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Zur Hälfte besetzte Klassen. Ausreichend Abstand zwischen den Schülern. Maskenpflicht auch im Unterricht. Gestern hat für die Jahrgänge eins bis sechs das Präsenzlernen wieder begonnen. An der Erich-Kästner-Schule in Lich findet es im täglichen Wechsel statt.

Schulöffnungen in Hessen

Endlich wieder Schule – So lief der Beginn des Präsenzunterrichts in Lich

  • vonChristina Jung
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Nach knapp zehn Wochen Corona-Lockdown hat für die Klassen eins bis sechs wieder der Schulalltag begonnen – zumindest im Wechselmodell. So lief der erste Tag an der Erich-Kästner-Schule in Lich.

Lich – Montagmorgen, 7.50 Uhr. In der Kiss-and-ride-Zone vor der Erich-Kästner-Schule (EKS) ist einiges los. Schüler steigen aus Autos, verabschieden sich von ihren Eltern, schlendern Richtung Pausenhof. Viele von ihnen seit fast zehn Wochen zum ersten Mal. In Lich hat wie im übrigen Landkreis der Wechselunterricht für die Jahrgänge eins bis sechs begonnen. Heißt konkret: Die eine Hälfte einer Klasse lernt im Präsenz-, die andere im Distanzunterricht. Gewechselt wird tage- oder wochenweise, das entscheiden die Schulen in Eigenregie.

An der EKS, wo sich das Kollegium für den täglichen Wechsel entschieden hat, füllen sich langsam die Klassenzimmer. Tische sind nur mit einem Schüler besetzt und stehen in angemessenem Abstand zueinander, mindestens 1,50 Meter sollen es nach Vorgabe des Ministeriums zwischen den Schülern sein. So wie schon während des Wechselunterrichts im Frühjahr. Auch andere, bereits bekannte und seit Ausbruch der Pandemie verinnerlichte Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Lüften oder Händewaschen haben nach wie vor Bestand. Etwas allerdings ist für die Schüler an diesem Morgen komplett neu: Der Mund-Nase-Schutz ist auch im Unterricht Pflicht.

Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in Lich: Lieber Maskenpflicht als Homeschooling

»Was mache ich, wenn ich mich morgens nicht gut fühle?«, fragt Lehrerin Stephanie Kunisch den anwesenden Teil ihrer vierten Klasse. Viele Finger gehen nach oben. »Ich bleibe zu Hause«, antwortet eine Schülerin. Anhand folierter Hinweisschilder arbeitet die kommissarische Konrektorin Corona-Regel für Corona-Regel noch einmal mit den Kindern ab. Als die Karte mit der Maskenpflicht an die Reihe kommt, geht ein Raunen durch die Klasse. Begeisterung hört sich anders an.

Auch wenn die neue Bestimmung unangenehm, vielleicht sogar sehr lästig ist, die meisten sehen die Notwendigkeit. »Es ist sehr anstrengend, weil ich nicht so gut Luft bekomme«, sagt Johannes (10). Das findet auch Nila (9), vor allem wenn sie in der Pause renne, sei das ein Problem. Rike (9) ist der Ansicht, dass die Maske dem Schutz dient und deshalb okay sei. Und - da sind sich alle einig - Maskenpflicht im Unterricht ist auf jeden Fall besser als Homeschooling. »Mein Papa hat sich zwar sehr viel Mühe gegeben, aber er kann das einfach nicht so gut wie Frau Kunisch«, meint Johannes. Einen weiteren Grund bringt Helena (10) auf den Punkt: »Jetzt sehe ich endlich alle wieder.«

Schulöffung in Lich: EKS-Schulleiter erwartet tägliche Schnelltests für Schüler und Lehrer

8.20 Uhr. Aus Stephanie Kunischs Handy ertönt eine zarte Melodie. Zeit für die erste Maskenpause. Fenster werden geöffnet, der Mund-Nase-Schutz abgelegt. Fast zeitgleich erfolgt ein tiefes Ein- und ein erleichtertes Aufatmen. Das tut gut. Wie die Schüler auf Dauer mit der neuen Regel klarkommen, wird die Zeit zeigen. Kunisch: »Wir werden das mit den Kindern evaluieren, und wenn es ein großes Problem ist, müssen wir etwas verändern.«

Jetzt sind aber erst einmal alle froh, dass sie nicht mehr dauerhaft zu Hause lernen müssen und ihre Freunde wieder treffen können. Dass soziale Kontakte für Kinder enorm wichtig sind, ist ein Aspekt, den Kritiker auch mit Blick auf die Schulschließungen immer wieder anführen. Für die Lehrer ist es nicht der einzige, der für den Präsenzunterricht spricht, zu dem es aus ihrer Sicht keine Alternative gibt. Ein ritualisierter Alltag, Struktur und natürlich das Miteinander fehlten den Kindern im Homeschooling, sagt Stephanie Kunisch. EKS-Schulleiter Jürgen Vesely führt noch weitere Aspekte an: Mimik, Gestik, Interaktion. »Die ganzheitliche Wahrnehmung ist mit Maske nicht mehr gegeben, und das macht die Vermittlung von Lerninhalten auf jeden Fall schwerer.«

Dennoch gehört Vesely mittlerweile zu den Befürwortern der Maskenpflicht im Unterricht. Grund sind die Sorgen der Lehrkräfte. Denn streng genommen habe sie täglich mit zehn verschiedenen Familien Kontakt, sagt Stephanie Kunisch. »Das beunruhigt mich schon.« Vesely ergänzt: »Wir haben hier alle Angst vor einer Ansteckung.« Deshalb nimmt man die Hygienevorschriften an der EKS auch extrem ernst.

Doch ob das mit Blick auf die sich ausbreitenden Mutationen reichen wird? Jürgen Vesely, der auch stellvertretender Vorsitzender des Interessenverbandes Hessischer Schulleiter (IHS) ist, möchte darauf nicht hoffen. Er erwartet von der Politik tägliche Schnelltests für Schüler und Lehrer - sein Kollegium wird aktuell einmal wöchentlich getestet -, außerdem eine »schnellstmögliche Impfung für Lehrkräfte«. Denn: »Nur wer den Kopf frei hat, kann seinen Job richtig ausführen.«

Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in Lich: Lehrer helfen nachmittags in der Notbetreuung aus

9.30 Uhr. Erste große Pause. Allerdings nicht für alle. Jahrgangsweise gehen die Schüler auf den Hof, jede Klasse in ihren eigenen Bereich. Das ist nötig, um Kontakte auf kleinem Niveau zu halten. Das wird - wenn irgend möglich - auch für die Notbetreuung umgesetzt. Die dort angemeldeten Kinder werden nicht in ihrer eigentlichen Klasse beschult, sondern separat. Aktuell sind es rund 50 der insgesamt knapp 400 EKSler. Da die Notbetreuung aber parallel zum normalen Unterricht stattfindet, fehlt es in dieser Zeit an Personal. Vesely hat sich deshalb mit dem Schulträger darauf geeinigt, dass die Pakt-Mitarbeiter vormittags im Präsenzunterricht aushelfen, dafür die Lehrkräfte nachmittags in der Notbetreuung.

12.30 Uhr. Die 4b hat jetzt Feierabend. Neben dem Ankommen, das viel Zeit in Anspruch genommen hat, standen Deutsch, Mathe und Sachkunde auf dem Stundenplan. Morgen wird wieder zu Hause gelernt, bevor es am Mittwoch ein erneutes Wiedersehen mit den Klassenkameraden und der Lehrerin geben wird.

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