Eine stabile Entwicklung

  • Rüdiger Soßdorf
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Wettenberg spürt die Corona-Folgen, wenn auch noch gering: Zwar sprudelt die Gewerbesteuer, aber bei der Einkommenssteuer sind die Zuwächse gebremst. Gleichwohl wird überaus kräftig investiert. Bürgermeister Thomas Brunner mahnt für die kommenden Jahre aber zu Achtsamkeit.

Wenn Marc Nees zum 1. Februar 2022 von Thomas Brunner die Amtsgeschäfte in der Bürgermeisterei übernimmt, dann übernimmt er zugleich einen Etat für die Gemeinde im kommenden Jahr, der Brunners Handschrift trägt. Knapp 27,7 Millionen Euro ist das Etat-Volumen, der Ausgleich soll erstmals seit vielen Jahren durch einen Griff in die Rücklage erfolgen: Knapp 575 000 Euro, so der Vorschlag des Bürgermeisters, müssen daher bereitgestellt werden. Einer der Gründe sind etwa Pensions- und Beihilferückstellungen in Zusammenhang mit dem anstehenden Bürgermeisterwechsel.

Dessen ungeachtet können sich die Zahlen sehen lassen: Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt jetzt zum Jahresende 590 Euro. Bei Brunners Amtsantritt vor zwölf Jahren waren es noch 839 Euro Schulden je Einwohner. Und trotz kräftiger, stetiger Investitionen in den vergangenen Jahren gibt es eine Rücklage von rund 14 Millionen Euro.

Die Gemeinde sei leistungsstärker und krisenfester geworden. Es gebe Spielräume für weitere Investitionen. Die Rücklage sei aber, so mahnt der Bürgermeister, »kein Ruhekissen, auf dem sich das Parlament oder meine Nachfolger im Amt ausruhen sollten«.

Brunner warnt vor Sorglosigkeit: Denn die Haushalte 2022 und 2023 werden von der Coronapandemie und deren Folgen belastet. Dem Parlament schreibt der scheidende Bürgermeister ins Stammbuch, »wachsam zu bleiben und die Berichte zur finanziellen Lage aus dem Gemeindevorstand sorgsam zu prüfen«. Sonst könnte der über zwölf Jahre erarbeitete Puffer innerhalb kürzester Zeit verbraucht sein.

Trotz Corona sprudelt ein Teil der Steuer-Einnahmen. In diesem Lahr läuft es auf rund 6 Millionen Euro Gewerbesteuer zu; für das kommende Jahr wird mit 5,75 Millionen Euro kalkuliert. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.

Der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer nämlich wächst entgegen dem Trend der vergangenen Jahre nur noch um rund 100 000 auf 8,67 Millionen Euro. Unterm Strich plädiert der Bürgermeister dafür, die Gemeindesteuern unverändert zu belassen - und damit auf einem unterdurchschnittlichen Niveau.

An Investitionen sind 7,16 Millionen Euro geplant, fast 1,1 Millionen Eu ro mehr als in diesem Jahr. Dabei finden sich dicke Brocken wie eine Million Euro für den Neubau des Rathauses, eine Million für das Erweitern der Feuerwehr in Wißmar, 600 000 Euro für das Erneuern des Bürgerhaus-Parkplatzes, ebenfalls in Wißmar, 420 000 Euro für barrierefreie Bushaltestellen, gut eine halbe Million für die neue Brücke über die Kanonenbahntrasse Richtung Hardthof oder 1,15 Millionen Euro für die Erweiterung des Gewerbegebiets bei Launsbach.

Der Ausbau der Gemeinde als Dienstleister für die Bürger und vor allem die familienfreundlichen Strukturen sorgen auf der anderen Seite für den dicksten Ausgaben-Posten: 9,77 Millionen Euro machen die Personalkosten mittlerweile im Jahr aus; vor zwölf Jahren war es etwas mehr als die Hälfte. Allein knapp 4,9 Millionen gehen heute in die Kinder- und Jugendbetreuung. Und wenn in den kommenden Jahren die Kindertagesstätten »Finkenweg« in Krofdorf sowie »Pfiffikus« in Wißmar neu und damit größer gebaut werden, dann werden die Personalausgaben noch weiter steigen.-

Um die gute Entwicklung stabil zu halten, sei der Zuzug junger Menschen unerlässlich, so der Blick des Bürgermeisters nach vorn. Und auch Gewerbeflächen, vornehmlich in Launsbach und Wißmar, seien weiter anzubieten: Die gewerbliche Entwicklung müsse man als »Chefsache« betrachten, gibt Brunner seinem Nachfolger als Ratschlag mit auf den Weg.

Brunner sagt, er scheide zum 1. Februar 2022 »mit der Gewissheit aus dem Amt, dass er seinem Nachfolger eine hervorragend aufgestellte Gemeinde zu treuen Händen übergebe«. Wettenberg sei fit für die Zukunft, und Bürgermeister und Parlament könnten weiter gestalten. Sie seien nicht aufs reine Verwalten degradiert, wie dies in anderen Gemeinden leider der Fall sei.

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