, aber »es ist kein Logistiker darunter«, versichert er mit Blick auf Befürchtungen der BI.

Insgesamt umfasst der Geltungsbereich für das Gewerbegebiet Holzweg-Stirn 17 Hektar, für die Erweiterung selbst steht aber viel weniger Fläche zur Verfügung. »Die Neuausweisung beträgt etwa fünf bis sechs Hektar«, so Kromm. Abzüglich der Bereiche für Begrünung, internen Ausgleich und Regenrückhaltung bleibt laut Rathauschef eine Baufläche in der Größenordnung von vier bis fünf Hektar übrig. Weitere vier Hektar sind im Flächennutzungsplan als Gewerbe- und Mischflächen vorgesehen. Und bei sieben Hektar handelt es sich um per rechtskräftigem Bebauungsplan ausgewiesenes Gelände.

Wie es jetzt weitergeht? Der beauftragte Planer wird in Abstimmung mit Betrieben und Gemeinde ein städtebauliches Konzept erarbeiten. Liegt dieses vor, wird es - vermutlich im Mai/Juni - in den politischen Gremien präsentiert, bevor es in die erste von zwei Offenlagen geht. Jenen Teil des Verfahrens, in dem die Bürger die Möglichkeit haben, Stellung zu beziehen. Darüber hinaus ist eine Bürgerinformationsveranstaltung angedacht.

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