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Wo’s in Hungen lang geht, wird künftig wohl von wechselnden Mehrheiten im Stadtparlament ntschieden.

Erste Sitzung mit fünf Fraktionen

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Stadtverordnetenvorsteher Karl Ludwig Büttel und Erster Stadtrat Helmut Schmidt (FW) sind in ihre Ämter wiedergewählt worden. Aber in der Hungener Stadtverordnetenversammlung ist längst nicht alles beim Alten.

Der Stadtverordnetenvorsteher heißt erneut Karl Ludwig Büttel und kommt von der CDU. Die Freien Wähler stellen mit Helmut Schmidt wieder den Ersten Stadtrat und damit den Stellvertreter des direkt gewählten Bürgermeisters Rainer Wengorsch (FW). Auf den ersten Blick hat sich in der Hungener Kommunalpolitik nichts geändert. Doch der Eindruck täuscht. Der Stadtverordnetenversammlung, die sich am Donnerstag Abend in Inheiden konstituiert hat, gehören jetzt fünf Fraktionen an. Die neu formierte Liste Pro Hungen hat aus dem Stand sieben Sitze errungen, CDU und FW haben nach zwei Legislaturperioden ihre Mehrheit eingebüßt.

Ein neues Bündnis hat sich nicht formiert, im Stadtparlament werden Entscheidungen künftig wohl mit wechselnden Mehrheiten getroffen werden. Stärkste Fraktion sind die Freien Wähler mit zehn Sitzen. CDU, SPD und Pro Hungen kommen auf jeweils sieben Mandate, die Grünen auf sechs.

Umstrittener Wahlvorgang

Büttel war der einzige Kandidat für das Amt des Stadtverordnetenvorstehers. Unter Leitung des Alterspräsidenten Norbert Marsfelde wurde er einstimmig gewählt. »Das ist keine Selbstverständlichkeit, freute sich der Christdemokrat aus Utphe und versprach, dass er sein Amt loyal, unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen ausüben werde. Ortsbeiräte und Stadtverordnetenversammlung seien die kleinsten, aber wichtige Zellen in der Demokratie. Sie müssten als Vorbild dienen. »Wir sind alle nicht vor Fehlern gefeit«, weiß Büttel. »Wichtig ist, dass wir es gemeinsam hinbekommen.«

Zu Stellvertretern des Stadtverordnetenvorstehers wurden Manfred Müller (FW), Jens Große (CDU), Werner Leipold (SPD) und Fabian Kraft (Pro Hungen) gewählt. Bei der Magistratswahl traten Freie Wähler und CDU mit einer gemeinsamen Liste an, die anderen Fraktionen jeweils getrennt. Gewählt wurden Helmut Schmidt (FW) als Erster Stadtrat sowie Alexander Velten (CDU), Heiko Reinhold Fritz (FW), Wolfgang Becker und Lothar Zinsheimer (beide SPD), Werner Klös und Anika Denninger (Pro Hungen) sowie Andrea Krüger (Grüne).

Darüber hinaus stand eine ganze Reihe weiterer Wahlen auf der Tagesordnung. Abgestimmt wurde über die Zusammensetzung der Verbandsversammlung des Abwasserverbandes Hungen, der Betriebskommission der Stadtwerke Hungen und des Kindergartenausschusses für die evangelischen Kitas in Hungen und Langd. Ebenfalls gewählt wurden die Vertreter der Stadt für die Interkommunale Zusammenarbeit im Teilraum Ost und fürs Stadtmarketing.

Umstritten blieben die Wahlen für die Verbandsversammlung und den Verbandsvorstand der Sparkasse Hungen-Laubach. Hier waren Freie Wähler, CDU, SPD und Grüne mit einer gemeinsamen Liste angetreten, Pro Hungen präsentierte eigene Vorschläge. Stadtverordnetenvorsteher Büttel ließ per Handzeichen abstimmen und stellte eine Mehrheit für die Gemeinschaftsliste fest. Pro Hungen hält dieses Procedere für unzulässig. Bei mehreren Wahlvorschlägen schreibe die Hessische Gemeindeordnung eine geheime Abstimmung nach dem Prinzip der Verhältniswahl zwingend vor, argumentiert Fraktionsvorsitzender Fabian Kraft. »Wir klären es bis zur nächsten Sitzung«, versicherte Büttel. Für den Fall, dass die Wahl nicht, analog zur Magistratswahl, nach dem Verhältniswahlrecht gewertet wird, kündigte Kraft gegenüber dieser Zeitung Widerspruch an. Hintergrund: Bei Anwendung des Hare-Niemeyer-Verfahrens würde einer von drei Sitzen im Verbandsvorstand der Sparkasse auf Pro Hungen entfallen.

Bürgermeister Rainer Wengorsch hatte die Sitzung eröffnet und betont, dass ihm an einer vertrauensvoller Zusammenarbeit sehr gelegen sei. In den kommenden fünf Jahren seien Realismus, Fantasie, Innovationsfähigkeit und die Beschränkung aufs Wesentliche gefragt. »Bescheidenheit wird uns gut zu Gesicht stehen.«

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