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Künftig noch mehr im Flieger? Thorsten Schäfer-Gümbel.

Eine Partei in Bewegung

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Die SPD übt beim Parteitag in Kleinlinden den Hammelsprung und verkleinert ihren Unterbezirksvorstand. Emotionaler Moment des Abends: Thorsten Schäfer-Gümbels Abschied von der politischen Bühne - just dort, wo seine Karriere begann.

Jetzt bin ich schon so lange in der Partei, aber das habe ich noch nicht erlebt!" Horst Röhrig, bis vor wenigen Wochen noch Bürgermeister in Langgöns und seit mehr als 40 Jahren SPD-Mitglied, zeigte sich sichtlich amüsiert über den "Hammelsprung" beim Unterbezirksparteitag der Genossen.

Die Sozialdemokraten aus dem Landkreis Gießen tagten in Kleinlinden, um ihre in die Jahre gekommene Satzung für den Unterbezirk zu überarbeiten und sich mit Anträgen zum Klimaschutz etwa oder zur Bildung zu beschäftigen - ein eher unspektakulärer Arbeits-Parteitag eben. Bis zu entscheiden war, wie viele Stellvertreter der oder die Unterbezirksvorsitzende künftig haben soll: Zwei oder vier? Oder drei, wenn wie in der Bundespartei eine Doppelspitze installiert wird?

Ein erster Versuch der Abstimmung per Akklamation ergab kein eindeutiges Meinungsbild, auch wenn Umut Sönmez im Präsidium meinte, den Überblick zu haben und eine Tendenz erkennen zu können. Eine Wiederholung lieferte erneut ein unklares Ergebnis. Also Einsatz der Zählkommissions-Mitglieder, die die Reihen der Delegierten bei der Abstimmung durchzählten. Doch auch das blieb ohne klaren Befund, trug vielmehr zu Erheiterung bei: Die Stimmenzähler hatten 156 Voten addiert - bei 144 Delegierten im Saal.

Was blieb, war der "Hammelsprung"- das Zählverfahren durch Verlassen und wieder Betreten des Saales. Das knappe Ergebnis (68 Ja- und 71-Nein-Stimmen für nur 2 Stellvertreter, fünf Enthaltungen), machte deutlich, wie wichtig es war, die Partei in Bewegung zu bringen.

Weitere Ergebnisse: Dem Unterbezirksvorstand gehören künftig nur noch zehn statt bislang 18 Beisitzer an. Und eine Doppelspitze wird möglich. "Wir haben viel getan, um unsere Handlungsfähigkeit zu erhöhen", zeigte sich Unterbezirks-Vorsitzende Matthias Körner am Ende zufrieden.

"TSG" nimmt Abschied

Für einen Delegierten des Ortsvereins Lich war der Parteitag ein besonderer: Thorsten Schäfer-Gümbel erinnerte sich daran, dass seine hauptberufliche Karriere vor mehr als 20 Jahren just in jenem Bürgerhaus in Kleinlinden ihren Anfang nahm, als der Gießener Sozialdezernent Gerhard Merz ihn in sein Team berief.

Am Dienstag verabschiedete sich TSG ebendort (vorerst?) von der politischen Bühne, um in den Vorstand der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit zu wechseln. Er habe sich in diesem Unterbezirk immer gut aufgehoben gefühlt, dankte er seinen Parteifreunden. Und kündigte an, Ratschläge künftig nur noch dann zu geben, wenn er darum gebeten werde. Gleichwohl kann er sich vorstellen, sich in seinem Licher Ortsverein etwas mehr zu engagieren - da gebe es auch Arbeit, deutete er an.

Die Genossen verabschiedeten TSG mit einem besonderen Geschenk: Einem Airbus- Modell. Vorsitzender Körner rief Schäfer-Gümbels Bekenntnis vor wenigen Tagen in Erinnerung: Das Standardessen für Politiker, belegte Brötchen, könne er nicht mehr sehen. Nun nehme TSG aber eine berufliche Herausforderung an, bei der es sicherlich wieder belegte Brötchen gebe. Zudem fliege "der Thorsten" nicht so gerne, frotzelte Körner. Doch nun gehe er in einen Job, in dem er wohl noch mehr fliegen müsse als bislang.

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