Erntefrisch und regional

  • Patrick Dehnhardt
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Die Apfelerntezeit läuft auf Hochtouren. Wer selbst keine eigene Kelter hat oder den Saft fertig mit nach Hause nehmen möchte, der kann die Dienste der mobilen Kelterei Will nutzen. Am Samstag hat sie in Hungen Station gemacht. Einer ihrer Kunden: Die Klassen der Villinger Willi-Ziegler-Schule.

Ein reifer Apfel liegt zwischen den Grashalmen. Gerade ist er vom Baum gefallen. Lange unentdeckt bleibt er nicht. Ein Mädchen hat ihn erblickt und liest ihn auf. In ihrem Korb liegen schon etliche Früchte. Dass daraus ein paar Tage später wohlschmeckender Apfelsaft wird, hat sie Alfred Will zu verdanken.

Am Samstag nämlich macht die mobile Kelterei Will an der Hungener Markthalle Station. Doch wer aus der Presse Saft haben möchte, der muss zunächst Äpfel sammeln. Das wissen auch die Grundschüler aus Villingen. Dort stand am Donnerstag Leseunterricht der besonderen Art an: Nicht in Büchern, sondern auf der Wiese. "Wir haben extra einen Tag vorher die Streuobstwiesen gemäht und die Äpfel von den Bäumen geschüttelt", sagt Norbert Heßler vom Verein für Natur- und Vogelschutz Villingen, der zusammen mit sieben weiteren Helfern den Apfelerntetag vorbereitet hat. In der Schule stehe jedes Jahr der Apfel und eine gesunde Ernährung auf dem Lehrplan, da passe die eigene Ernte bestens dazu.

Aufgrund der Corona-Hygienevorschriften mussten die Schulklassen auf getrennten Wiesen sammeln. Die Kinder trugen zwei Stunden lang im Herbstsonnenschein Früchte zusammen.

Eine Zweitklässlerin stellte nur ein Problem dabei fest: "Das macht hungrig, wenn man die leckeren Äpfel sieht." Gut, die Äpfel sind unbehandelt, da ist es nicht schlimm, wenn einer im Mund statt im Lesesack verschwindet.

Zwei Tage später dann der Termin bei Alfred Will. Die mobile Kelteranlage steht an der Hungener Markthalle. Es duftet nach gebratenen Äpfeln, nach frischen Äpfeln und nach Apfelsaft. Heßler muss allerdings noch einen Moment warten, bevor er die Ernte der Villinger Grundschüler in die Presse werfen kann. Die Naturschützer aus Langd sind gerade am Abladen.

Auch dort wurden dieser Tage Äpfel gelesen, um aus ihnen Saft zu keltern. Die Hungener Naturschutzvereine haben sich zusammengetan, um die mobile Kelter zu holen, die Stadt stellt den Platz zur Verfügung. "Wir wollen so einen Anreiz geben, dass die Bürger ihre Streuobstwiesen schätzen lernen und pflegen", sagt Bodo Fritz. Die beste Werbung dafür sei eben ein frisch gepresster Saft. "Es ist ein Produkt, das nicht behandelt ist."

Zudem profitiere die Natur von den alten Streuobstwiesen. Vom Steinkauz bis Gartenrotschwanz hätten viele Vogelarten in den Bäumen ihr Zuhause. Der Landkreis fördere zwar die Anpflanzung von neuen Hochstamm-Apfelbäumen. "Es ist aber auch wichtig, dass die alten Bäume erhalten bleiben", sagt Fritz, während er einen Korb mit Äpfeln zur Presse trägt.

Nun geht es für die Äpfel rund. Zunächst werden sie automatisch gewaschen. Dann werden sie über eine Art Apfelfahrstuhl hinauf befördert, um in den Mußer zu fallen. Der Apfelbrei fließt automatisch zwischen die Walzanlage der Presse.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn der Besitzer Äppelwoi ansetzen möchte, fließt der Saft unbehandelt zu einem Zapfhahn. Wenn es jedoch Apfelsaft werden soll und man sich das Einkochen sparen möchte, übernimmt dies die Maschine. Der Saft wird auf 80 Grad erhitzt, dadurch über mehre Jahre haltbar gemacht.

Am Ende der Maschine steht Alfred Will. "Seit 2008 bin ich mit der mobilen Kelteranlage im Kreis Gießen unterwegs", erzählt er, während er Saft in Plastikschläuche füllt. Diese haben ein Volumen von fünf Litern. Bag-in-Box nennt sich das Ganze - jedenfalls ab dem Moment, wenn alles in eine Pappkarton gesteckt wurde. Aus diesem lässt sich dann je nach Bedarf ein Glas Apfelsaft zapfen. "Einer kam mal mit zwei Kilogramm Äpfeln aus dem Supermarkt", erzählt Will und lacht. Solche Minimengen kommen am Ende der Maschine nicht an. Ab 50 Kilogramm Äpfel lohne sich das Keltern erst. Der Mann damals hatte Glück. Ein anderer Kunde hatte Mitleid und drückte ihm einen von seinen 5-Liter-Saftkartons in die Hand.

Einige Zeit später ist die Ernte der Villinger Grundschüler durch die Maschine gewandert: 42 Kartons konnten Heßler und die Helfer mitnehmen. 210 Liter Apfelsaft warten am Montag nun auf die Klassen - alles aus selbstgelesenen Früchten. Da schmeckt der Saft gleich doppelt so gut.

Weitere Standorte der mobilen Kelter finden Interessierte unter www.kelterei-will.de.

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