Geli Fahrenberger
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Geli Fahrenberger

Ein Einkaufstag für Frauen, einer für Männer

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Gießen/Bogotá(pd). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Nicht nur hierzulande. An dieser Stelle gewähren Menschen, die aus dem Gießener Land stammen, mittlerweile aber in anderen Ländern eine Heimat gefunden haben, Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Angelika "Geli" Fahrenberger. Die 63-Jährige hat in Gießen Ernährungswissenschaften studiert und ging mit ihrem Mann Juan Diaz Merlano 1985 in dessen Heimatland Kolumbien. Seit 2004 lebt die Familie in der Hauptstadt Bogotá.

Frau Fahrenberger, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Normalerweise arbeite ich in einem Reisebüro. Wir entwerfen und organisieren Reisen durch Kolumbien für große Veranstalter. Ich bin in unserem Büro zuständig für deutsche Unternehmen. Ich konnte schon vor Beginn der Corona-Krise arbeiten, von wo aus ich wollte, bin aber dreimal die Woche mit dem Bus ins Büro gefahren, um andere Leute zu treffen. Das Wochenende haben wir häufig dazu genutzt, Freunde zu treffen oder Ausflüge zu machen.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

In ganz Kolumbien gilt seit dem 25. März eine Ausgangssperre, in Bogotá hat die Bürgermeisterin schon am 19. März eine Quarantäne verhängt. Das galt zunächst in der ganzen Stadt bis zum 13. April und wurde noch einmal bis zum 27. April verlängert. Da bis Ende Mai weder nationale noch internationale Flüge erlaubt sind, hat das natürlich auch für mich und meine berufliche Tätigkeit weitreichende Konsequenzen. Sämtliche Reisen wurden storniert. Das musste ich gemeinsam mit meinen Kollegen in den vergangenen Wochen abwickeln. Wenigstens sind wir im Moment dabei, die Preise für die im kommenden Jahr geplanten Reisen festzulegen. Ich hoffe allerdings, dass es schon früher wieder losgeht. Immerhin darf man seit dem 27. April morgens zwischen sechs und zehn Uhr wieder Sport machen auf den Straßen. Auch dabei muss man Mundschutz tragen. Da ich mich nicht mehr mit Freunden treffen darf, telefoniere ich viel mehr oder nehme Kontakt per WhatsApp, E-Mail und über andere Medien auf. Übrigens dürfen an ungeraden Wochentagen nur Männer und an geraden nur Frauen das Haus verlassen.

Was vermissen Sie am meisten?

Grundsätzlich vermisse ich die sozialen Kontakte und die Unbeschwertheit, mit der man sonst beispielsweise einkaufen geht. Ich vermisse es auch, am Wochenende mal raus aus Bogotá zu fahren oder einfach mal mit Familie und Freunden ins Kino zu gehen.

Was ist positiv?

Die Qualität der Luft in Bogotá ist besser geworden. Positiv ist auch, dass ich ein bisschen mehr Sport mache als vor der Corona-Zwangspause. Seitdem das wieder möglich ist, gehen mein Mann und ich jeden Tag eine Stunde raus oder wir machen Gymnastik nach Youtube-Anleitung. Außerdem habe ich mehr Zeit zum Puzzlen und zum Kochen.

FOTO: JUAN DIAZ MERLANO

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