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Der Einkauf und der gesunde Menschenverstand

  • vonred Redaktion
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"Vielleicht rüttelt es die Leitung von Supermärkten ein wenig wach" - mit diesem Appell schildert Leserin Christina Scharmann (Grünberg) unter dem Titel "Wenn der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleibt" eine Begebenheit, die es nur in Zeiten von Corona geben kann:

Ein sonniger Nachmittag in einer Kleinstadt, deren Leben nur noch in Häusern, Apotheken oder Supermärkten stattfindet. Ein Ehepaar ging einkaufen, die drei Kinder und die (Schwieger)Eltern, die zur Risikogruppe gehören, blieben zu Hause.

Zuerst benötigte das Paar zwei Einkaufswägen. Nachvollziehbar, darf ja nur eine gewisse Anzahl an Leuten in den Supermarkt. Der Einkauf wurde ruhig und besonnen ausgeführt - keine Nudeln, kein Reis, kein Mehl. Dann näherte es sich dem heiligsten aller Güter in diesen Wochen: dem Toilettenpapier! Da das Ehepaar auch schon Wochen vorher besonnen eingekauft hatte, neigte sich der Vorrat dem Ende zu. Auch die Schwiegereltern hegten den Wunsch, eine Packung dieses "Wundergutes" zu verbrauchen, da sich auch hier der Vorrat dem Ende zuneigte. Auf dem Schild stand geschrieben:"Pro Einkauf nur eine Packung Toilettenpapier."

Das Ehepaar war nicht dumm, hatte den gesunden Menschenverstand noch nicht verloren, hatte ja zwei Einkaufswägen und lud in jeden eine Packung Toilettenpapier ein - eine für den eigenen Haushalt mit den Kindern und eine für die Schwiegereltern.

Bis hierher war alles in Ordnung, dann sollte diese Geschichte ihren fulminanten Höhepunkt erreichen: Das Paar stellte sich hintereinander an die Kasse. Da es der Frau höchst merkwürdig vorkam, wegen einer Packung Toilettenpapier mit der EC-Karte zu bezahlen, fragte sie die Kassiererin, ob das Toilettenpapier auch zusammen mit der anderen Ware bezahlt werden könne, es wären ja auch zwei Haushalte. Dies war der größte Fehler, den man sich in einer solchen Krise erlauben kann.

Die Kassiererin war sehr verunsichert und holte eine Kollegin hinzu, die bestätigte, dass man sich fast kein größeres Fehlverhalten als Kunde leisten könne. Der Einkauf dieses allzu wertvollen Gutes wurde verweigert. So ging das Ehepaar seines Weges. Die Schwiegereltern würden am nächsten Tag einkaufen gehen, fortan aber in einem anderen Supermarkt. Und die Moral von der Geschicht? Wenn die Marktführung netter zu ihren Mitarbeitern ist und diesen mehr Entscheidungsfreiraum einräumt, können sie an der Kasse auch wieder ihren gesunden Menschenverstand einsetzen. pm/Symbolfoto: dpa

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