Noch einmal durchgewischt, am Montag geht es los: der technische Leiter Thomas Lenz, Prokurist Michael Köppen sowie Hylia Simon und Sevgi Kayaci (von links) im Freibad Laubach. FOTO: TB
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Noch einmal durchgewischt, am Montag geht es los: der technische Leiter Thomas Lenz, Prokurist Michael Köppen sowie Hylia Simon und Sevgi Kayaci (von links) im Freibad Laubach. FOTO: TB

Endlich wieder freischwimmen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Endlich, wird so manche "Wasserratte" seufzen: Unter Einhaltung "anlagenbezogener Infektionsschutz- und Zugangskonzepte" dürfen ab Montag auch Hessens Bäder wieder öffnen. Einige Betreiber im Kreis sind gut vorbereitet, starten übermorgen bereits in die Saison - Kritik an der späten Information durch das Land hagelt es dennoch.

Im gechlorten Wasser haben die Viren keine Überlebenschance", greift Michael Köppen, Prokurist der städtischen Bäder GmbH Laubach, die durchaus nachvollziehbaren Ängste in der Bevölkerung auf. Um diese doch sofort zu entkräften.

Bestätigt wird der Laubacher durch die Stellungnahme des Bundesumweltamtes vom 25. März 2020, mit der die Behörde auf die Gefährdung von Badegästen durch das neuartige Coronavirus Bezug nahm: "Aufgrund der regelmäßigen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Umfeld des Beckens und im Sanitärbereich wird eine Reduktion eventuell eingebrachter Bakterien und Viren erreicht. Dem Beckenwasser selbst wird ein Desinfektionsmittel (in der Regel Chlor) zugesetzt, das Krankheitserreger inaktiviert oder abtötet. Behüllte Coronaviren sind besonders leicht zu inaktivieren."

Im Wissen darum und angesichts der materiellen wie sozialen Folgen der Corona-Krise, sagt Laubachs Bäder-Chef Köppen, sei man sich mit der Verwaltung schon im April einig gewesen: "Wir machen den Bürgern dieses Angebot, öffnen, sobald es erlaubt ist."

Was die Vorbereitung auf den "Tag X" erleichterte: Vor Wochen schon hatte die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen einen "Pandemieplan" erstellt. Der fußte auf Empfehlungen, die das Umweltbundesamt unter der Überschrift "Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung" formuliert hatte.

Dank der frühzeitigen Orientierung an dem Pandemieplan blieben nur mehr Restarbeiten zu erledigen, als am Montag erste Infos über eine Wiedereröffnung am 15. Juni durchsickerten. Apropos sickern: Die Abdichtung des im Vorjahr georteten Lecks hat sich als wirksam erwiesen.

73 Stunden, bevor am Montag, 10 Uhr, das Bad öffnet, erläutert Köppen bei einem Lokaltermin, wie sein Team das Infektionsschutzkonzept umsetzen wird. Dass man vom Gesundheitsamt ausdrücklich dafür gelobt worden sei, schickt er voraus. Um auf der sicheren Seite zu sein, wird Laubach die vom Land erlassene Zugangsbeschränkung noch verschärfen: Statt vorgeschriebener fünf Quadratmeter "verfügbare Fläche je Besucher" - gilt innerhalb und außerhalb des Beckens - setzt man 15 Quadratmeter an. Bei einem Areal von rund 7500 Quadratmetern dürfen also bis zu 500 Menschen rein.

"Aber nur in jeder Schicht", schiebt Köppen hinterher. Die dauern von 7 bis 8 Uhr, 10 bis 14 und 16 bis 20 Uhr. Dazwischen müssen die Gäste raus, sonst könnte das Personal die zusätzlichen Desinfektionsmaßnahmen nicht schaffen. Reinigung der Durchschreitebecken, Duschräume und Umkleiden - das sind nur drei Beispiele von vielen.

Im Schwimmerbereich dürfen sich in Laubach somit bis zu 80 Personen des kühlen Nasses erfreuen, im Nichtschwimmerbereich 45. Jeder Gast erhält ein Armbändchen, das er beim Verlassen des Beckens wieder abgeben muss und das nach der Desinfektion an den nächsten gegeben wird. "So ist sichergestellt, dass nie mehr Personen als erlaubt im Becken sind."

Der Hygiene wegen werden keine Liegen und Sonnenschirme verliehen, wegen des Personalaufwands bleibt der Kiosk fürs Erste dicht. Auch im Freibad Laubach gibt es nun "Einbahnstraßen" zur Wahrung der bekannten Mindestabstände, muss jeder seine Kontaktdaten hinterlassen. "Bei allen Vorsichtsmaßnahmen setzen wir doch auch auf die Vernunft der Besucher", schließt Köppen. Nicht ohne Hinweis darauf, dass die Corona-Saison 2020 in jedem Fall ein hohes Defizit bescheren wird.

Nicht anders Joachim Siebert, dessen Verein "SEK" das Licher Waldschwimmbad betreibt. 18 000 Euro Miese fahre man allein durch Ausfall der Großveranstaltungen ein, klagt er. Hinzukämen die Verluste aufgrund einer um einen Monat oder 20 Prozent verkürzten Saison. Dennoch: Neben Laubach öffnen auch sie bereits am Montag. Dass bei dem Naturbad der Desinfektionsaufwand niedriger ausfällt, ist da ein nur schwacher Trost. "Wir machen das ehrenamtlich", fährt Siebert fort und kritisiert mit deutlichen Worten die späte Information des Landes zu den Auflagen: "Wir hingen da lange in den Seilen."

Die Kritik teilt auch Wettenbergs Bürgermeister Thomas Brunner. Der aber hat noch ein weiteres Problem: Man habe erst in dieser Woche mit den technischen Vorbereitungen und dem Füllen der Becken begonnen, teilte Brunner mit. Ein technischer Defekt hatte den Zeitplan der Gemeinde torpediert. Dass es mit dem 15. Juni daher "schwierig wird", so Brunner mit einem Schuss Ironie, ist klar - bis die Becken gefüllt sind, das dauert mehr als zwei Tage .

Wie sieht die Freibadsituation in Gießen aus? Mehr auf Seite 25

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