Da will er hinein: Matthias Meyer hat gestern Abend im Laubacher Rathaus offiziell seine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt bekannt gegeben.
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Da will er hinein: Matthias Meyer hat gestern Abend im Laubacher Rathaus offiziell seine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt bekannt gegeben.

Für eine Kultur des Miteinanders

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Der 6. Dezember ist Wahltag in Laubach. Dann entscheidet sich, wer auf Bürgermeister Peter Klug folgt. Nach dem Stand der Dinge - sofern bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 28. September kein Dritter antritt - wird an Nikolausabend Klugs Nachfolger feststehen: Björn Erik Ruppel (CDU) oder Matthias Meyer (unabhängig), der nun seine Kandidatur offiziell bekannt gegeben hat.

Im Laubacher Rathaus stellte sich der 50-Jährige gestern Abend der Presse vor. Mit dabei Vertreter von Grünen und SPD, auf deren Rückendeckung er bislang zählen kann. Unter den rund 30 Männern und Frauen aber auch viele parteiunabhängige Bürger, die ihm ihre Unterstützung zugesichert haben.

So hatte es sich der Ex-Banker auch gewünscht: Wie er vor knapp drei Wochen, da noch in der Entscheidungsfindung, im GAZ-Gespräch betont hatte, wolle er mit einem fundierten Programm ins Rennen gehen. Erst seit einem Jahr in der alten Residenzstadt zu Hause, bedarf es »lokaler Expertise«. Und mehr: »Für die Kandidatur, aber auch für eine neue Vision für unsere Stadt braucht es eine breite Basis«, unterstreicht er eingangs seiner Vorstellung.

Meyer spricht bewusst von Kampagne, das Wort Wahlkampf mag er nicht. Es passte auch nicht zum Motto seiner Bewerbung ums Bürgermeisteramt: »Miteinander für Laubach.« Was gestern Abend deutlich wird: Das »Wir« hat für den seit 2017 selbstständigen Business-Coach und Yoga-Lehrer herausragende Bedeutung. Kommt er auf seine Grundsätze und Ziele zu sprechen, eröffnet er fast durchweg mit dem Personalpronomen, das den Einzelnen als Teil einer Gruppe definiert.

Sein Kampagnemotto, der Willen, eine (neue) Kultur des Miteinanders zu schaffen, wird Meyer im Folgenden auf viele seiner Programmpunkte herunterbrechen. »Wir leben in Stadtteilen, die unterschiedlich sind - gut so. Die Vielfalt macht Laubach aus«, formuliert er etwa. Und wünscht sich doch mehr Solidarität der Stadtteile - »und das nicht nur, wenn es gegen die Kernstädter geht«, wie er mit einem Schmunzeln anfügt.

Die Herausforderungen einer komplexen Welt - insbesondere Digitalisierung und Klimawandel rechnet er dazu - gelte es anzunehmen, sagt Meyer. Und damit einhergehende Chancen konsequent zu nutzen. Wesentliche Voraussetzung: schnelles Internet. Gerade auf dem Land, da man mit einer guten Breitbandversorgung etwa mit Telemedizin die ärztliche Versorgung stärken, Neubürger und Unternehmen locken könnte. Geradezu »entsetzt« sei er gewesen, als erfahren habe, dass Altenhain von der Internet-Nachdichtung ausgeschlossen werde. »Kein Ort darf zurück bleiben«, konstatiert er, dafür aber bedürfe es politischen Drucks - auch aus den nicht abgehängten Stadtteilen.

Angesicht der hohen Schulden der Kleinstadt fordert der Finanzexperte einen effizienten Einsatz finanzieller wie personeller Ressourcen. Der Ausbau der Ínterkommunalen Zusammenarbeit ist ihm ein wichtiges Anliegen, sieht hier etwa die Chance für den Neustart der Jugendarbeit. Meyer wendet sich gegen ein »Kaputtsparen der Infrastruktur«; nicht weniger, dafür intelligenter sollte investiert werden. Die Bäder will er in jedem Fall erhalten, Kindern bis zwölf Jahren den Eintritt erlassen. Nicht zuletzt, um sich als familienfreundliche Gemeinde mit guten Schulen und Kitas weiter zu profilieren.

Für den Dipl.-Ökonomen sind die Natur und der Waldreichtum das Kapital der 10000-Seelen-Kommune. Dieses gelte es zu erhalten, Maßnahmen zum Schutz von Wald, Grundwasser, zur Minderung von Emissionen zu ergreifen. Um so auch diese Ressource einzusetzen für das Werben um den Wohnstandort - und um »passende« Unternehmen. »Laubach als Stadt mit Möglichkeiten mitten in der Natur«, lautet da sein Slogan. Nicht nur der Naturkindergarten ist für ihn Beleg für viele Ideen und Konzepte in der Bürgerschaft. Wenn sich eine Kultur der Ermutigung und Wertschätzung entwickle, kämen gewiss noch viele weitere hinzu. Auch die Verwaltung sollte dann als Partner der Bürger »Ermöglicher« sein.

Meyer hat kaum kommunalpolitische Erfahrung, öffentliche Verwaltung ist für ihn fremdes Terrain. Dennoch zeigt er sich sicher, auch dank seiner beruflichen Erfahrung, für eine moderne, effiziente Verwaltung sorgen zu können.

»Eine Atmosphäre des respektvollen, konstruktiven Diskutierens der besten Argumente und Konzepte muss in gemeinsames Handeln münden«, steht schließlich auf seiner Agenda. Was auch auf die kritikwürdige politische Kultur in Laubachs Stadtparlament gemünzt sein könnte. Auf die Nachfrage, wie er das erreichen wolle, wo er doch als Unabhängiger über keine Hausmacht im Parlament verfügt, antwortet er: »Das schreckt mich nicht, das ist ja Teil meines Konzepts.«

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