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Momentan sind alle Türen geschlossen. Doch Eiscafè-Betreiber Simone Morandin würde den Straßenverkauf und den extra eingerichteten Lieferservice gerne wieder aufnehmen. FOTO: LKL

DIE INITIATIVE

Eismacher fordern Gleichbehandlung

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Hessen ist das einzige Bundesland, in dem Eisdielen komplett geschlossen haben müssen. Eisdielen aus Lich, Gießen und Lollar haben sich nun einer Protest-Initiative angeschlossen.

Um trotz Eisdielen-Schließungen den Kontakt zu den Kunden nicht zu verlieren, hatte das Eiscafé "Morandin" Mitte März einen Lieferservice innerhalb Lichs eingerichtet. Doch bereits nach wenigen Tagen erreichte die Betreiber Simone Morandin und Marco Corrocher die Nachricht, dass die erste Verordnung, nach der Eisdielen sowohl einen Straßenverkauf als auch einen Lieferdienst anbieten durften, nicht mehr gültig sei. Stattdessen verfügte das hessische Wirtschaftsministerium, Eisdielen seien komplett zu schließen - eine Regelung, die in dieser Form in keinem anderen Bundesland getroffen wurde und die unter den Eisdielenbetreibern für viel Unmut sorgt.

Mittlerweile hat sich daher eine Initiative "kleiner hessischer Eismacher" gebildet, die unter dem Slogan "Wir kämpfen gegen Corona - und um unsere Existenz" gegen die Maßnahmen protestiert. Unter den 31 hessischen Selbständigen, die insgesamt 37 Eisdielen betreiben, sind auch die Betreiber des Eiscafés "Morandin" in Lich und der "Heisszeit" in Gießen. Sie rufen dazu auf, E-Mails an verschiedene Politiker zu schreiben und eine Online-Petition zu unterzeichnen, um zu erreichen, dass Lieferungen und Abholungen nach Vorbestellung wie in allen anderen Bundesländern erlaubt werden. Zudem fordern sie, dass auch der Mitnahmebetrieb ohne Vorbestellung wieder genehmigt wird, sofern die Abstandsregeln eingehalten werden, so wie es in zehn der anderen 15 Bundesländer der Fall ist. Ihre Forderungen zielen damit auf eine Gleichbehandlung mit anderen gastronomischen Betrieben ab, die ihre Ware weiterhin zur Abholung und zur Lieferung anbieten dürfen.

"Ich finde das nicht fair", sagt Morandin zu der aktuellen hessischen Sonderregelung für Eisdielen. "Zumindest der Außenverkauf mit Abstandsregeln muss genehmigt werden, wenn auch Bäckereien geöffnet haben dürfen." Beim Lieferservice sei die Ansteckungsgefahr durch die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens sogar noch geringer. "Dabei war die Gesundheits- und Sicherheitsstufe bei 100 Prozent", sagt er. Dass auch Lieferungen jetzt verboten sind, bereitet ihm ebenso wie vielen anderen hessischen Eisdielenbetreibern in einer ohnehin schwierigen Situation zusätzliche Sorgen. Laut Homepage der Initiative verdienen die Eisdielen etwa 75 Prozent ihres Jahresumsatzes von März bis Juni, also jetzt im Frühling, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Menschen besonders große Lust auf Eis machen. Eine Erfahrung die Morandin bestätigen kann. "April und Mai sind unsere besten Monate", berichtet er. Um überhaupt Eis anbieten zu können, bereitet er gerade einen Verkauf im Supermarkt vor. "Wir arbeiten seit zwei Wochen an diesem neuen Weg", erzählt er. "Aber es ist ein sehr großer Aufwand und dauert daher ein bisschen."

Giovanni Parise, der Betreiber der "Heisszeit" in der Gießener Plockstraße, hat hier einen kleinen Vorteil: Da er selbst schon immer Eis im Becher besonders gerne mochte, hat er sich im vergangenen Jahr eine Eismaschine gekauft, die ihm jetzt das Abfüllen erleichtert. "Es war schon lange meine Vision, das Heisszeit-Eis auch im Becher anzubieten und über den Einzelhandel und die Gastronomie zu vertreiben", erzählt er. "Jetzt bin ich froh, dass meine Gastro-Freunde da sein." Über den Lieferservice mehrerer Gießener Lokale kann sein Eis mitbestellt werden. "Natürlich ist das aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe, denn der Frühling ist eigentlich unsere Zeit, er ist wichtiger als der Sommer", räumt Parise ein. Insofern sei die Lieferdienst-Kooperation wirtschaftlich ein schwacher Trost. "Aber zumindest können die Leute bei Sonnenschein unser Eis genießen und die ›Heisszeit‹ bleibt im Gespräch", sagt er. "Und es ist besser, etwas zu tun und sich zu bewegen, als die Augen zuzumachen und den Kopf in den Sand zu stecken."

Dass er das Eis über die Lieferdienste anderer Gastronomen anbieten darf, selbst jedoch nicht, kann er allerdings nicht verstehen. "Wenn ich meine Verkaufstheke öffne und drei verschiedene Eisbecher anbiete, dann müssen die Leute nicht lange überlegen und es geht sehr schnell", sagt er und fügt mit Verweis auf die geöffneten Bäckereien an, dass es sich bei Eisbechern nicht mal um ein offenes, sondern um ein geschlossenes Produkt handle.

Die Argumentation, dass Eis nicht verkauft werden darf, weil es sich nicht um ein Grundnahrungsmittel handelt, hält er für nicht schlüssig. ""Wieso dürfen dann Pralinen, Kuchen und Torten verkauft werden?", fragt er und wischt auch die Befürchtung, dass das Eis die Menschen zu Zusammenkünften verleiten könnte, beiseite: Dies sei bei anderen Dingen wie Döner, Pizza oder Kaffee genauso. Zumeist handle es sich zudem nur um Zweiergruppen, was weiterhin erlaubt sei.

Am Anfang habe er sich selbst auch Sorgen wegen der langen Schlagen gemacht und eine Woche vor der Verordnung deshalb sogar von sich aus geschlossen, sagt Parise. Jetzt sei die Situation jedoch eine andere. Er als Betreiber und auch die Menschen wüssten mittlerweile genau, wie sie sich zu verhalten hätten, weshalb die Einhaltung des gebotenen Abstands kein Problem sei, meint er. "Gerade in Deutschland ist man sehr diszipliniert und hält sich an die Regeln. Das wäre beim Eis-Verkauf auch so."

Die Initiative

Unter http://hessische-eismach er.de/ informieren die beteiligten Eismacher über ihre Forderungen. Auch die Online-Petition ist dort zu finden.

Unter http://hessische-eismach er.de/ informieren die beteiligten Eismacher über ihre Forderungen. Auch die Online-Petition ist dort zu finden. lkl

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