Eisernes Sparen zahlt sich aus

  • Gabriele Krämer
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Knochenarbeit in Matsch und Kälte - damit es ein schöner Sommer wird: Im Licher Waldschwimmbad sorgen Ehrenamtliche mit einem Kraftakt für ein zeitgemäßes Outfit der Freizeitoase. Das lässt sich der Betreiberverein SEK rund 100 000 Euro kosten.

Zweistellige Minusgrade verlangten den Arbeitern alles ab. Mit Gummistiefeln, dicker Winterkleidung und Mund-Nase-Schutz ausgestattet, wird so mancher von ihnen zwischendurch einen Fluch gen Himmel geschickt haben. Allerdings waren diese Temperaturen in der vergangenen Woche zwingend nötig, damit im Licher Waldschwimmbad ein groß angelegtes Bauvorhaben gestartet werden konnte. Inzwischen ist wieder die Notbremse gezogen, weil sich Frühlingswetter angekündigt hat.

Fast vier Jahre hat der Verein »Sport, Erholung, Kultur« (SEK) als Betreiber des Bades eisern darauf gespart, in diesem Frühjahr die von Besuchern aus ganz Mittelhessen frequentierte Freizeiteinrichtung für die nächsten Jahre fit zu machen. Im Kern geht es um zwei Projekte: Zum einen wird die Dammoberfläche inklusive des Biergartenareals saniert, zum anderen steht die Vertiefung des Schwimmbereichs um 30 bis 40 Zentimeter auf dem Plan. Letzteres ist mithilfe von schwerem Gerät nun in einem ersten Bauabschnitt auf einem Fünftel der Fläche umgesetzt worden. Im Winter 2021/22 könnte es weitergehen: Der See wird dann wie in jedem Jahr trockengelegt - um aber loslegen zu können, müssen die Temperaturen »in den Keller« gehen.

»Wir bringen für die Maßnahmen insgesamt 90 000 bis 100 000 Euro reines Vereinsvermögen auf«, sagt Vorsitzender Joachim Siebert. Die Baggerarbeiten auf dem Seegrund seien zwingend notwendig gewesen, weil sich jahrzehntelang reichlich Nährstoffe abgesetzt haben. Da sich das Wasser im nun vertieften Bereich nicht mehr so schnell erwärmen kann, profitieren Tier- und Pflanzenwelt. Für die Arbeiten gab es mit Blick auf die Brut- und Setzzeit nur ein schmales Zeitfenster. Spätestens am 1. April, so hofft man beim SEK, wird der See wieder gefüllt und der reguläre Wasserstand erreicht sein.

Für das Waldschwimmbad ziehen viele an einem Strang: Jonas Weisel (Eberstadt) etwa fuhr mit seinem Traktor Unmengen an Teichschlamm auf eine als Sondernutzungszone ausgewiesene Fläche im Wald. Die stellte der Licher Fürst zur Verfügung.

Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder und Spenden haben sich beim Verein in den vergangenen Jahren beträchtlich summiert. Zu verdanken hat das der SEK auch dem Bilderbuchsommer 2020. Weil das Reisen pandemiebedingt nur eingeschränkt möglich war, strömten die Sonnenanbeter und Wasserratten in Scharen zum Idyll im Licher Wald. »Wir können uns als Gewinner der Corona-Situation bezeichnen«, resümiert Siebert. Auf dem großen Gelände habe man »in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Kreisgesundheitsamt« trotz Einlassbeschränkungen jederzeit einen gut strukturierten Badebetrieb gewährleisten können.

Zugute kommt dem »Waldi«, wie die Licher »ihr« Bad liebevoll nennen, auch die Lage an der ehemaligen Bundesstraße 457. Spaziergänger und Fahrradfahrer nehmen zwischen Saisonstart am Maifeiertag bis Anfang Oktober gern auch dann einen Einkehrschwung, wenn das Wetter nicht unbedingt zum Baden einlädt.

Längst ist der Biergarten kein Geheimtipp mehr. Deshalb war es höchste Zeit, den in die Jahre gekommenen Damm zwischen Schwimmbereich und Liegewiese für das Publikum auf Vordermann zu bringen. So gingen zeitweise bis zu 16 Ehrenamtliche ans Werk, um Versorgungsleitungen zu erneuern, die Überdachung zu versetzen und neue Steine anstelle des einstigen Kunststoffholzbelages zu verlegen.

Ein wesentliches gestalterisches Element könnten Besucher in der kommenden Saison allerdings vermissen: Auf den weißen Sand, der im vergangenen Jahr in einem Teil des Biergartens für »pures Urlaubsfeeling« sorgte, wird von den Betreibern künftig verzichtet. Der feine Belag machte sich zwar gut »für die Optik«, fand sich dann aber teils im Kinderbecken wieder. »Wir optimieren an verschiedenen Stellen«, erläutert Siebert und weist darauf hin, dass die Neugestaltung in enger Absprache zwischen SEK und neuem Biergartenbetreiber erfolgt.

Noch ist unklar, ob die Saison wie geplant starten kann. Dem Vorsitzenden aber ist es ernst: »Am 1. Mai schlage ich einen Zapfhahn in das erste Fass. Und wenn’s allein für die vielen Helfer ist«.

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