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Eintracht verliert in Hannover

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Joselu ist bedient.
Joselu ist bedient. © Reuters

Trainer Armin Veh ist stinksauer: Nach wichtigen Schritten zum Klassenerhalt verlor Eintracht Frankfurt 2:3 gegen Hannover. Unterdessen sprach der potenzielle Trainer-Nachfolger Roger Schmidt bei einer Pressekonferenz über seine Zukunft.

Armin Veh war sauer. Richtig sauer. Die Art und Weise der 2:3 (1:3)-Niederlage seiner Eintracht aus Frankfurt gegen Hannover 96 am Gründonnerstag hatte ihm zugesetzt. »Ich bin hier der einsame Rufer in der Wüste«, grantelte er auf der Pressekonferenz, nachdem er seinen Unmut zuvor schon in verschiedene Kameras gesprochen hatte. Der Trainer des hessischen Bundesligisten fühlte sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass der Klassenerhalt mit 35 Punkten für die Mainstädter noch nicht sicher ist. »Die ganze Stimmung hier ist so, als ob schon alles gelaufen wäre«, setzte Veh seine Wutrede fort. Fakt ist: Der Vorsprung der Eintracht auf den Relegationsplatz beträgt weiterhin acht Punkte, die Konkurrenz ist unter Zugzwang. Die Leistung der Eintracht vom Gründonnerstag stimmt aber für die kommenden schweren drei letzten Saisonspiele (in Sinsheim, gegen Leverkusen, in Augsburg) nicht optimistisch. Für Frankfurt war es die dritte Niederlage aus den vergangenen vier Partien.

Die Frankfurter kamen gegen Hannover nie richtig ins Spiel, wirkten schläfrig, agierten zerfahren und ohne Tempo. Die Akteure der Heimelf fanden kein Zugriff auf die Hannoveraner, die mit einfachsten Mitteln zum Torerfolg kamen und in den entscheidenden Situationen gedankenschneller waren. Die Systemumstellung nach dem Wechsel – Meier für Schwegler – brachte zwar nach einer halben Stunde etwas Bewegung in die Offensivbemühungen der Frankfurter, doch selbst das Momentum nach dem 2:3-Anschlusstreffer durch Meier (68.) half dem Team von Armin Veh an diesem Abend nicht. Die Gastgeber fighteten und zeigten Leidenschaft, brachten aber keine taktische Klugheit oder spielerische Qualität in ihre Aktionen. Das erste SGE-Tor markierte Martin Lanig (13.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Bei Hannover überragten die beiden Glatzköpfe Leon Andreasen und Christian Pander, die vier Scorerpunkte verbuchten. Andreasen (2.), Lars Stindl (20.) und Didier Ya Konan (29.) trafen für die Gäste.

»Pomadig« fand dann auch Armin Veh das Auftreten seiner Mannschaft, die nicht mal so spielen dürfe, »wenn wir schon durch wären«. Die Einstellung wie zu einem Freundschaftsspiel habe er bei seinen Spielern ausgemacht, von der Kritik wolle er auch keinen seiner Akteure ausnehmen.

Veh hatte unterdessen mit zwei weiteren Ärgernissen zu kämpfen. Einmal zeigte der erstmals seit einem Monat wieder eingesetzte Pirmin Schwegler wenig Verständnis für seine Auswechslung nach 32 Minuten. »Ich musste einen Sechser rausnehmen, um Alex Meier zu bringen. Pirmin hätte sowieso keine 90 Minuten durchgehalten«, rechtfertigte sich der 53-Jährige. Zweitens bot FIFA-Schiedsrichter Dr. Felix Brych eine indiskutable Leistung. »Jede 50:50-Entscheidung war gegen uns. In der zweiten Halbzeit wurde kaum noch gespielt. Das hat mit Fußball nichts zu tun«, ließ Veh Kritik am Unparteiischen durchklingen. Satte 45 Fouls wies die offizielle Statistik aus.{newPage}

Während der aktuelle Trainer Armin Veh mit seinem Team grantelte, sprach ein potenzieller Nachfolger bei einer Pressekonferenz ausgiebig über seine Zukunft – ohne jedoch konkret zu werden. Salzburgs Coach Roger Schmidt wurde beim obligatorischen Meeting mit den Journalisten vor dem nächsten Meisterschaftsspiel jedoch nicht nach Stärken und Schwächen des Gegners befragt, sondern nach Für und Wider in Sachen Vertragserfüllung bei den Roten Bullen in Österreich. Frankfurt und Leverkusen buhlen offensichtlich um die Dienste des 47-Jährigen, weitere Klubs könnten im Hintergrund lauern. Aus der Mainmetropole liegt Schmidt ein unterschriftsreifer Vertrag vor, nachdem sich Vorstandsboss Heribert Bruchhagen das Okay vom Aufsichtsrat geholt hat. Der Mann mit der steilen Karriere (vor vier Jahren noch Regionalliga-Trainer in Münster, jetzt schnellster österreichischer Meister aller Zeiten) bittet jedoch um Verständnis, dass er sich bislang noch nicht entschieden hat – und dies wohl über Ostern auch nicht tun wird, zumindest nicht offiziell. »Ich habe nicht viel Zeit gehabt, mir intensiv Gedanken zu machen, weil ich mich darauf konzentriere, meine Arbeit hier gut zu machen. Der Entscheidungsprozess wird noch ein bisschen dauern«, sagte er.

Vielleicht wartet Schmidt darauf, dass die Eintracht den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringt. Die nächste Chance dazu haben Schwegler und Co. am kommenden Samstag bei der TSG 1899 Hoffenheim. Bis dahin wird Armin Veh kein einsamer Rufer mehr sein – die Hannover-Niederlage dürfte ein Weckruf gewesen sein. Michael Wiener

Veh hakt den Abstiegskampf noch nicht ab Schmidt der Favorit für den Trainerposten Eintracht-Kapitän Schwegler kehrt zurück

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