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In den 1990ern startet Hera Lind als Autorin von Frauenromanen durch. Dann lässt sie ein Medienskandal tief fallen. Wie die 61-Jährige wieder auf die Beine gekommen ist, erzählt sie in Laubach. Ihr Thema: Zwischen Superweib und Schleuderprogramm.

Der Erfolg war schwer verdaulich

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Eigentlich war sie Sängerin, geschrieben hat sie zuerst nur aus Langeweile. Doch schon mit dem ersten von mittlerweile 37 Büchern landete Hera Lind 1988 einen Bestseller. Von da an ging es für die Autorin auf der Erfolgsleiter steil nach oben, bevor sie zwölf Jahre später ins Bodenlose fiel. In Laubach erzählt sie ihre Geschichte.

Ihren ersten Roman "Ein Mann für jede Tonart" schrieben Sie quasi aus Langeweile während der Schwangerschaft. War Ihnen damals klar, dass Sie damit einen Bestseller landen würden?

Hera Lind:Nein, das war ein Zufalls- und Glückstreffer. Noch nach dem "Superweib" war ich hauptberuflich Sängerin und schrieb die Bücher nur als "Hobby", bis ich nach vier Kindern das Singen nach und nach aufgab. Das Schreiben ließ sich viel besser mit dem stressigen Familienleben vereinbaren und es fiel mir leichter, als täglich zu üben und abends Konzerte zu geben. Davon werde ich auch berichten.

Sie waren als Sängerin ja sehr erfolgreich, haben die ganze Welt bereist und über 1000 Konzerte gesungen. Ist es Ihnen schwer gefallen, das aufzugeben?

Lind:Das Singen habe ich nach und nach schweren Herzens aufgegeben, denn mit jedem Kind, das ich geboren habe, fiel das Üben schwerer. Ich musste Rücksicht auf die Kinder nehmen und habe im Schreiben eine "leisere" Lösung gefunden.

Nach der ersten Veröffentlichung ging es für Sie steil nach oben. Ihre Bücher erreichten bis heute eine Gesamtauflage von 13 Millionen und wurden in 17 Sprachen übersetzt. Wie lebt es sich mit so viel Erfolg?

Lind:Es war eine wunderbare, aufregende Zeit, in der alles auf einmal kam: Der Erfolg als Sängerin, der Erfolg als Autorin, dazu vier Kinder und zwei eigene Fernseh-Shows. Zum Darübernachdenken kam ich erst viel, viel später.

Sie sagen es, Sie hatten reichlich Programm. Sie haben geschrieben, Fernsehsendungen moderiert, CDs aufgenommen und nebenbei vier Kinder groß gezogen. Bleibt da nicht irgendetwas auf der Strecke?

Lind:In dieser Zeit kam tatsächlich alles auf einmal. So ähnlich, wie wenn Sie ein Fünf-Gänge-Menü mit sämtlichen Zutaten gleichzeitig auf den Teller bekommen. Das sieht erst toll aus, ist aber letztlich schwer verdaulich.

Als Sie sich im Jahr 2000 von Ihrem Lebensgefährten trennten, um mit dem österreichischen Hotelier Engelbert Lainer zusammenzuleben, ging ein Aufschrei durch die Medien. Sie verloren Image und Existenz. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Lind:Sicher war eben dieses Chaos und die totale Überforderung, mit der ich mich alleingelassen fühlte, der Auslöser für den totalen Umbruch in meinem Leben. Wie eine Welle, die letztlich alles wegspült, was vorher war. Es war nötig und wichtig, um ein neues Leben anfangen zu können.

Wie kamen Sie wieder auf die Beine?

Lind:Das hat Jahre gedauert. Aber es war der richtige Schritt. Es ging nicht anders. Meine Familie und die richtigen Freunde haben zum Glück immer zu mir gehalten.

Ihre Romanheldinnen sind zum Sinnbild der modernen Frau geworden, die Karriere, Partnerschaft und Kinder spielend meistert. Viele Frauen bekommen das aber nicht so spielend hin und zerbrechen an diesen Ansprüchen. Ist Ihnen das bewusst?

Lind:Natürlich. Auch ich bin ja daran zerbrochen. Um dann wieder neu durchzustarten. Davon handelt mein Vortrag "Vom Superweib zum Schleuderprogramm".

Wie viel von Ihnen selbst steckt eigentlich in Ihren Büchern?

Lind:Sehr viel. Zumindest in meinen Romanen. In den Tatsachenromanen, die ich seit zwölf Jahren schreibe, steckt eigentlich nur noch mein gutes Handwerk, meine Schreib- und Lebenserfahrung. Der Kern sind wahre Geschichten, erlebt von meinen Leserinnen. Ein großes Geschenk, das ich mit Respekt und Wertschätzung behandele.

Die meisten Ihrer Veröffentlichungen sind Frauenromane. Sie haben aber auch Kinderbücher und Krimis geschrieben, in jüngster Vergangenheit überwiegend Tatsachenromane. Welches Genre ist Ihnen am liebsten?

Lind:Heute haben sich die Tatsachenromane hervorragend etabliert. Durch meinen eigenen Bruch in meiner Biografie habe ich auch beruflich eine Veränderung, einen neuen Weg beschritten. Das war ein Fachwechsel, der heute absolut nachvollziehbar ist und zu mir passt.

Zum Abschluss die obligatorische Frage: Welches Buch hat Sie denn zuletzt begeistert?

LindOh, so viele! Ich lese fast täglich ein anderes Buch, um immer noch dazuzulernen. Den Sommer habe ich mit unzähligen Büchern an den Seen des Salzkammergutes verbracht.

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