Eltern streiten für Erhalt des Kindergarten-Busses

  • Thomas Brückner
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Grünberg(tb). Eine Begleitperson des Kindergartenbusses verabschiedete sich bereits am Montag von den Kleinen. Was jedoch nichts mit den Plänen der Stadt zu tun haben dürfte, den kostenlosen Transport in die Kitas einzustellen. Dieser "Shutdown" nämlich steht erst zum Fahrplanwechsel im Dezember an.

Freilich nur ein schwacher Trost für die Eltern von im Schnitt 40 Kindern, die den Bus nutzen und künftig sehen müssen, wie sie ihre Kleinen in den Hort bringen. Ein Problem vor allem für jene, die kein Auto besitzen. "In Stockhausen trifft das für sieben der zehn Kita-Kinder zu, davon fünf oder sechs Flüchtlinge", sagt Diana Limburg.

Vor etwa einem Jahr ist sie mit ihrer Familie in das Seenbachtal-Dorf gezogen, dessen Sprösslinge die Kita in Lardenbach besuchen. Wie in weiteren sechs Stadtteilen ohne Hort werden die Knirpse morgens abgeholt und mittags wieder nach Hause gebracht. Die Stadt setzt hier auf Busse der VGO-Linien GI-77-79, die vor allem den Schülertransport übernehmen.

Zuschuss an VGO infrage gestellt

Für die Beförderung zahlt Grünberg der VGO einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von 15 000 Euro. In etwa der gleiche Betrag wird für die Begleitpersonen fällig, die bei Fahrgästen im Kita-Alter vorgeschrieben sind.

Vor der Corona-Pandemie hatten 66 Kinder den Bus genutzt. Die meisten besuchten die Kita Lardenbach (23), gefolgt von Queckborn (11) und Reinhardshain (10). Der Mittelwert lag laut VGO allerdings bei nur 41 Kindern.

Für den Magistrat stehen daher Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis. Bürgermeister Frank Ide verwies gegenüber der GAZ zudem auf Erfahrungen andernorts: Nach Abschaffung des Kita-Busses hätten die Eltern selbst den Transport organisiert. Auch gebe es im Landkreis nurmehr drei Gemeinden mit diesem Service. In Hungen sei damit ein Busunternehmer betraut, in Allendorf eine Mini-Jobberin, in Lich ein Bauhofmitarbeiter. In den beiden letztgenannten Fällen werde das städtische City-Mobil genutzt. Ein solches gibt es auch in Grünberg. Griffe man darauf zurück, so die Verwaltung, blieben die Vereine außen vor. In der Magistratsvorlage vom 8. Juli wird schließlich noch angemerkt, dass einige Begleitpersonen zur Risikogruppe gehörten, es ohnehin schwieriger werde, Interessenten zu finden.

Für Diana Limburg, die im Namen der "Lardenbacher" Eltern spricht, geht die städtische Abwägung von Sparzwängen, Nutzerzahlen und Kosten nicht in Ordnung. Nicht nur wegen der Probleme für Eltern ohne Auto, sondern auch im Blick auf die CO2-Bilanz, wenn künftig mehr Privat-Pkw unterwegs seien. Der Unmut der Eltern werde noch verstärkt durch eine "Blockadehaltung" der Stadt: Auf das Angebot, selbst Begleitpersonen zu stellen, habe es nur geheißen, dass die Eltern dann aber den vollen Fahrpreis bezahlen müssten.

Die Kritik kann Stockhausens Ortsvorsteher Kai-Albrecht Jochim verstehen. Wie für die Elternsprecherin ist auch für ihn nicht nachvollziehbar, für was die VGO eigentlich 15 000 Euro erhält. Die Schulbusse drehten doch ohnehin ihre Runden, für Kita-Kinder falle kein Fahrpreis an. Überdies seien die Eltern bereit, einen Obolus für die Begleitung zu zahlen. Sein Fazit: "Sparen ist zwar wichtig, aber der Mehrwert des Kita-Busses für den ländlichen Raum sollte mehr Gewicht erhalten."

Auf Ablehnung stoßen die Pläne auch beim Gesamtelternbeirat. Bei der Sitzung in der Vorwoche wurde der Wunsch geäußert, Alternativen zu prüfen. Wie Bürgermeister Ide gestern nun im GAZ-Gespräch zusagte, werde man das Gespräch mit der VGO suchen. Ide zeigte sich auch offen für die Übernahme der Begleitung durch Eltern. "Das dauert allerdings schon länger, bis man wieder daheim ist." Für den Busbetreiber wäre das von Vorteil, müsse er doch nicht mehr bis vor die Kita, nur zur Haltestelle fahren. Vielleicht sei die VGO dann ja bereit, von den 15 000 Euro runterzugehen. Wofür die gezahlt werden? "ÖPNV ist nun mal ein Zuschussgeschäft, die VGO muss auch sehen, wo sie ihr Geld herkriegt."

Bleibt nun abzuwarten, wie die Sache ausgeht. Beim ersten Anlauf 2012 gab das Stadtparlament dem Protest der Eltern am Ende nach.

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