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Blick in die Alte Kirche in Volpertshausen mit den historischen Wandmalereien. (Foto; con)

Eine Kirche, die die Kirche nicht mehr wollte

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Hüttenberg (con). "Es war einmal eine kleine alte Kirche..." - so könnte in Zukunft begonnen werden, wenn man über die Geschichte der Alten Kirche in Volpertshausen berichtet. Denn ihre Geschichte hat durchaus einen märchenhaften oder fantastischen Charakter: Erbaut an einer ungewöhnlichen Stelle - warum die mittelalterlichen Bauherren das Gotteshaus mitten auf einer feuchten Wiese außerhalb der Ortslage errichteten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben - machte die Kirche gute und schlechte Zeiten durch.

Erwähnung fand die Kirche schon in einer Wunderlegende der Heiligen Elisabeth im Jahr 1232 und damit dürfte sie wohl das älteste Gebäude in Hüttenberg sein. Im Jahr 1856 wurde dann ein Schatz, bestehend aus 2000 sorgsam verpackten Münzen aus dem 12. Jahrhundert, in der Nähe der Kirchhofsmauer gefunden. Der Fund ging an das Königliche Museum in Berlin, wo sich seine Spuren verlieren. Damit näherte sich die Geschichte aber auch ihrem dunkelsten Kapitel: Mit dem Bau der neuen Kirche zwischen Volperthausen und Weidenhausen wurde die Alte Kirche nicht mehr genutzt und verfiel zusehends.

Eine Feuerwehrübung gab ihr dann fast den Rest: Denn dabei wurde das Kirchengebäude komplett unter Wasser gesetzt - an einem Tag entstand mehr Schaden als in den vorhergehenden 700 Jahren. 1979 entstand die Idee, das Gebäude abzubauen und in den Hessenpark zu verlegen. "Es ist ein Wunder, dass die Kirche heute noch steht", berichtete Bürgermeister Christof Heller zur Einweihung der neuen Alten Kirche am Mittwoch. Sogar ein Pfarrer sprach sich damals für die Niederlegung des Kirchengebäudes aus. Von einer der genannten Begründungen für den Abriss erzählte Bezirksdenkmalpfleger Udo Schreiber: "Man hatte Angst, dass in der Alten Kirche Schwarze Messen abgehalten werden könnten." Ob diese Gefahr in Volpertshausen bestanden hat, darf bezweifelt werden. Mit der Übernahme durch den "Förderkreis Alte Kirchen Marburg" 1985 ging es langsam wider bergauf - 2009 übernahm dann die Gemeinde Hüttenberg für 10 000 Euro den Kirchenbau und suchte nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit.

Was aber macht man mit einem Gotteshaus, dass die Kirche nicht mehr will? Eine schwere Frage, denn selbst wenn man das historische Kirchengebäude erhalten würde, musste dieses auch genutzt werden. So entstand vor rund zehn Jahren im Zuge der Dorfentwicklung die Idee einer Atelierkirche: "Eine Arbeitsgruppe machte sich Gedanken für eine Nutzung der Kirche hier und über die Verbindung mit der vielen Künstleraktivität in Volpertshausen entstand so die Idee der Atelierkirche", berichtet Stadtplanerin Renate Buchenauer. Sie begleitete das Projekt "Dorfentwicklung" in seiner Anfangszeit. In Zukunft sollen Kunst und Kultur die historischen Mauern aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und wieder mit Leben erfüllen.

Bilder aus dem Mittelalter

Diese Nutzung passt auch aus anderen Gründen sehr gut. Denn die restaurierten, mittelalterlichen Wände im Innenraum zeigen auch heute noch einige Bilder und Zeichnungen. Die Kunst ist also schon seit Jahrhunderten Teil der Alten Kirche. Aber es gibt noch vieles zu tun. Unter anderem soll auf dem Gelände noch ein Multifunktionsgebäude stehen, um Ausstellungen zu unterstützen.

Das Projekt "Atelierkirche" in Volpertshausen könnte einmal Vorbildfunktion erhalten. Denn ob es in 50 Jahren aufgrund der sinkenden Zahlen an Gläubigen noch in jedem Dorf eine eigene Kirche geben wird, steht in den Sternen. Für die historischen und meist ortsbildprägenden Gebäude dann eine adäquate Nachnutzung zu finden, bei der diese auch noch öffentlich zugänglich bleiben, ist daher eine bedeutungsvolle Aufgabe.

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