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Idyllisch wirkt das verlassene Bahnwärterhäuschen zwischen Ahornstraße und dem Bahndamm in Lang-Göns.

Endet der Dornröschenschlaf?

  • Alexander Geck
    VonAlexander Geck
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Das letzte Bahnwärterhäuschen in Lang-Göns steht seit etwa 50 Jahren leer. Die Eigentümer des Anwesens haben in den vergangenen Jahren immer wieder gewechselt - nicht zuletzt, weil es sehr schwierig ist, aus dem Anwesen etwas ordentliches zu machen. Doch so wie es aussieht, sind die Tage der Ruine nun gezählt.

Bahnwärterhäuschen wurden einst gebaut, damit die für einen besonderen Betriebspunkt zuständigen Bediensteten unmittelbar neben ihrem Arbeitsplatz wohnen und ihren Full-Time-Job gewissenhaft erledigen konnten. Die Bahnwärter hatten Kontroll- und Meldeaufgaben zu erledigen, Handregelungen vorzunehmen und mechanisch Schranken, Signale oder Weichen zu bedienen.

Mit der zunehmenden Modernisierung und Automatisierung gehören diese Dienstgebäude aber schon länger der Vergangenheit an. Viele von ihnen wurden abgetragen, aber einige existieren noch. So auch das letzte verbliebene in Lang-Göns.

Etwas versteckt zwischen der Ahornstraße und den Bahngleisen fristet es, von dornigen Hecken umwuchert, schon seit längerem sein karges, verfallenes Dasein. Graffiti zeugen von einer gewissen Anziehungskraft für Jugendliche, das Dach des Nebengebäudes hat große Löcher. Seit rund 50 Jahren steht das Häuschen nunmehr leer.

Von der Bahnseite her kann man dem Klinkerbau einen gewissen Charme nicht abspreche. Es mutet fast so an, als sei es in einen Dornröschenschlaf versunken. Doch vom Parkplatz des benachbarten Mehrfamilienhauses der Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft Langgöns zeigt sich das Ensemble von einer weniger ansehnlichen Seite. Ein später errichteter Verbindungsbau aus Hohlblocksteinen etwa hat deutliche Rußspuren. Lediglich ein Fenster ist noch vorhanden, verrostete Armierungen sind zu sehen.

Der Langgönser Heimatforscher Otto Berndt weiß mehr zur Historie des Gebäudes. So gab es einst vier Bahnwärterhäuschen in Langgöns.

Das wird im Adressbuch von 1905 an vorderster Stelle erwähnt: Direkt gegenüber vom Bahnhofsgebäude an der Neuhöfer Chausee (heute Leihgesterner Straße), in Richtung Butzbach am ehemaligen Schaubigtweider Weg kurz vor der Unterführung, etwas außerhalb an der Lochermühle - und eben jenes am Hellersberg.

Berndt selbst hat auch einen persönlichen Bezug dazu. »Das Haus war schon ungenutzt, als ich noch zur Schule fuhr, also Anfang/Mitte der 70er Jahre«, erinnert er sich.

Eine Restaurierung des Hauses ist wohl angesichts des Verfalls kaum möglich. Bei nüchterner Betrachtung bleibt wohl nur der Abriss. Dem steht auch der Denkmalschutz nicht entgegen.

Doch mehrere Faktoren haben stets die Umsetzung eines wie auch immer gearteten Neubauvorhabens erschwert bzw. verhindert. So fehlt dem Vernehmen nach vor allem eine ordentliche Zufahrt sowie die notwendige richtige Versorgung mit Strom und Wasser und eine Anbindung an das Kanalsystem. Das mag auch der Grund sein, dass das Haus samt Grundstück allein in den vergangenen zehn bis 15 Jahren drei- bis viermal den Eigentümer gewechselt hat.

Die Tage des Gebäudes sind aber möglicherweise doch gezählt. Denn nun hat der aktuelle Eigentümer einen Bauantrag gestellt. Er plant, im nächsten Jahr dort nach dem Abriss einen Neubau zu errichten.

Die Baugenehmigung werde ihm aber erst erteilt, wenn er besagte Strom- und Wasserleitungen neu verlegen lasse, teilt der Eigentümer auf Anfrage mit. Er ist allerdings der Auffassung, dass diese schon vorhanden seien. Bleibt zu hoffen, dass es diesbezüglich eine Lösung gibt, mit der alle Seiten zufrieden sein können.

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