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Einzigartige Aufnahmen

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Von seinen Reisen zu den Vögeln Europas hat Gerald Reiner aus Wißmar Zehntausende Fotos mitgebracht. Jetzt entsteht ein prachtvoller Bildband. Reiners Botschaft: Die gefiederte Vielfalt bewahren.

Der Laie staunt, doch den Fachmann wundert es nicht, wenn Professor Gerald Reiner konstatiert: "Je weiter man sich vom mitteleuropäischen Wohlstand entfernt, desto reicher wird die biologische Vielfalt." Die schlichte Erklärung: Ein günstigeres Klima und der zumindest regional verminderte Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft.

D er Genetiker aus Wißmar, an der Gießener Justus-Liebig-Universität zuständig für die Krankheiten der Schweine, engagiert sich darüber hinaus im Arbeitskreis Wildbiologie - und hat ein Faible für Rotwild und für Vögel. Der Arbeitskreis widmet sich neben anderem eben just auch der Frage der Biodiversität.

Von seinen zahlreichen Rei-sen kreuz und quer durch Europa hat der 58-jährige Wissenschaftler einzigartige Naturaufnahmen mitgebracht. Aus einem Fundus von Zehntausenden Fotos schöpfend, entsteht derzeit ein Bildband über Europas gefiederte Biodiversität.

Während hierzulande der gemeine Sperling bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten auftaucht, belauschte Reiner in Finnlands Taiga Birkhühner bei der Balz, studierte vor Schottlands Küste Basstölpel und Trottellumme, flirtete in Wales mit Papageitauchern und fotografierte auf der niederländischen Insel Texel langbeinige Säbelschnäbler und Löffler. Vor gut zwölf Jahren, als Reiner in Vancouver (Kanada) unterwegs war, hat ihn die Leidenschaft der Tierfotografie gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen.

Seiner Frau hatte er vor einer Reise in Englands Hochmoore vor gar nicht allzu langer Zeit versprochen: "Diesmal keine Vögel." Das hielt - und zwar genauso lange, bis er eine Bekassine am Wegesrand entdeckte. Schon war es um das Versprechen geschehen und die Kamera gezückt.

Der Vogel des Jahres 2013 gilt als gefährdet. Denn sein Lebensraum wird immer weniger .

Gefährdete Arten - das sind ohnehin die Stichworte für den Vogelkundler: Auch im Gießener Land gibt es viele Flächen bis hin zu den Hausgärten, die geeignet sind, Biodiversität zu erhalten. "Man muss es aber wollen und tun", sagt Reiner. Nicht von ungefähr seien der Spatz sowie die Rauch- und die Mehlschwalbe bedroht. Ihnen fehle schlicht der Lebensraum im Dorf, wenn Scheunen schwinden, alle Wege asphaltiert sind und vermeintlich pflegeleichte Steingärten Raum greifen.

Gleiches gelte für das Grün, sagt Reiner. Er rät zu Hasel und Holunder oder eben zur Eberesche. Man solle lieber auf jene Pflanzen setzen, statt auf tropische Exoten. Und wo Feldfluren und Streuobstbestände schwinden, wo Insektizide und Pestizide die Nahrung der Vögel vergiften, wo zu viel Düngung Ameisen sterben lässt, da verstummt eben auch das Gezwitscher.

Neuntöter und Nachtigall etwa brauchen die Weißdornhecken, Eisvogel und Wasseramsel bedürfen der Auenlandschaft. Das Wissen ist bei vielen durchaus vorhanden, und doch folgen viel zu selten Taten. Und so soll Reiners geplanter Bildband eben auch ein Plädoyer für den Erhalt der Vielfalt der Vogelwelt sein.

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