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Warten auf die Bagger: die als Baugebiet ausgewiesene Fläche in Reinhardshain.

Erstens kommt es anders...

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Grünberg (tb). Aus der Befürchtung, das Baugebiet "Dienbergstraße" in Reinhardshain könnte zum Minusgeschäft werden, ist längst Gewissheit geworden. Wie berichtet, haben asbesthaltige Altlasten, die erst im Zuge der Abrissarbeiten entdeckt wurden, die Einstandskosten massiv erhöht. Wie hoch, steht noch immer nicht fest. Die Stadt hofft, es möge bei veranschlagten 200 0000 Euro für die Entsorgung des Sondermülls bleiben - oder am Ende sogar weniger sein.

Wann die Rechnung ins Rathaus flattert, ist freilich weiter unklar: Auch nach einem Jahr befindet sich der 700 Tonnen schwere Mix aus Erde und Asbest noch immer auf der eingezäunten Fläche. Dem Vernehmen nach hängt es nurmehr an einer Formalie, soll die kontaminierte Fracht also in Bälde verschwinden. Inklusive Abriss dürften sich die Einstandskosten auf rund eine halbe Million Euro summieren - sofern es denn bei den 200 000 Euro für die Entsorgung bleibt.

Suche nach Kampfmitteln

Der "Sonderabfallbehandlung" bei der Hessischen Industriemüllgesellschaft zuzuführen ist nicht zuletzt der ominöse Inhalt eines Swimming-Pools: Den hatte der Eigner des 1959 eröffneten Garni-Hotels bauen lassen, um so den Gästen - Zielgruppe waren vor allem Skandinavier, die von der Autobahn abbogen - mehr Komfort zu bieten. 1985 dann kam das Aus für das 70-Betten-Haus, das später noch als Flüchtlingsheim diente. 1994 wurde es endgültig geschlossen, stand 25 Jahre leer und verfiel zusehends.

Irgendwann in dieser Zeit sollen dann - so berichteten es Zeitzeugen - asbesthaltige Eternitplatten im Pool "versenkt" und mit Erde abgedeckt worden sein. Von der Altlast wussten die Zeitzeugen, nicht aber die Stadt. Die erwarb das Anwesen, um einen Schandfleck zu beseitigen und ein kleines Baugebiet mit sechs Parzellen zu erschließen. Das "Pech" bei der Sache, wie es Bürgermeister Frank Ide selbst mal formulierte: Erst im Zuge der Abrissarbeiten kamen die Altlasten an die Oberfläche, waren weder der Verkäufer noch die "Entsorger" haftbar zu machen.

Nur zur Sicherheit: Zu erwähnten Einstandskosten kommt noch der Kaufpreis für das 4300-Quadratmeter-Grundstück sowie die Erschließung "on top". Von daher dürfte Ide recht behalten: "Das wird ein Minusgeschäft. Wir können keine 200 Euro je Quadratmeter verlangen."

Die Erschließungsarbeiten sollen nächstes Jahr beginnen, sofern denn die Entsorgungsfrage gelöst worden ist. Bauleitplanerisch wenigstens ist jetzt alles klar: Das Stadtparlament hat am Donnerstag als letzten Schritt die Planung als Satzung beschlossen. Danach wird das "Allgemeine Wohngebiet" vom Westen her mit einer verkehrsberuhigten Stichstraße erschlossen, sind maximal zwei Vollgeschosse erlaubt. Zulässig ist eine "offene Bauweise", somit könnten theoretisch auch Doppel- oder Reihenhäuser von bis zu 50 Meter Länge errichtet werden. Wie vom RP verlangt, sind vor dem ersten Spatenstich der Häuslebauer allerdings (weitere) Sondierungen vorzunehmen. Ergibt Sinn: Die Auswertung von Kriegsluftbildern hat ergeben, dass sich das Gelände unweit der Autobahn in einem "Bombenabwurfgebiet" befindet.

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