Eine ständige Bedrohung

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Gießen (pm). Lautes Bellen schallt durch den Wald, als der Hund eines Spaziergängers im Unterholz ein totes Wildschwein entdeckt. Wenig später steht fest: Das Tier starb an der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Das Szenario ist fiktiv - könnte aber so jederzeit und überall im Landkreis Gießen eintreten. Seit 2014 stellt die Afrikanische Schweinepest in Deutschland eine ständige Bedrohung für Haus- und Wildschweine dar. Damit bei einem Ausbruch im Landkreis Gießen schnell gehandelt werden kann, hatte der Landkreis nun für alle Beteiligten eine Informationsveranstaltung organisiert.

Die ASP ist eine Virusinfektion, die hauptsächlich durch Blut übertragen wird und ausschließlich Schweine befällt. Beinahe in jedem Fall führt sie zum Tod des Tieres. Impfungen gibt es keine. Für Menschen und andere Tierarten hingegen ist die Schweinepest ungefährlich. Tritt sie in einem Land auf, sind jedoch Handelseinschränkungen und große wirtschaftliche Schäden die Folge. Bei einem Nachweis der Seuche im Landkreis Gießen ist damit zu rechnen, dass Schweinefleischprodukte bundesweit über einen langen Zeitraum unter eine Exportsperre fallen.

Schaden in Milliardenhöhe

Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass bei einem Nachweis der volkswirtschaftliche Schaden in die Milliarden geht. Deshalb ist es wichtig, das Vorkommen der Afrikanischen Schweinepest so früh wie möglich festzustellen.

Wenn sich nur wenige Wildschweine infiziert haben, besteht die Chance, die Krankheit wieder auszumerzen. Dafür muss jeder gefundene Wildschweinkadaver und jedes krank erlegte Wildschwein auf ASP getestet werden. Fällt ein Ergebnis positiv aus, wird das Gebiet weiträumig umzäunt und abgesperrt, sodass Wildschweine das Gebiet nicht verlassen können.

Bei einem Ausbruch müssen Verwaltungen, Land- und Forstwirtschaft, Polizei sowie ASP-Sachverständige Hand in Hand agieren. Gelegenheit zum Kennenlernen und zum Austausch bot die Veranstaltung, die nun das Veterinäramt des Landkreises Gießen in der Kreisverwaltung organisiert hatte. "Es ist wichtig, mögliche Konzepte für dieses ziemlich sicher eintretende Szenario bereits im Vorhinein mit allen Akteuren zu besprechen", sagt der Dezernent für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Hans-Peter Stock. "Nur so können wir im Ernstfall professionell und schnell agieren."

Dr. Stefanie Graff, Sachgebietsleiterin für Tierseuchenbekämpfung beim Veterinäramt des Landkreises Gießen, erklärt die Begebenheiten: "Das Virus ist sehr widerstandsfähig und hält sich über Wochen und Monate in nicht oder nur schwach erhitzten Fleischprodukten wie Rohschinken oder Salami." Ein Infektionsrisiko besteht, wenn solche Produkte aus Risikogebieten zum Beispiel auf Autobahnraststätten unachtsam weggeworfen anstatt in Mülltonnen entsorgt werden. Aktuell sind in der Europäischen Union Belgien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei und Ungarn von der ASP betroffen.

Im Ausbruchsfall kann angeordnet werden, dass land- und forstwirtschaftliche Flächen nicht genutzt und betreten werden dürfen und dass in bestimmten Gebieten Jagdruhe herrscht.

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