Dem heimischen Wald geht es nicht gut. FOTO: US
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Dem heimischen Wald geht es nicht gut. FOTO: US

Tod eines Ökosystems

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Den Wald, wie wir ihn seit Generationen kennen, wird es bald nicht mehr geben. 2020 wird im Licher Stadtwald wohl das letzte Jahr für die Fichte sein.

Wenigstens eine gute Nachricht konnte Revierförster Ulrich Gessner den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses verkünden. Das Sturmtief "Sabine" hat im Licher Stadtwald keine größeren Schäden hinterlassen. "Kein Vergleich zu Friederike", bemerkte Gessner. Ansonsten hörten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses von ihrem Förster, der demnächst von Hessen Forst in die Dienste der Stadt Lich wechseln wird, nur Hiobsbotschaften. Den Wald, wie wir ihn seit Generationen kennen, wird es so bald nicht mehr geben.

Gessner sprach vom massiven Absterben eines Ökosystems. "Wir verlieren die Fichte. 2020 ist ihr letztes Jahr." Auch mit der Lärche gehe es bergab, die plage jetzt ein eigener Käfer. Am gravierendsten sei aber das Absterben der Altbuchenbestände, die die heimischen Wälder prägten. "Die Buche vergreist früh und sie stirbt jung", sagte der Förster. Auf welchen Baum also sollen die Forstleute in Zukunft setzen? Eine Weile galt die Esche als perfekt, doch nun lässt ein eingeschleppter Pilz ihre Triebe absterben. "Die neue Herrscherin unserer Wälder könnte die Eiche werden", sagte der Licher Revierleiter, um sich sogleich zu relativieren. "Das ist der Stand heute." Noch wisse man nicht, ob sie nicht zeitversetzt auf die vergangenen zwei trockenen Sommer reagieren wird. Denn sie sind die Ursache des aktuellen Übels. "Ohne Wasser geht gar nichts." Auf eines hofft Gessner deshalb ganz besonders: auf einen normalen Sommer. Grundsätzlich werde der Forstwirtschaft aber nichts anderes übrig bleiben, als sich auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen. Als vitale Baumarten nehme man Elsbeere, Feldahorn und auch die Weißtanne ins Visier.

Die Auswirkungen des Klimawandels schaden dem Wald nicht nur in seiner Funktion als Lebensraum sondern auch als Wirtschaftsfaktor. Der Waldwirtschaftsplan für 2019, der ursprünglich mit einer "Schwarzen Null" geplant war, schließt nun mit einem Minus von 127 000 Euro ab. Gessner begründete das einerseits mit dem höheren Arbeitsaufwand zur Beseitigung des Schadholzes und andererseits mit dem massiven Preisverfall bei der Fichte. "Der Markt ist geflutet."

Und die Absterbewelle wird 2020 weiter andauern. Deshalb schließt auch der Waldwirtschaftsplan, den Gessner dem Haupt- und Finanzausschuss erläuterte, erneut mit einem Defizit. Diesmal sind es 94 000 Euro.

Unter anderem mussten die Mittel für den Unternehmereinsatz von 150 000 auf 250 000 Euro aufgestockt werden, um externe Arbeiten beim Einschlag und beim Holzrücken bezahlen zu können. Man wolle alles, was abstirbt, noch vermarkten, erläuterte der Förster. Dafür müsse man es aber schnell aus dem Wald heraus holen. Beim gesamten Jahreseinschlag 2019 habe es sich um Zwangsnutzung gehandelt, die Hälfte davon Fichte, obwohl die nur fünf Prozent des Baumbestandes ausmache. Gessner hofft, dass sich das Defizit im Stadtwald in absehbarer Zeit wieder reduziert - "weil die Fichte bald weg ist."

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